The(G)net Review: Ghostrunner Complete Edition

Die Branche der Cyber-Ninjas ist ein hartes Pflaster. Ständig muss die Elektronik nachgebessert werden, jeder Spitzbube will einem ans Leder und der soziale Austausch ist quasi nichtexistent. Das selbe gilt für den Ghostrunner Jack, der zu allem Überfluss gleich im Intro von einer feindlichen Schergin namens Mara in seine Einzelteile zerlegt wird.


Ghostrunner Complete Edition Review Test Testbericht Playstation

Eine globale Katastrophe, der Burst, hat die Welt komplett aus den Angeln gerissen. Die letzten Überlebenden verschanzen sich im Dharma Tower. Nach der vernichtenden Niederlage gegen Mara, wird Jack von der Separatistengruppe "The Climbers" gerettet und notdürftig wieder zusammengeflickt. Als Dank für die Hilfe muss Jack die Kontrol-KI "The Architect" befreien, die von Mara und ihren Schergen gekidnappt wurde. Die Aufgabe ist klar. Erklimme die verschiedenen Stockwerke und säubere den Dharma Tower vom üblen Gesocks.


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Im Grundgepäck werden unserem FPS-Geisterrenner ein paar hilfreiche Skills mitgegeben. Zu einem gesunden Lauftempo gesellen sich der Wallrun, die Jumpfähigkeit, Ducken und Rutschen, ein kurzer Dash und ein schnittiges Katana, mit dem Jack die Feinde – Levelbosse ausgenommen – mit einem einzigen Hieb ausschaltet. Der Sensory Boost lässt uns für ein paar Sekunden die Zeit verlangsamen, damit wir den zielfreudigen Gegnern ausweichen und die teils harten Plattformpassagen besser meistern können. In den ersten Abschnitten macht ihr euch mit Jack vertraut, bis ein wenig später alle Stricke reissen und wir gnadenlos von der KI malträtiert werden. Denn es herrscht das Motto: Wie du mir, so ich dir. Wie schon erwähnt säbelt ihr jeden Gegner mit einem Schlag weg, doch umgekehrt verhält es sich ebenso. Ein Schuss, Schlag oder eine Feindesberührung und ihr seid tot. Nur auf dem Easymodus werden euch zwei Lebenspunkte spendiert. Auf Normal und höher gibt’s diesen Luxus nicht.


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Die 17 Levels sind in verschiedene Abschnitt unterteilt. Die Checkpoints sind unsichtbar, man hat aber schnell den Dreh raus, wann etwa der nächste Rücksetzpunkt kommt. Diese werden zwar temporär zwischengespeichert, ihr müsst aber das komplette Level bewältigen, sonst wird euer Forstschritt nicht gesichert. Für unsere Leistungen werden wir mit kleinen Skills-Upgrades belohnt. In einem kreativen Raster ordnen wir von Tetris inspirierte Blöcke so an, damit wir unsere neuen Talente optimal ausnutzen. Sie verhelfen uns zu längerem Sensory Boost, einem Extradash oder wir implantieren ein paar Röntenaugen und erkennen so die Unholde sogar durch dicke Mauern.


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Der flinke Cyberninja hat sogar noch ein paar weitere Trümpfe im Ärmel. Mit dem Blink-Skill rasiere ich mehrere Gegner gleichzeitig, falls sie in einer Reihe stehen. Mit Tempest haue ich wie Yoda die Feinde mit einem kraftvollen Jedimove aus den Socken. Surge visiert mehrere Gegner an und vernichtet sie mit einer Energiewelle und mit der Overlord-Option übernehmen wir einen der Gegner, der dann seine eigenen Kameraden niedermäht.


