The(G)net Review: Horizon Forbidden West

Der Frieden währte nicht lange. Die Maschinen sind zurück! In Horizon Forbidden West zerteilet Aloy mit einem vielseitigen Waffenarsenal in der üppigen Open World nicht nur gepanzerte Metallmonster am Fliessband, sondern geht auch einer mysteriösen Pilzinfektion nach, die langsam den gesamten Kontinent kontaminiert.


Horizon Forbidden West Test Review PS5

Es gibt wieder Rabatz in der Postapokalypse. Kein halbes Jahr nachdem die eisenhaltigen Miesepeter aus Horizon Zero Dawn vernichtet wurden, macht der ominöse Virus HADES und seine Metallkumpanen schon wieder Stress. Diesmal haben sich die Störenfriede im fiktiven Teil der USA (Utah, Nevada und California) breit gemacht und bringend als Biowaffe einen extrem viralen Pilz mit, der bereits grosse Landstriche überwuchert hat und sämtliche Flora und Fauna mit einer schleichenden Vergiftung kaltstellt.


Horizon Forbidden West Test Review PS5

Nachdem das minutenlange Intro uns kurz Revue über die vergangenen Umstände des PS4-Erstlings passieren lässt, geht es nach dem obligatorischen Tutorial auch schon los. Ein erster Blick auf die Weltkarte zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus der sprichwörtlich monströsen Welt von Forbidden West, die laut Entwickler Guerilla nochmal ein Drittel umfangreicher ist, als beim Vorgänger. Aber alles der Reihe nach. Widmen wir uns zuerst dem Kampfgeschehen, denn Aloy bringt einen bunten Strauss unterschiedlicher Angriffsmethoden mit.


Horizon Forbidden West Test Review PS5

Am Anfang wirft sich die Gute mit einem zackigen Speer und Standard Pfeilbogen ins Getümmel. Wie die junge Jägerin vorgeht ist dabei euch überlassen. Meuchelmörder schleichen sich durchs hohe Gras und murksen den Fiesling von hinten ab, während Radaubrüder getreu nach dem ARD Motto “Mittendrin, statt nur dabei” ungehemmt mit dem Speer auf die Feinde einprügeln. Kluger ist es aber, wenn wir aus sicherer Entfernung mit Pfeil und Bogen verschiedene Panzerungen und Energiekanister, die die Maschinen am Laufen halten, wegschiessen. Oder wir legen Sprengminen und Elektrofallen und warten, bis der Bösewicht temporär in die Knie geht und wir ihm mit einem Finisher die letzte Massage verpassen können.


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Doch die Grundausstattung zu Beginn ist nur die Spitze des Eisbergs. Im weiteren Spielverlauf gesellt sich neues Kriegsspielzeug hinzu. So schmeissen wir schon bald Eisbomben auf die garstigen Viecher, werfen mit dem Gauntlet rasiermesserscharfe Bumerangs oder verpassen den Metallkollegen ein paar Bolzen mit der Schrotflintenversion von Forbidden West. Sämtliche Waffen lassen sich mehrstufig und mit Extrabuffs erweitern. Viele davon haben unterschiedliche Elemantarschäden. Habt ihr einen der Feinde per R3 gescannt, wandert die Info nicht nur ins "Beastorial", sondern zeigt euch dessen Schwachstellen an.


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Die meisten Monster lassen sich einfacher besiegen, wenn man zuerst deren Energietanks und Waffen oder spezielle Schwachpunkte bearbeitet. So verlieren die Widersacher viel schneller Lebensenergie, als wenn man nur stumpf drauflos ballert. Beim Scan ist auch zu beachten, für welchen Elementarschaden unser Gegenüber anfällig ist. Falls der Bösewicht z.B. nicht frostresistent sein sollte, buttern wir ihn mit ein paar Eispfeilen in eine Art "Stagger" und verpassen ihm danach ein dicke Ladung Scharfschützenpfeile, bevor er das Zeitliche segnet.


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Nach jedem Levelaufstieg und Missionsabschluss regnet es Skillpunkte. In 6 Unterkategorien kann sich Aloy zahlreihe neue Fähigkeiten und Upgrades aneignen. Schnelleres konsumieren der Heiltränke, temporäre Unsichtbarkeit, neue Speer Combos oder verlängerte Zeitlupe beim Bogenschiessen ist da nur der Anfang. Speziell sind die sogenannten "Valor Surges". Hab ihr mindesten 3 Skills pro Gruppe freigeschaltet, habt ihr Zugriff auf extramächtige aktive und passive Skills. Diese können aber nur aktiviert werden, wenn sich die lila Powerleiste am rechten Bildrand langsam durch unterschiedliche Kampfaktionen füllt. Per R1 verstärken wir unsere Schusskraft, erhöhen den Elementarschaden, oder verteilen einen Kettenreaktionsschuss.


