The(G)net Review: Drunken Fist

Es war ein harter Abend. Ich hatte ein paar Bier zu viel, meine Koordination läuft auf Standby, ich sehe alles verschwommen und gerade auf dem Nachhauseweg stellen sich mir ein paar gewalttätige Collegekids in den Weg, die auf Ärger aus sind. Fäuste hoch und los geht's!



Leider beeinträchtigt mein Promillelevel meine Aktionen so sehr, dass ich hoffnungslos durch die Strassen torkle, über meine eigenen Beine stolpere und als ich einen heftigen Schwinger austeilen will, schlage ich ins Leere. Willlkomen bei Drunken Fist, dem Simulator für alkoholisierte Kneipenschläger.



Held des Tages ist Jeff, ein harmloser Trunkenbold, der dank intensivem Konsum von Martial Arts-Filmen den einen oder anderen Spezialschlag verinnerlicht hat. Automatisch versuche ich mit den Analogsticks, wie bei 3rd Person-Spielen gewohnt, Jeff in die gewünschte Richtung zu steuern. Doch mal eiert er links oder rechts rum, läuft plötzlich rückwärts und klatsch wieder auf den Boden. Bis ich realisiere, dass ich es mit einer Tank-Steuerung à la Resident Evil 1 zu tun habe.



Jeff lässt sich also immer nur in die Blickrichtung steuern, was einiges an Umgewöhnung erfordert. Gepaart mit der übersensitiven Kamera auf R3 ist das Chaos perfekt. Im Optionsmenü finde ich ein paar unterschiedliche Schlagvarianten erklärt. Irgendwie schaffen es Jeff und ich dem ersten Widersacher die Leviten zu lesen, oder versuchen es zumindest. Die ersten paar Faustschläge richten keinen Schaden an, da ich meinen Gegner dank meiner Besoffenheit nicht treffe, doch dann hole ich den Rivalen mit einem mehr oder weniger eleganten Fussfeger von den Beinen. Success! Dabei habe ich immer meinen Alkoholpegel im Auge. Dieser sinkt kontinuierlich, und kann nur Aufrecht erhalten werden, wenn ich in den finsteren Strassen ein alkoholisches Getränk finde. Schwupps die Flasche geleert geht's uns schon wieder besser.... oder schlechter in diesem Fall.



Was reingeht muss aber irgendwann auch wieder raus. Ist eure Blase voll, blinkt die Pipi-Anzeige und Jeff sollte seine Blase entleeren, um etwaigen Harnstau zu vermeiden. Ungeniert uriniert Jeff auf den Asphalt - aber aufgepasst! Wer in die gelbe Pfütze tritt, den hauts auf den Sack. Das gleiche gilt für eure Gegner - besonders effektiv gegen angreifende Gesetzeshüter. Perfide Naturen erhöhen den Ekelfaktor in dem sie den Bösewicht niederschlagen, um ihm danach eine goldene Dusche zu verpassen. Verlorene Lebenspunkt frischt ihr mit Hamburgern auf, die ihr dreist vom Foodkart klaut.

Drunken Fist besteht aus einem einzigen Level. Je mehr Passanten ihr verprügelt, umso mehr Widersacher stellen sich euch in den Weg. Dank Rücksetzpunkten und automatischer Speicherung prügelt ihr euch torkelnd ihn in ein paar wenigen Stunden durch die regnerischen Strassen von Drunken Fist.



Fazit:

Drunken Fist ist ganz klar ein Spassprojekt, finanziert mit minimalen Budget und kaum Anforderung an die Hardware. Wären die Polygone nicht so klar texturiert, würde ich mich ins N64 Zeitalter zurückversetzt fühlen. Die Grafik leistet zwar ihren Dienst, aber längere Zeit kann man sowas nur im benebelten Zustand ertragen. Es hat diese krude "Money for Nothing"-Optik aus dem Dire Straits Musikvideo. Als vollwertiges Spiel kann Drunken Fist nicht durchgehen. Gut, zu einem Preis von unter 10.- CHF kann man auch nicht viel erwarten. Der vulgäre Urinier-Simulator bietet für einen Abend mit Freunden ein paar gute Lacher, aber nach einer Stunde oder zwei hat man genug von der Steuerungstortur, denn das simple Spielprinzip nutzt sich schnell ab. Dann verrottet Drunken Fist irgendwo im Softwarelimbo eurer Bibliothek. Auch im Selbstversuch nach drei Flaschen Bier wurde Drunken Fist nicht besser. Für Fans skurriler Spielprinzipien sicherlich interessant, aber humorlose Naturen mit dem Hang zum konservativen Lebensstil (soll es angeblich ja geben) sollten tunlichst die Finger davon lassen.


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