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The(G)net Review: LIFTED

Zeitreisen sind eine riskante Angelegenheit. Ein falscher Schritt, und plötzlich existieren die Dinosaurier wieder, die Gegenwart wird von Robotern beherrscht oder jemand hat dafür gesorgt, dass es nie Videospiele gab. In LIFTED fällt die Katastrophe etwas kleiner aus: Die Geschichte bleibt intakt, dafür funktioniert ausgerechnet ein Kernelement nicht immer so, wie es sollte.


LIFTED Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Das farbenfrohe Abenteuer ist das Debüt von Adventure Works, einem neuen Studio, das vom ehemaligen Disney Imagineer Jeffrey Ashbrook gegründet wurde. Inspiration erhielt Ashbrook unter anderem während einer Reise nach Ägypten und durch ein Gespräch mit einem Archäologen. Das merkt man dem Spiel an, denn antike Ruinen, verschollene Schätze und historische Schauplätze spielen eine zentrale Rolle.


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Wir schlüpfen in die Rolle des Schülers Ari Buktu, der dringend zusätzliche Punkte für den Physikunterricht benötigt. Sein Lehrer Professor Raventhorpe hat dafür eine völlig vernünftige Aufgabe vorbereitet: Ari soll mit ihm in einer experimentellen Zeitmaschine durch verschiedene Epochen reisen und gefährliche Schätze bergen. Mit dabei ist Julius, das Chinchilla des Professors, das vermutlich die verantwortungsvollste Figur der gesamten Gruppe ist.


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Professor Raventhornes Zeitmaschine trägt den Namen "Anytime Elevator" und sieht tatsächlich wie ein gewöhnlicher Fahrstuhl aus. Der Unterschied besteht darin, dass man damit nicht nur zwischen Stockwerken, sondern auch zwischen Jahrhunderten reisen kann. Praktisch für historische Expeditionen, weniger praktisch für die Sicherheitsvorschriften. Die Handlung von LIFTED erfindet das Rad der Zeitreise nicht neu. Das Spiel bedient sich offensichtlich bei bekannten Filmen (Back to the Future), Serien (Dr. Who) und Abenteuergeschichten (Indiana Jones). Überraschungen sollte man daher keine erwarten.


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Trotzdem funktioniert die Inszenierung erstaunlich gut. LIFTED erinnert weniger an ein aufwendiges Science Fiction Epos und mehr an eine Zeichentrickserie, die man früher an einem Samstagmorgen zwischen Frühstücksflocken und Spielzeugwerbung gesehen hätte. Alles ist bunt, harmlos, leicht überdreht und grundsätzlich sympathisch. Ari ist neugierig, naiv und bereit, für ein paar bessere Schulnoten erstaunlich viele lebensgefährliche Situationen zu akzeptieren. Professor Raventhorpe ist dagegen völlig auf seine Suche nach der Tiara von Königin Nefertari fixiert. Dass Ari dabei regelmässig beinahe von Fallen zerquetscht, aufgespiesst oder beinahe in den Tod stürzt, verbucht der Professor offenbar unter praktischem Unterricht.


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Die Dialoge gehören zu den stärksten Elementen des Spiels. Die Figuren besitzen Charme und ergänzen sich gut. Auch der farbenfrohe Grafikstil überzeugt. Ägyptische Ruinen, tropische Inseln, dichte Dschungel und verschneite Burgen sorgen für ausreichend Abwechslung. Rein optisch reist LIFTED also problemlos durch die Zeit. Spielerisch bleibt der Aufzug allerdings häufiger stecken. LIFTED verbindet klassische Plattformpassagen mit kleineren Umgebungsrätseln. Die meisten davon lassen sich schnell überblicken, und auch die Jump'n Run Abschnitte stellen erfahrene Spieler nur selten vor Probleme.


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Das muss nicht unbedingt schlecht sein. LIFTED eignet sich dadurch gut für jüngere Spieler oder solche, die ein entspanntes Abenteuer suchen und nicht nach jedem zweiten Sprung ihre Lebensentscheidungen hinterfragen möchten. Die Rätsel werden im Verlauf schrittweise komplexer. Adventure Works hat durchaus ein gutes Gespür für verständliche und unterhaltsame Rätsel. Leider tauchen die besten Ideen erst auf, als LIFTED bereits damit beginnt, seine Koffer für den Abspann zu packen. Viele frühere Aufgaben wirken sehr einfach und vorhersehbar. Hebel werden betätigt, Objekte verschoben und Wege freigelegt.