Horizon Forbidden West Test Review PS5

Zu Land, Zu Wasser und in der Luft!

Inspiriert von Zelda's Breath of the Wild stürzt sich Aloy todesmutig von Klippen und Abgründen oder segelt per Knopfdruck dank neuem Elektorgleiter wie Link durch die Pampa. Grössere Gewässer durchkrault Aloy mit Leichtigkeit und dank eines späteren Upgrades tauchen wir mit einer Spezialmaske entspannt durchs kühle Nass und müssen uns nicht um einen knappen Luftvorrat sorgen. Da lange Märsche relative eintönig sind, dürfen wir uns 4 unterschiedliche Maschinen krallen und als Fortbewegungsmittel nutzen. Sobald wir eines der Viecher unerkannt gehackt haben, steht der reitbare Untersatz auf Abruf bereit. Zu guter Letzt schwingt sich Aloy mittels Greifhaken an vorgegebenen Grapplespots hoch, öffnet damit Luftschächte oder bewegt mit der Greifhilfe grössere Objekte.

Horizon Forbidden West Test Review PS5

Aloy trifft auf ihrer Reise auf diverse Siedlungen, Dörfer und Städte, in denen sie an der Werkbank allerlei Ausrüstung und Waffen verbessert, mit Händlern verhandelt, massenhaft mit NPCs quatscht und Nebenmission aufschnappt. Feuerstellen dienen als Speicherpunkt und zur Schnellreise, die bei Lagerfeuern umsonst ist. Wollt ihr aber mitten in der Tundra zurück ins nächste Dorf, konsumiert ihr einen Fast Travel Kit, ähnlich dem Homeward Bone aus Dark Souls. Keine Bange, die Schriftrollen können bei zahlreichen Händlern gekauft oder sogar on-the-go hergestellt werden. Denn Crafting ist ein wichtiger Bestandteil von Forbidden West. Ständig lootet ihr Blumen, Sträucher, Kisten, diverse Metallteile und Energiekerne, die wiederum für allerlei Nachschub sorgen. Falls die Pfeile ausgehen, craften wir unkompliziert ein Dutzend selbst. Auch Heiltränke, Minen und andere brauchbare Tools werden so in sekundenschnelle hergestellt. Überschussiges Material landet automatisch in unserer Reservekiste, auf die wir stets in jedem Dorf Zugriff haben.


Horizon Forbidden West Test Review PS5

Fehlen dürfen natürlich nicht die Tallnecks. Die langhalsigen Giraffenmaschinen versucht ihr per Kletter-Rätsel à la Shadow of the Colossus zu erklimmen, woraufhin ein weiterer Teil der Karte aufgedeckt wird. Habt ihr einen dieser Biester gekapert, gibts beim Abseilen einen kleinen Bonusshock, der alle umliegenden Feinde umgehend röstet. Nett! Und zur Abwechslung nehmen wir Herausforderungen in örtlichen Arenen an, infiltrieren Rebellen-Camps, helfen Kräutersammlern beim Erfinden neuer Rezepturen oder suchen für Archäologen und Bibliothekare verlorene Artefakte und Schriftstücke.


Im Schnelldurchlauf dauert Forbidden West ca. 35 Stunden. Entdecker und Platinjäger wie unser Chef-Redakteur, werden aber sicher über 100 Stunden mit dem Spiel beschäftigt sein.



Fazit Armin:

