The(G)net Review: Far Cry 6

Raus aus Montana, ab in die Karibik. Gerade beim herbstlich grauen Wetter in der Schweiz eine willkommene Abwechslung auf der heimischen Mattscheibe. Bleibt die Frage, ob die sechste Instanz der Reihe noch mit weiteren Neuerungen aufzuwarten weiss, oder ob einfach nur die Lokalität gewechselt wurde.


Far Cry 6 Test Review Xbox Series X

Montana hat nicht jedem zugesagt und die Religionsthematik im Vorgänger möglicherweise auch nicht jedermanns Geschmack getroffen. Mit Far Cry 6 geht Ubisoft zurück zu alten (Far Cry-)Tugenden und manövriert den Shooter mitten auf eine fiktive Karibikinsel. Wie für die Serie üblich wartet auch der neuste Ableger mit einem charismatischen Bösewicht auf. In diesem Fall übernimmt diese Rolle niemand geringerer als Mr. „Los Pollos Hermanos“ Giancarlo Esposito höchstpersönlich, bekannt aus der TV-Serie Breaking Bad. Womit wir auch gleich das Highlight von Far Cry 6 erwähnt haben.


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Die Story ist dann wiederum schnell erzählt. In der Rolle von Dani Rojas, der/die nach persönlicher Vorliebe ein Mann oder eben eine Frau ist, befreien wir als gutmütiger Spieler die Insel Yara vom ungeliebten Diktator. Auf dem Weg zum finalen Schlagabtausch gilt es diversen Freiheitskämpfern auf der Insel zu helfen. Wenig überraschend sieht diese Hilfe meist so aus, dass Dani unzählige gegnerische Soldaten über den Haufen schiessen soll. Zur Auflockerung gilt es Trucks zu stehlen, Poster zu übermalen oder zu zerstören, feindliche Aussenposten einzunehmen oder Flugabwehr-Geschütze zu zerstören. Wer mal was ohne seinen Schiessprügel unternehmen möchte, darf gar Angeln, Domino spielen, Rennen in der Luft, auf der Strasse oder dem Wasser austragen, auf Schatzsuche gehen oder sich am Hahnen-Kampf beteiligen, einer witzigen Hommage an Street Fighter. Die Nebenaufgaben und Mini-Spiele sorgen zwar für etwas Abwechslung, fallen aber spielerisch meist eher flach aus.


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Wie man sieht, scheint Far Cry wieder einiges zu bieten. Das tut es auch, aber Kenner der Vorgänger erwartet beim Durchforsten der Karibikinsel wenig Neues. Noch immer fahren oder fliegen wir mit dem Vehikel unserer Wahl zum nächsten markierten Punkt auf der Karte, um in den meisten Fällen alles und jeden dem Erdboden gleich zu machen. Das geschieht auf Wunsch heimlich mittels Schalldämpfer und Messer oder aber brachial mit Shotgun und Flammenwerfer. Das Waffenarsenal kann sich einmal mehr sehen lassen. Neu darf unser Guerilla-Held auch in Panzern Platz nehmen oder schnallt sich einen dem Spielstil entsprechenden Rucksack um, der etwa Raketen oder eine EMP-Ladung abfeuert. Eine starke Attacke, die deswegen nicht unendlich verwendet werden kann. Sowas wie eine wieder aufladbare Smartbomb der Neuzeit. Und natürlich sind auch wieder einige süsse tierische Begleiter mit dabei, allen voran Dachshund Chorizo, dessen Fähigkeit es ist, Gegner abzulenken, Sammelkram zu markieren oder den Spieler zu heilen.


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Die grösste Neuerung im Vergleich zu den Vorgängern ist aber, dass sich Dani nicht mehr mittels Skill-Baum verbessern lässt. Stattdessen gibt es unterschiedlichste Klamotten, die wiederum andere Eigenschaften aufweisen und dem Spieler verschiedenste Boni verleihen (und die natürlich irgendwo auf der Insel gefunden werden wollen). Auch die Waffen sollten an der Werkbank ab und an einem Upgrade unterzogen werden.


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Um Dinge wie Schalldämpfer, grössere Magazine, Zielvisiere und Co. herzustellen benötigt man allerdings Utensilien wie Metall, Kabel oder Plastik, das überall in der Spielewelt verstreut rumliegt. Heisst für uns: ständig irgendwelchen Krams mittels Druck auf die X-Taste mitgehen zu lassen. Bei der Gelegenheit sei noch erwähnt, dass sich auch einige der Guerilla Camps erweitern lassen, was ebenfalls das mühselig zusammengetragene Ressourcen-Gut frisst. Also kapern wie à la Ghost Recon Wildlands Lastwagen, die das benötigte Material wie Benzin oder Medizin überall in Yara durch die Gegend kutschieren. Die Idee an sich ist nicht schlecht, da man mit einem verbesserten Lager weitere Boni freischaltet, die dem Gameplay durchaus zuträglich sind. Das ständige Ressourcen-Management bedeutet aber auch, dass wir uns oft in Menüs befinden, um entsprechende Änderungen vorzunehmen. Im Fall der Schiesseisen finden wir allerdings rasch einzigartige Waffen, welche das Standardrepertoire nahezu überflüssig machen.