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Das grösste Problem von LIFTED ist ausgerechnet die Plattformmechanik. Grundsätzlich lässt sich Ari ordentlich steuern. Springen, Klettern und Balancieren funktionieren meistens so, wie man es erwartet. Das entscheidende Wort lautet allerdings "meistens". Besonders beim Schwingen an Seilen, Ästen und Lianen hatte Ari offenbar regelmässig keine Lust mehr. Mehrfach liess er ohne nachvollziehbaren Grund los, obwohl die entsprechende Taste weiterhin gedrückt wurde. Ein wagemutiger Abenteurer ist eben nur so zuverlässig wie seine Griffkraft. Dadurch scheitern einfache Passagen nicht am eigenen Timing, sondern an einer Mechanik, die sich gelegentlich spontan gegen den Spieler entscheidet. Das ist nicht schwierig, sondern schlicht frustrierend.


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Noch ärgerlicher war eine spätere Fluchtsequenz, in der ein Gegner Speere auf Ari schleudert, während dieser versucht, sich an einer Liane festzuhalten. Unabhängig von Geschwindigkeit und Timing traf der Angriff immer wieder sein Ziel. Erst nach mehreren Neustarts und einer veränderten Position des Gegners liess sich der Abschnitt bewältigen. Bug? Who knows! Rund 20 Minuten gingen bei mir für diese eine Situation verloren, die eigentlich nur wenige Sekunden dauern sollte. Solche Probleme zerstören den Spielfluss und passen nicht zum ansonsten unkomplizierten Aufbau. LIFTED verlangt selten besondere Präzision, bestraft den Spieler aber dennoch für Fehler, die nicht immer bei ihm liegen.


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LIFTED lässt sich in weniger als drei Stunden durchspielen. Eine kurze Spielzeit ist nicht automatisch ein Nachteil. Manche Abenteuer erzählen in wenigen Stunden mehr als andere in 80. Hier wirkt der geringe Umfang jedoch problematisch, weil das Spiel genau dann endet, wenn es endlich interessant wird und die Mechaniken langsam an Tiefe gewinnen. Es fühlt sich an, als hätte LIFTED gerade die Einleitung abgeschlossen und würde danach direkt zum Abspann springen. Immerhin sorgen zusätzliche Sammelobjekte für Motivation. Wer komplette Sets in den Levels findet, schaltet neue Kostüme für Ari frei. Die Outfits orientieren sich dabei thematisch häufig an den jeweiligen Regionen. Fehlende Gegenstände lassen sich dank Level-Select bequem einsammeln, ohne das gesamte Abenteuer wiederholen zu müssen.



Fazit:

Die abwechslungsreichen Schauplätze und einige gelungene Rätsel zeigen deutlich, dass Adventure Works gute Ideen besitzt. Ich hätte gerne eine bessere Wertung verteilt. Leider sind gerade die Plattformpassagen weder besonders anspruchsvoll noch funktionieren sie immer zuverlässig. Auch die kurze Spielzeit enttäuscht. Nach weniger als drei Stunden ist das Abenteuer bereits vorbei, obwohl es spielerisch gerade erst interessant wird. Die besten Rätsel kommen viel zu spät, viele frühere Aufgaben bleiben viel zu harm- bzw. hirnlos. LIFTED ist dennoch kein Totalschaden. Dafür sind die Figuren einfach zu charmant, die Präsentation zu gelungen und einige Rätsel zu unterhaltsam. Wer ein sympathisches oldschool Jump'n Run Abenteuer ohne viel Stress sucht, kann jetzt schon reinschauen. Allen anderen würde ich empfehlen, mit dem Einstieg in den Anytime Elevator zu warten, bis die Mechaniker noch einmal gründlich daran gearbeitet haben.


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LIFTED ist derzeit als Download für PC via Steam erhältlich. Versionen für PS5 und Xbox Series sind in Vorbereitung. Unser Test-Muster stammt von Adventure Works, wofür wir uns herzlich bedanken!


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