Im Gegensatz zu Sascha bin ich nicht der grösste Open World Fan. Mir ist meistens zu viel unnötiger Schnickschnack dabei, dessen Budget besser in die Gameoptimierung hätte fliessen sollen. Bei Titeln wie Ghost of Tsushima und eben Forbidden West wurde das Konzept aber so fantastisch umgesetzt, dass selbst mundane Sidequests nicht langweilen. Klar, auch hier ist die Map vollgepflastert mit Missionen, Nebensträngen und anderem Kram. Ich hatte aber nur selten das Gefühl, dass Guerilla hier einfach ein paar Füller einsetzt, um die Spielzeit zu strecken. Schon in den ersten Stunden verlor ich mich in der extrem detaillierten Welt, und konnte in Folge dessen auch die Deadline für dieses Review nicht einhalten. Man möge mir verzeihen! Fast in jedem Winkel der fiktiven USA gibt es was zu entdecken. Pumpenvoll ist nur der Vorname. Im Gegensatz zu anderen Open World Spielen wie z.B. Far Cry 6, bei dem ich froh war, als endlich die Credits rollten, bin ich bei Horizon 2 sogar geneigt, das Spiel zu platinieren. Aloy's neues Schlachtfeld, das nur so vor Detailfreude strotzt, macht einfach unglaublich Laune und die Fights sind dank dem breitgefächerten Waffenfundus ein Heidenspass. Die neuen Waffen verleihen dem Spiel noch mehr Tiefe und dank den unterschiedlichen Skill-Sets kann ich mir meinen Charakter nach meinen Wünschen so zurechtzimmern, wie ich es mag. Alleine das Bogenschiessen ist so befriedigend, dass ich des Öfteren vergesse, dass ich noch ein halbes Dutzend anderer Kriegswerkzeuge mit mir trage. Das einzige, was mir auch schon bei Zero Dawn auf den Senkel ging, ist das konstante Looten und Craften. Muss halt sein, aber es ist fast ein wenig zu viel, wenn überall die unterschiedlichen Items in der Welt mit ihren Markern aufpoppen. Klar, auch der Metallgaul ist nicht das beste Pferd im Softwarestall, aber als Skeptiker in Sachen digitalem Reiten sind meine Anspruche in diesem Bereich so dermassen hoch, dass ich auch von Forbidden West in diesen Belangen nicht viel erwartete, nachdem Elden Rings Torrent bereits in der Preview der Konkurrenz davongaloppierte. Im Endeffekt ist Forbidden West in allen Belangen einen Zacken besser, geschmeidiger und schöner als der Vorgänger. Es bleibt nur eines zu sagen: Tolles Ding, Guerilla, Respekt! 2022 wird ein knallhartes Jahr für die Konkurrenz, denn mit Horizon Forbidden West haben wir einen extrem starken Anwärter für das Spiel des Jahres!



Horizon Forbidden West Test Review PS5

Fazit Sascha:

Ich hab im Vorfeld so gut es ging darauf verzichtet, mir Videos und Screenshots zum Spiel anzusehen, da ich ein grosser Fan des ersten Teils war und mir absolut nichts spoilern wollte. Trotz meines Hypes war ich aber niemals auf das vorbereitet, was mir Horizon Forbidden West schlussendlich auftischte. Genau wegen solchen Spielen hat man eine Playstation 5! Schon in den ersten Minuten konnte ich mich angesichts der sensationellen Grafik kaum satt sehen und dieser Zustand sollte sich durchs ganze Game fortsetzen. Die Farben und Details, die nahezu perfekten Gesichter und Animationen und nicht zuletzt die unfassbar stimmungsvolle Beleuchtung rühren mich regelmässig zu Freudentränen. Immer wieder stehe ich vor neuen Kulissen, die mir den Atem rauben und ich ertappe mich dabei, alle Paar Minuten den Foto-Modus einzuschalten, um die Pracht für die Nachwelt festzuhalten. Zum Glück überzeugt das Spiel auch spielerisch auf ganzer Länge. Kämpfen, Looten, Rätseln und ausschweifende Gespräche führen, das ist genau mein Ding und macht hier unfassbar viel Laune. Selbst die Nebenquests sind umfangreicher und interessanter, als in vielen anderen Genre-Vertretern. Da hat man sich offenbar eine Dicke Scheibe beim Witcher abgeschnitten. Gut so! Dabei ist auch erstaunlich, dass es bei diesem enormen Umfang nur wenige, kleine Bugs zu vermelden gibt. Ich bin zwar noch lange nicht am Ende meiner Reise angelangt, darf aber nach rund 30 Stunden behaupten, dass Horizon Forbidden West systemübergreifend zu den besten Spielen der letzten Jahre gehört und das, obwohl es im Grunde genommen "nur" ein gut gemachtes Sammelsurium von altbewährten und altbekannten Open World Traditionen darstellt. Well done, Guerilla!



Wir haben Horizon Forbidden West auf Playstation 5 getestet. Das Spiel gibt's auch für Playstation 4 (mit Gratis Upgrade auf PS5). Das Test-Muster stammt von Sony Interactive Entertainment, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken!



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