The(G)net Review: Cthulhu: The Cosmic Abyss
- Sascha Böhme

- vor 7 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Cthulhu: The Cosmic Abyss verabschiedet sich bewusst von billigen Schockmomenten und überdrehten Actioneinlagen. Stattdessen setzt Big Bad Wolf auf einen deutlich unbequemeren Ansatz und verwandelt akribische Ermittlungsarbeit in eine Form des intellektuellen Überlebens.

Big Bad Wolf schlägt mit Cthulhu: The Cosmic Abyss einen anderen Weg ein als noch zu Vampire: The Masquerade – Swansong Zeiten. Statt Rollenspielsystemen, Werten und sozialen Spielereien setzt das Studio diesmal auf ein kühles, konzentriertes Ermittlungsabenteuer mit kosmischem Horror. Die Geschichte führt uns ins Jahr 2053, in eine düstere Zukunft, in der Konzerne den Pazifikboden nach den letzten verwertbaren Ressourcen durchkämmen. Als Ancile-Agent Noah untersuchen wir den Zusammenbruch der Bergbaustation Ocean-I und stossen dabei auf deutlich mehr als nur ein technisches Unglück.

Atmosphärisch macht das Spiel von Beginn an vieles richtig. Überschwemmte Küsten, versunkene Anlagen und die unheimliche Präsenz von R'lyeh erzeugen ein starkes Gefühl von Isolation und Bedrohung. Die Lovecraft-Vorlage wird dabei nicht einfach nur kopiert, sondern mit Science-Fiction, künstlicher Intelligenz und technologischer Entfremdung verknüpft. Das ergibt ein reizvolles Setting, das irgendwo zwischen klassischem Ermittlerthriller und philosophischem Albtraum pendelt. Besonders die KI "Key" sorgt für zusätzliche Spannung, auch wenn sie als Begleiterin unseres Protagonisten letztlich blasser bleibt, als es ihre Rolle zunächst vermuten lässt.

Spielerisch dreht sich fast alles um Analyse und Deduktion. Kernstück ist das molekulare Sonar, mit dem wir Objekte und Umgebungen auf unterschiedliche Signaturen untersuchen. Das ist originell, angenehm entschleunigt und passt hervorragend zum Ermittlungsfokus des Spiels. Dazu kommt mit dem Vault ein System, in dem wir Hinweise und Verdachtsmomente eigenständig verknüpfen müssen. Genau hier liegt eine der Stärken des Spiels: Es traut dem Spieler etwas zu und will, dass wir wirklich nachdenken statt bloss Markierungen abzuarbeiten. Das Spiel erfordert vor allem eines: Grips!

Allerdings zeigt sich hier auch die grösste Schwäche. Cthulhu: The Cosmic Abyss wirkt über weite Strecken wie ein Horrorspiel, das niemanden wirklich erschrecken will. Es fehlt an Druck, an echter Gefahr, an dem Gefühl, dass ein Fehler Konsequenzen haben könnte. Fehlerhafte Schlussfolgerungen lassen sich immer korrigieren, Ressourcen gehen kaum je ernsthaft zur Neige und die Bedrohung bleibt meist theoretisch. Das nimmt dem Spiel einen Teil der nötigen Wucht. Die Welt sieht aus, als würde sie uns jederzeit verschlingen wollen, verhält sich aber oft nur wie ein besonders hübsch ausgeleuchtetes Film-Set.

Immerhin bietet Cthulhu: The Cosmic Abyss erfreulich viele Optionen, um den Schwierigkeitsgrad an die eigenen Vorlieben anzupassen. Die Zahl sichtbarer Hinweise etwa oder der Umfang von Keys Hilfestellungen lassen sich konfigurieren. So kann das Spiel entweder als zugängliches narratives Mystery-Abenteuer oder eben als deutlich fordernderes Deduktionsspiel erlebt werden. Diese Flexibilität kam gerade mir sehr entgegen, weil ich ungern irgendwo stundenlang festhänge.

Die Erzählung hält das Tempo überraschend gut. Die Geheimnisse rund um Mei, Elsa, die Yith und Cthulhus Rückkehr sorgen über die gesamte Spielzeit von rund 12 bis 15 Stunden für anhaltende Neugier. Auch die mehreren Enden tragen etwas zur Motivation bei, auch wenn sie sich nicht radikal voneinander unterscheiden.
Technisch weiss das Spiel ebenfalls zu überzeugen. Auf Basis der Unreal Engine 5 liefert es mit Lumen, dichter Architektur und starker Klangkulisse eine bedrückende, oft beeindruckende Präsentation, die auf fetten Rechnern oder eben einer PS5 Pro am besten zur Geltung kommt.
Fazit:
Spurensicherung statt Tentakel-Terror. Cthulhu: The Cosmic Abyss überzeugt mit einer starken Welt, einer ansprechenden Präsentation und einem anspruchsvollen Ermittlungssystem, nimmt sich dabei jedoch genau jene Stärken, die echter Horror braucht. Schockmomente oder gar Action gibt es so gut wie keine, stattdessen spielt man akribisch Detektiv am Rande des Wahnsinns. Wer Freude daran hat, tonnenweise Hinweise zu analysieren, Theorien aufzustellen und sich in einer unheimlichen Welt auf logischer Ebene zu verlieren, bekommt hier ein oft faszinierendes, entschleunigtes Abenteuer. Wer dagegen auf unmittelbare Bedrohung, nervenzerreisende Spannung und gar Action hofft, dürfte enttäuscht zurückbleiben. Cthulhu: The Cosmic Abyss beeindruckt vor allem als stilvoller Ermittlertrip für den Bücherwurm mit Grips und weniger als Horrorspiel, das einem in die Knochen fährt. Aber vielleicht ist es ja genau darum der feuchte (Alb-)Traum eines echten Lovecraft-Fans?

Cthulhu: The Cosmic Abyss ist für PS5, Xbox Series X|S und PC erschienen. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet. Das Test-Muster stammt von NACON, wofür wir uns herzlich bedanken!







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