The(G)net Review: Crimson Moon
Dass sich das Soulslike Genre irgend wann einmal ins Roguelike Gefilde verirrt, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. In Crimson Moon schnetzeln wir uns mit latentem Permadeath Stress durch düstere Gebiete - auf Wunsch auch zu zweit.

Als 50/50 Mix aus Engel und Homo Sapiens hat man es nicht leicht. Denn mit dem göttlichen Privileg kommen auch ein Haufen Pflichten hinzu. Besonders, wenn irgendwelche dämonischen Störenfriede wieder einmal ganze Landstriche besetzten, Unruhe stiften und ihren Mordgelüsten freien Lauf lassen. Wir hören auf den Namen - wie kann es für einen Engel-Hybriden anders sein - Nephilim.

Ausgerüstet mit Schwert und Schild starten wir in der Main Hub, einer farbenfrohen Kathedrale, wo wir auf ein paar wichtige NPCs treffen. Das wären der dicke Händler, der wortkarge Schmied, der modisch gekleidete Questgeber und die belesene Bibliothekarin. Im ersten Run bleiben die Schotten des Dealers und Waffenexperten noch dicht. Erst wenn wir den zweiten Charakterlevel erreichen, werden die Dienste der geschäftigen Herren freigeschalten. Zu Beginn wählen wir einen der drei Schwierigkeitsgrade (später gesellen sich für ganz abgebrühte Schwertschwinger noch zwei höhere Stufen hinzu) und werden danach in ein mittelalterliches Dorf teleportiert.

Hier testen wir unsere stabile Anzahl an Fähigkeiten. Ein leichter und harter Schlag inklusive Charge, Blocken und Parieren machen denn Anfang. Per Digipad wechseln wir zur Zweitwaffe, einem langen Speer, den wir beidhändig führen. Für Fernattacken schmeissen wir ein paar Wurfdolche auf die Dämonen-Strolche. Später können wir zusätzliche Utensilien wie Bomben und Molotov Cocktails erwerben. Mit einem soliden Hüpfer überwinden wir kleinere Hindernisse oder springen auf tiefergelegene Ebenen. Fallschaden nehmen wir zum Glück keinen. Was bei einem Soulslike gar nicht fehlen darf, ist die obligatorische Ausweichrolle.

In den folgenden Stunden müssen wir vor dem Bosskampf jeweils in mehreren Abschnitten eine von zwei Aufgaben lösen. Entweder säubern wir das Level solange vom fiesen Dämonenpack, bis die vorgegeben Leiste komplett gefüllt ist oder wir suchen uns drei Artefakte zusammen und aktivieren danach eine magische Säule. Einmal die auferlegte Aufgabe gelöst, öffnet sich das nächste Portal, hier Nexus Tor genannt, zur nächsten Stage. Bevor wir aber durchschreiten dürfen, suchen wir uns einen von drei Buffs aus (z.B. mehr HP, zusätzliche Blutverletzung oder Extraschaden nacherfolgreichem Parieren), die strategisch vor jedem Nexus platziert wurden.

Unsere Anfangsausrüstung behalten wir nicht lange. Wer sich gut umsieht, findet desöftern hilfreiche Schatztruhen mit wertvollem Loot, und regelmässig hinterlassen gefallene Gegner neben den wichtigen Goldtalern auch gerne einen oder mehrere Gegenstände wie neue Schwerter, Helme, Armschienen, Beinkleider und/oder Ringe. Während Ausrüstungsteile unsere Defensive stärken, erhöhen gefundene Waffen nicht nur unsere Schlagkraft, sondern schanzen uns den einen oder anderen Extraskill zu. Maximal zwei dieser Spezialattacken können wir mit uns tragen, die von Feuerbällen, Rammattacken bis zu vernichtenden Blitzgewittern reichen. Solange wir genügen Mana besitzen, greifen wir nach einem kurzen Cooldown erneut auf die Specialmoves zurück.