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Im Laufe des Games werden zusätzliche Spielelemente temporärer Natur hinzugefügt. Mit dem Slow-Mo-Icon verlangsamen wir die Zeit für einen kurzen Moment, um z.B durch drehende Turbinen zu sliden, erhaschen den Cybershuriken und aktivieren damit weit entfernte Schalter oder schnappen uns das Jump-Icon und springen meterweit über gähnende Abgründe. Abgerundet wird das Ganze mit dem Cybergrappler. Mit dem kinetischen Greifhaken schwingt sich Jack an speziellen Grapple-Points durchs Gebälk. Unter Zuhilfenahme des Sensory Boost lässt sich auch das waghalsigste Rumgeschwinge kontrollieren. Nehmen uns in den ersten Levels nur Pistoleros aufs Korn, werden wir später von Soldaten mit Maschinengewehren begrüsst, Drohnen zielen mit ihrem Laser auf uns und teleportierende Schurken machen uns das Leben schwer. Erklimmen wir nicht gerade den Dharma Tower, verfrachtet uns The Architect in den Cybervoid. Hier müssen im virtuellen Raum kleine Rätsel, Sprungpassagen oder neue Waffentechniken gemeistert werden.


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Haben wir den Endboss nach offiziellen 6 bis 8 Stunden geplättet, ist es mit der Geisterrennerei aber noch lange nicht vorbei. Im Prologue DLC, der in der Complete Edition mit dabei ist, übernehmen wir in 7 Levels die Rolle der Ghostrunnerin HEL, die sich ein wenig anders spielt und neue Skills mitbringt. Der Wave Modus lässt uns gegen 20 unterschiedliche Szenarien antreten, die uns bei jedem gewonnen Abschnitt mit einer zusätzlichen Fähigkeit für die nächste Runde belohnen. Für Rennbegeisterte und Speedrunner gibt’s die Kill Time-Challenges. Hier sprinten, wallrunnen, hangeln und säbeln wir uns so schnell wie möglich durch einen Parkour, während der Timer gnadenlos tickt und wir nur überleben, wenn wir die Zusatzzeit-Icons unterwegs aufsammeln. Wem das alles noch nicht reicht, versucht sich nach dem ersten Durchlauf des Maingames mit einem neuen Schwierigkeitsgrad, mit noch fieseren Gegnern und leicht verändertem Leveldesign.



Fazit:

Ich habe geflucht, ich habe gejohlt, bin Tausende von Tode gestorben und es schlussendlich doch geschafft den Endboss in die Schranken zu weisen. Ghostrunner ist nichts für schwache Gemüter. Wer nicht ein dickes Nervenkostüm mitbringt, sollte sich ihm klaren sein, dass Jack & Co. an der Geduld rütteln wie nur wenige andere Spiele. Die KI ist so treffsicher, dass ich sogar in späteren Levels von simplen Pistoleros niedergeknallt werde, als wäre ich immer noch im Tutorial. Die Plattformpassagen werden konstant haarsträubender und teilweise geht es in so einem rasanten Tempo ab, dass ich beinahe nicht mitkriege, was um mich herum geschieht. Wenn Ghostrunner richtig aufdreht, verwandelt es sich kurzzeitig in eine Art Rhytm-Game und nur perfektes Timing rettet euch vor dem nächsten Game Over. Und von denen hatte ich mehr als mir lieb war. Ich glaube mein Rekord lag bei 1191 Toden in einem der Anfangslevels. Die angegeben Spielzeit von 7 Stunden kann ich nicht unterschreiben, realistischer sind eher 12 Stunden und aufwärts. Ghostrunner ist ein hartes Stück Software (falls ihr euch nicht für den Easy-Modus entscheidet). Auswendiglernen der Passagen und blitzschnelle Reaktion sind Plicht. Eine halbe Sekunde kann schon über Leben und Tod entscheiden. Viel Peitsche und wenig Zuckerbrot ist das Motto der Softwareschmiede One More Level. Das Spiel mit dem Wechselbad der Emotionen beherrscht der polnischen Entwickler perfekt. Technisch war unsere PS5-Testversion eine blitzsaubere Angelegenheit. Butterweiche Steuerung und fehlerfreie Architektur lassen keine Wünsche offen. Im direkten Vergleich zum Konkurrenten Neon White fällt Ghostrunner leicht ins Hintertreffen. Dennoch gefällt mir Jacks Rumrennerei im Gesamtpaket und ich freue mich schon auf den angekündigten Nachfolger.


Die Ghostrunner Complete Edition gibt's für PS4/5, Xbox Series X|S und PC. Wir haben es auf einer Playstation 5 gespielt, mit einem Test-Muster von Publisher 505 Games. An dieser Stelle vielen Dank!



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