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The(G)net Review: Contra Rogue Corps

Nebst Metal Gear und Castlevania zählt Contra (älteren Herrschaften auch als Probotector bekannt) zu den bekanntesten und beliebstesten Marken von Konami. Und auch heute gilt es eine Armada von ausserirdischen Invasoren den Garaus zu machen, bevor die Menschheit ausradiert wird. Die Last der Welt liegt diesmal auf den Schultern vier freiwilliger Söldner.



Bunter könnte die Truppe nicht sein oder wo teilen sich ein steroidgepumpter Duke Nukem Verschnitt, eine schwertschwingende Soldatin mit einem Alienkopf im Bauch, ein übergelaufener Ausserirdischer und ein Cyber Panda die Aufräumarbeiten? Ausgestattet mit einer Primär- und Sekundärwaffe, die sich bei jedem Teammitglied unterscheidet, plus individueller Spezialattacke, ballert sich die multikulturelle Söldnercrew durch typische, apokalyptische Untergangsszenarien. Doch im Gegensatz zu den Vorgängern können alle Waffen im kleinen Oberweltbasiscamp beim Ballistikexperten individuell aufgewertet und neue Knarren erworben werden. Letztere verfügen über unbegrenzt Munition, dennoch darf nicht unbegrenzt geschossen werden, da die Waffen ansonsten überhitzen. Dann dauert es jeweils ein paar Sekunden bis sie wieder einsatzfähig sind, somit ist ein konstanter Waffenwechsel unumgänglich.



Da alle Teammitglieder Cyborgs sind, befinden sich im angrenzenden Lazaret drei verschiedene Chirurgen, die eure Körperteile unterschiedlich upgraden. Doch auch kurz vor dem Weltuntergang funktioniert der Kapitalismus wie eine Eins, denn ohne Zaster lauft hier nix. Waffenupgrades und Körpermodifikationen gibt es nur gegen Bares. Glücklicherweise finden die schiesswütigen Recken im Laufe der Missionen in Kisten und getöteten Aliens Goldstücke, Lebenspunkte und Granaten/Raketen, die die bittere Alienhatz erleichtern. In seltenen Fällen stösst man in den Levels auf temporäre Waffen, die kräftig Wumms haben, aber nur über ein begrenztes Magazin verfügen.



Standardmässig beginnt die Contratruppe mit drei Leben und einer Energieleiste. In den Missionen gibt es keine Rücksetzpunkte und da kann ein Level dann schon gut und gerne 15 bis 30 Minuten dauern. Wer vorher das Zeitliche segnet oder wenn der Timer auslauft, muss die ganze Mission von neuem gestartet werden. Continues gibt es nicht. Das Spiel kann zwar pausiert werden, lauft aber wie z.B. bei Dark Souls im Hintergrund weiter. Die Kameraführung wird generell aus einer Mischung aus fliessender Vogel- und isometrischer Perspektive dargestellt, wobei auch kurzzeitig in den klassischen Sidescrollermodus gewechselt wird. Der Spieler hat derweil keinerlei Möglichkeit die Kamera selbst zu steuern.



Zu den Heerscharen von hautlosen Fussvolkalien gesellen sich kleinere und grösseren Minibosse, bevor die Ballerkameraden auf übermächtige Level Endbosse stossen. Wer nicht solo einen auf Rambo machen will, sucht sich in Multiplayer-Modus online bis zu drei Gleichgesinnte und stürzt sich gemeinsam ins Kampfgetümmel. Im Couch Coop teilen sich zwei Spieler die Arbeit und schiessen in speziellen Erkundungsmissionen gemeinsam das aggressive Alienpack über den Haufen. Den Story-Modus zu zweit zu spielen ist leider nicht möglich. Gerne hätten wir auch den Onlinemodus getestet, nur fand sich in den zahlreichen Anfragen nicht ein einziger Spieler auf den Servern.



Fazit: Wenn es darum geht bekannte IPs an die Wand zu fahren, dann ist Konami ganz weit vorne. Und auch diesmal machen sie wieder mal alles richtig falsch. Aber zuerst zu den positiven Punkten. Die Charaktere und Story sind herrlich überzogen und nehmen sich selber nicht ernst. Die Upgrades der Charaktere und Waffen bringen frischen Wind ins Genre und der Umfang des Spieles ist mit über 20 Missionen durchaus beachtlich. Leider mangelt es aber ansonsten an allen Ecken und Enden. Grafisch bewegt sich das Spiel auf PS 2/3 Niveau. Matschige Texturen wechseln sich mit wiederholenden Levelteilen ab. Die Gegnerhorden sind bis auf die Bosse übliche Standardware. Auf dem Bildschirm herrscht manchmal so ein Chaos, dass selbst der geübteste Ballerexperte frustriert das Joypad beiseitelegt. Trotz dem Versprechen aus dem Pressetext, dass man über 100 Waffen zur Auswahl hätte, wird das Ganze durch die In-Game-Shop Politik zunichte gemacht. Bevor man sich ein anständiges Arsenal angeschafft hat, ist einem die Lust längst vergangen, denn die knausrigen Entwickler spendieren in den Levels nur minime Goldbeträge und wer nicht grindet wird spätestens in Level 7 auf eine beinahe unüberwindbare Gegnerwand stossen. Dazu kommt noch der unnötige Überhitzungseffekt der Waffen, der den Spielfluss ständig bremst und selbst das Waffenwechseln verzögert sich so lange, dass man in hitzigen Situationen leicht den Überblick verliert. Unverständlich ist auch die Kameraführung. Je nach Levelaufbau dreht sie sich nach Belieben zum Nachteil des Spielers und oft ballert man irgendwo ins Blaue auf gut Glück und hofft auf unkontrollierte Treffer. Ich persönlich mag ja Spiele mit sattem Schwierigkeitsgrad aber hier wurde nix abgestimmt oder passend modifiziert. In späteren Levels wird einfach die Gegnerzahl und deren Energie erhöht, was wiederum das ganze Waffensystem und die Upgrades ab absurdum führt. Wenn Konami keine Lust mehr an Videospielentwicklung hat und alle Projekte mit einem begrenzten Budget an kleine unabhängige Studios auslagert, dann wäre es besser die Marken zu verscherbeln und sich auf ihr momentanes Kerngeschäft zu konzentrieren. Oder wie sagte es Ex-Bayerntrainer Trappatoni so schön: Was spiele Konami? Spiele wie Flasche leer. Ich habe fertig!