Im Laufe unseres Runs füllt sich stetig der Engelsmeter, der uns nach der Aktivierung kurzzeitig in einen unverletzbaren Halbgott verwandelt. Dieser Superskill war besonders bei den harten Bossfights stets willkommen. Erliegen wir unseren Verletzungen, bedeutet das nicht gleich das Ende des Runs. Mit den anfangs drei verfügbaren Extralifes werden wir umgehend wiederbelebt. Ausserdem stehen uns eine Handvoll Heiltränke zum direkten Verzehr zur Verfügung. Streichen wir aber die Segel, bevor wir den Levelboss am Ende auf die Bretter schicken, geht die ganze Sache genretypisch von vorne los. Crimson Moon verzeiht uns aber weitaus mehr als andere Kollegen aus der Branche. Wir verlieren nur einen Grossteil der gesammelten Waffen und Schutzkleidung, den Rest behalten wir. Das Gold bleibt auf unserem Konto, die gesammelten Seelen wandern in den automatischen Levelaufstieg (mehr HP und Mana, zusätzliche Extraleben und erhöhte Fernwaffenanzahl) und auf gewisse "gereinigte" Ausrüstungsgegenstände haben wir permanent Zugriff in unserer Aufbewahrungstruhe.

Sobald wir das zweite Charakterlevel erreicht haben, gehts auf grosse Shopping- und Upgradetour. Mit dem erwirtschafteten Hartgold pimpen wir unsere Hauptwaffe, hauen ein paar Punkte in Schild, Helm oder Brustpanzer und füllen unseren Fernwaffenrepertoire auf. Bevor wir den nächsten Run starten, optimieren wir unsere Ausrüstung im Loadout-Screen und ziehen verstärkt ins Feld. Ziel des ganzen ist es, drei mehrlevelige Distrikte zu erobern, die gleiche Anzahl an Levelbosse zu knechten, bevor wir den finalen Kanzler in die Knie zwingen. Zum Glück wird nach jedem Distrikt permanent gespeichert.

Wer keine Lust auf solo verspürt, holt sich einen Partner ins Boot. Entweder treten wir einem Run bei oder hosten unseren eigenen. Per Code lassen sich auch direkt Freunde einladen. Das geht ziemlich flott, insofern der etwas sperrige Netcode mitmacht. Das grosse Plus bei der Koop-Variante befindet sich in der Wiederbelebungsmechanik. Liegen wir erschlagen am Boden, dauert es ein paar Sekunden bis unser Partner uns aus dem Reich der Toten zurückholt, insofern er nicht selbst aufgrund der aggressiven Invasoren bei der Rettungsaktion ins Gras beisst.
Fazit:
Dass bei mir eine gesunde Portion Skepsis bei dem Genremix mitschwang ist nachvollziehbar. Die Aufgabe wurde aber von den Entwicklern mehr als zufriedenstellend gelöst. Die erste Stunde gestaltete sich ein wenig harzig, danach lief es, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, wie geschmiert. Denn alleine hält sich der Spielspass in Grenzen, da in diese Sparte weitaus bessere Souls-Games existieren. Sobald ich aber mit einem Online-Buddy durch die Gegend zog, zeigte Crimson Moon seine wahre Stärke. Im Duo kämpft es sich einfach besser und die ganze Dynamik nimmt merklich an Fahrt auf. Manchmal arten die chaotischen Duo Keilerein in pure Hack&Slash-Orgien aus, was den Funfaktor nochmals erhöht. Begrüssenswert finde ich die 5 unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade. Newcomer und Casuals freuen sich über die faire Balance. Hardcore Soulisten und Maso-Veteranen machen ihr übliches Ding. Ein weiterer Pluspunkt geht an das ausgewogene Progressionssystem. Da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht! Ich hätte mir aber ein wenig mehr Gegnervariationen gewünscht, und bei den Bossen etwas kreativere Sorgfalt. Ansonsten gibts für die schmalen 20.- kaum Gründe zum meckern.

Crimson Moon ist für PC, PS5, XBOX Series X|S erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Unser Test-Muster stammt von ProbablyMonsters, wofür wir uns herzlich bedanken!








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