The(G)net Review: Little Nightmares 2

Mit Little Nightmares landete Tarsier Studios 2017 einen kleinen Überraschungshit. Doch während die Heldin Six mit knallgelbem Parka im ersten ihren grossen Auftritt hatte, agiert sie diesmal nur als hilfreicher, aber stummer Sidekick. Der neue Star in der kleinen Albtraumwelt heisst Mono aka "die Papiertüte".



Aus unbekannten Gründen erwacht Mono völlig allein in einem Wald, rettet sich nach einer wilden Hatz in ein düsteres Haus und befreit gleich zu Beginn Six, die ihm fortan als tatkräftige KI Unterstützung zur Seite steht. Gemeinsam bleibt ihnen keine andere Wahl, als aus dem verwunschenen Haus zu fliehen, denn an jeder Ecke und hinter jeder Tür lauern tödliche Gefahren. Wer sich nicht vorsichtig durch die schummrige Kulisse vorarbeitet, wird entweder von hinterlistigen Fallen, wie Schnappnetzen, Bärenfallen oder fallendes Geschirr, ausser Gefecht gesetzt oder skurrile Kreaturen wollen uns ans digitale Leder.



Im Gegensatz zu Six kann Mono herumliegende Gegenstände als Waffen einsetzen. So haut ihr mit einem Hammer aggressive Porzellan-Puppen in Stücke oder zerdeppert mit einer Axt morsche Türen, um weiterzukommen. Als Ausgleich zum Kampfgeschehen werden Mono und Six kontinuierlich mit Rätseln konfrontiert. Mal entschlüsselt ihr mit Mono alleine die mehr oder weniger kniffligen Aufgaben oder ihr findet zusammen mit Six im Team des Rätsels Lösung.



Wer Little Nightmares kennt weiss, dass der märchenhafte Alptraum ohne Staminaleiste, Skilltree oder Lebenspunkte auskommt. Wen es erwischt, wird nach dem Game Over direkt zum nächsten Rücksetzpunkt transferiert. Das ist aber halb so wild, denn die Checkpoints sind grosszügig verteilt. Als dritte Spielkomponente dienen die Schleichabschnitte. Auf Zehenspitzen trippelt ihr an grotesken Monstern vorbei, versteckt euch im hohen Gras oder tarnt euch in einer dunklen Ecke.



Auf grosse Einspieler, ellenlange Cutscenes oder Sprachausgabe wurde verzichtet. Die Story rund um unsere beiden Protagonisten wird hauptsächlich von der Interaktion der beiden Charaktere und der Umgebung selbst getragen. Ingame Explorer stossen beim Durchstreifen von Little Nightmares 2 auf unterschiedliche Kopfbedeckungen. Mono tauscht seinen ollen Papiersack z.B. gegen einen Spitzhut ein oder stülpt sich ein Teddybärengesicht über. Einige Trophäen oder Secrets sind nur mit der richtigen Kopfbedeckung zu finden. Zusätzlich sind an unterschiedlichen Orten mysteriöse Hologramme versteckt. Wer sie alle findet, darf sich das zweite, versteckte (Real-) Ending ansehen.



Fazit:

Ich fand den ersten Teil solide, aber nicht den grossen Brüller. Bei Little Nightmares 2 wurden die nötigen Stellschrauben noch ein bisschen angezogen und bis auf ein paar kleine, nervige Passagen spielt es sich jetzt wunderbar. Klar, Mono ist jetzt nicht der agilste Hüpfer in der Szene. Jedoch ist die Atmosphäre so grandios, dass der etwas zähe Spielfluss nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Tarsier Studios hat in Sachen Grafik und Präsentation den wohl dicksten Hammer aus dem Designdepartement geholt. Kein Abschnitt gleicht dem andern und die paar Assets, die ab und an wiederverwertet werden, passen entweder zur Thematik oder fallen gar nicht auf. Die Aha-Momente und -Effekte folgen Schlag auf Schlag, und ich würde sogar behaupten, dass Little Nightmares 2 der momentan grafisch intensivste aber auch schönste Plattformer ist, und die Konkurrenz in diesem Bereich hinter sich lässt. Wie schon eingangs erwähnt gibt es einige wenige Frustpassagen, die entweder meiner Ungeduld oder der leicht zähen Steuerung geschuldet sind. Ich hätte mir für Little Nightmares 2 einen Koop-Modus gewünscht, alle Voraussetzungen sind ja anwesend! Tja, vergebene Chance. Während andere Publikationen sich grün und blau ärgern, weil ihnen zu wenig Story serviert wird, finde ich es hier wunderbar. Einer der schönsten Momente ist, wenn Mono das erste Mal auf Six trifft, ihr die Hand reicht und sie sich dann zusammen in das gruselige Abenteuer stürzen. Ein Moment der mehr aussagt, als 1000 Worte!




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