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Das Game- und Gunplay ist Far Cry typisch wieder exzellent, ohne sich einen Innovationspreis abzuholen. Wir kraxeln gerne auf Hügel oder klettern mittels Seilhaken auf Berge, springen mit Hilfe eines Fallschirms oder Wingsuits von eben jenen oder vergnügen uns beim Schwimmen und Tauchen im Meer. Das alles kennen Fans seit Jahren und an dieser erfolgreichen Formel hat Ubisoft auch 2021 nichts geändert. Genauso wenig an der Multiplayer Formel, die man schlicht vom hauseigenen (und in dieser Hinsicht viel besseren) Ghost Recon Wildlands hätte kopieren können. So bleibt der Spielfortschritt leider weiterhin nur beim Host gespeichert und zu viert darf man ebenfalls noch nicht ran. Zumindest das CoOp-Spiel zu zweit, so wie es vom direkten Vorgänger übernommen wurde, funktioniert aber soweit tadellos und es gibt gar eine handvoll spezieller Missionen, die nur auf Online-Play ausgelegt sind. Einen Level-Editor gibt es dafür keinen mehr.


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Zu guter Letzt noch ein Wort zur Technik: Die Vertonung ist erstklassig, sowohl die Sprache wie auch die schön wuchtigen Waffen- und Fahrzeuggeräusche. Optisch merkt man dem Titel aber an, dass er nicht für NextGen Konsolen entwickelt wurde. Die Grafik ist zwar durchaus hübsch, sehr sauber und läuft flüssig, aber als Überflieger würde ich sie trotzdem nicht bezeichnen.



Fazit Andy:

Far Cry 6 ist erneut ein äusserst spassiger Shooter geworden, der aber leider nur wenig Neues versucht. Das Wenige ist dann auch nicht wirklich beeindruckend oder gar besser, als in den Vorgängern. Der verlorengegangene Skilltree oder eben die Upgrades über die Waffen sowie Klamottenwahl finde ich Geschmacksache, mir persönlich hat das alte System deutlich mehr zugesagt. So bewege ich mich jetzt oft in Menüs oder stehe an der Werkbank, um irgendwelche Anpassungen vor zu nehmen, statt mich im eigentlichen Spiel zu befinden. Die Story bietet wenig Überraschungen und bleibt Far Cry-typisch vorhersehbar, genau wie die sich stets wiederholenden und typischen Ubisoft Open World Aktivitäten. Dass die Grafik dann auch nicht wirklich nach 2021 aussieht, hinterlässt zusätzlich einen etwas angestaubten Eindruck. Dafür spielt es sich gewohnt flott. Trotz der Kritik werden also Far Cry Fans sicherlich wieder viel Spass auf der ausladenden Karibik-Insel haben.



Fazit Sascha:

"Livin' la vida loca!", könnte es nicht besser umschreiben! Ja, ich geb's zu: Ich bin ein absoluter Far Cry Fanboy. Mir gefällt die bewährte Ubisoft Formel einfach, was soll ich machen? Auf einer riesengrossen Map freigelassen alles abgrasen, Outposts auskundschaften, dann bevorzugt mit Stealth einnehmen, jede verfiggte Kiste suchen und öffnen und ab und zu rumballern als wär man eine 1-Mann Armee. Das ist genau nach meinem Geschmack und Far Cry 6 liefert dahingehend einfach ab. Es macht nach wie vor einen riesen Spass und das ist es doch, wofür wir schlussendlich Spiele spielen, oder? Der Humor kommt nicht zu kurz und für mich bietet es mit Base-Building, dem Rucksack, Panzern und den vielen Booster-Klamotten auch genug Neuerungen. Hinzu kommt, dass ich alle paar Minuten irgend eine Belohnung kassiere. Das hält mich bei der Stange, auch wenn ich oft immer das gleiche tu'. Klar, neue Fans gewinnt man so nicht unbedingt, aber ich denke, dass es genug andere Shooter-Spiele gibt, die Neues versuchen. Far Cry ist ein spezielles Spielgefühl. Wenn ich eine Cola bestelle, will ich keine Pepsi. Wenn ich Far Cry will, muss auch Far Cry drin sein. Insofern hat Ubisoft in meinen Augen nichts falsch gemacht. Man kriegt, was man erwartet, einfach wieder mal ein kleines bisschen polierter und hübscher. Andy fand die Grafik nicht NextGen-mässig. Mag stimmen, mir gefällt's aber ausserordentlich gut. Zudem spielt sich's äusserst angenehm und läuft auf Xbox Series X einfach wie geschmiert. Kommt noch dazu, dass mich das Tropical-Setting und der charismatische Bösewicht ansprechen, was bei Teil 5 weniger der Fall war. In meinen Augen solltet ihr euch diesen "Ferien-Trip" im idyllischen Insel-Paradies nicht entgehen lassen.



Wir haben Far Cry 6 auf Xbox Series X getestet, das Spiel gibt's aber auch für PS5, PS4, Xbox One und PC. Das Test-Muster stammt direkt von Publisher Ubisoft, wofür wir uns herzlich bedanken.



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