The(G)net Review: Pokémon Schwert und Schild

Mit Pokémon Schwert und Schild bringt GAME FREAK die 8. Spielgeneration auf die Switch. Wir sind bereit für ein neues Abenteuer in der bisher unentdeckten Galar-Region, wo uns 81 brandneue Pokémon vorgestellt werden – und das auf dem Big Screen!



Wie gerade erwähnt, findet das neue Abenteuer in einer Region namens Galar statt, wofür Grossbritannien als Inspiration genutzt wurde. Die Grafik in Pokémon Schwert und Schild macht auf den ersten Blick Eindruck: Die Welt, die wir bereisen, sieht toll aus! Von idyllischen Dörfchen über industrielle Arbeiterstädte, bis hin zu funkelnd leuchtenden Wäldern. An Natur und Architektur wird uns viel geboten. Die Grafik lässt jedoch in einigen Punkten zu wünschen übrig: Die Umgebung in Gebäuden und während Online-Battles ist ein leerer, blauer Raum, ergo langweilig. Die Pokémon an sich sehen auf der Switch klar viel besser aus als auf dem DS, aber machen eigentlich noch immer die gleichen Posen, wie wir sie aus X und Y bereits kennen. Ein paar Neuerungen wären willkommen gewesen. Unser Hauptcharakter sieht gut aus und es gibt viele Anpassungsmöglichkeiten wie Hautfarbe, Frisuren und Kleidung. Vergleichen wir Pokémon jedoch mit anderen Games, so ist die Auswahl eher schwach. Wir hätten uns mehr Frisuren erhofft und allgemein mehr anpassbare Features wie z.B. variable Augen-, Nasen- und Lippenformen.



Was sich in der neuen Galar-Region befindet, ist die riesige Naturzone. Zum ersten Mal in der Pokémon-Reihe gibt es hier eine Open-World mit drehbarer Kamera! Das unbekannte Terrain bringt sogar diverse Wetterkonditionen mit sich. Je nach Zustand, ob Schnee-, Sandsturm oder Gewitter, treffen wir hier auf unterschiedliche Pokémon. In Pokémon Schwert und Schild lernen wir 81 brandneue Pokémon kennen und finden ebenso bereits bekannte Monster in neuem Gewand: der Galar-Form. Wie in Alola ändern auch in Galar Pokémon ihre Form durch die Umweltkonditionen und erhalten neues Aussehen, neue Typen und sogar neue Entwicklungsmöglichkeiten. Mega cool! Bisher gibt es 13 Pokémon, die eine Galar-Form besitzen. Ein weiteres Plus: Wir dürfen wieder gegen die wilden Pokémon kämpfen! Das ungeliebte "Nur-Fangen"-Element aus Let’s Go wurde verbannt, vielen Dank dafür. Das gute Element aus Let’s Go wurde beibehalten und sogar erweitert: Wir sehen die wilden Pokémon im Gras! Yay! Aber nicht nur das: andere Pokémon verstecken sich immer noch und bleiben bis zum Encounter unsichtbar. Im hohen Gras lauern also umherlaufende und sich versteckende Pokémon, immer andere, und das macht das Fangen zu einem hoch motivierenden Erlebnis. Eure Partner laufen euch jedoch nicht mehr hinter her, was echt schade ist. Die Welt an sich bleibt jedoch „lebendiger“, wenn überall Pokémon umherlaufen und Städte besiedeln.


Kommen wir zur auffälligsten Neuerung dieser Editionen: Dynamax! Dieses neue Phänomen ersetzt die Mega-Entwicklung und die Z-Attacken. Für drei Züge pro Match kann unser Monster gross wie ein Hochhaus werden. Die Attacken bei Dynamax verwandeln sich in sogenannte Dynamax-Attacken und jeder Typ verfügt über eigene Zusatzeffekte (Statusveränderungen, Wetterveränderungen, Terrainsetting). Status-Attacken hingegen verwandeln sich in Schutzschilde. Einige Monster können sogar Gigadynamax-Formen annehmen. Dadurch verändert sich neben der Grösse sogar die Form des Pokémons und es beherrscht jeweils eine neue Spezialattacke.



In der Naturzone gibt es Dyna-Raids, wobei wir auf riesige, dynamaximierte Monster treffen und diese bekämpfen und fangen können, mithilfe unserer Freunde online oder fiktiver Mitstreiter offline. Das Dynamax-Phänomen bringt auf jeden Fall Veränderung ins Spiel, auch in kompetitiver Hinsicht. Hier gibt's aber auch Kritik: Pokémon, die einfach mal 30 Meter gross werden?? Nach der "Mega-Entwicklung" hätten wir echt mehr Einfallsreichtum erwartet. Dynamax ist auch nur in Online-Battles oder in der Pokémon-Arena möglich. Ja, richtig gehört: Die Arenen sind endlich zurück! In der Alola-Region wurden wir enttäuscht. Kleine Aufgaben und zum Schluss nur ein Pokémon als Gegner – nicht das Wahre. Aber hier in Galar ist die Arena-Challenge das Highlight des ganzen Spiels. Wir dürfen uns wieder 8 Arenaleitern stellen, um uns als Champ beweisen zu können. Jede Arena ist mit einer kleinen Aufgabe verbunden, die wir meistern müssen, um überhaupt antreten zu dürfen. Klasse! Die Arenaleiter gefallen. Diesmal gibt es mehrere editionsspezifische Gegner mit anderen Typen und sogar einen, der uns zum Doppelkampf herausfordert und mit Wetterkonditionen spielt. Sehr willkommen, vor allem für kompetitive Spieler, die an diesen Modus gewohnt sind. Das Beste an der Arena-Challenge ist jedoch deren Aufbau. In allen Spielen bisher schien es so, als seien unsere Rivalen und wir selbst die einzigen Pokémon-Trainer auf der Welt, die Orden sammeln. Auch interessierten unsere Kämpfe kaum jemanden, ausser der eigenen Mutter und den Herrn oder der Frau Professorin. In Galar ist die Arena-Challenge jedoch eine Sensation und begeistert sichtlich die Menge. Die Kämpfe finden in riesigen Stadien statt, wo ein grosses Publikum mitfiebert. Wenn ein Pokémon die Arena betritt oder eine Attacke den Gegner endlich platt macht, hören wir das Jubeln der Fans. Nice! Auch treten nicht nur der Rivale und man selbst an, sondern ganz viele andere. Wir sehen sie zwar nicht alle, aber es wird vermittelt, dass diverse andere Trainer versuchen, ebenfalls Orden zu ergattern. Nur Wenige schaffen es zuletzt in die Pokémon-Liga und ein Vorturnier entscheidet dort, wer in die nächste Runde darf. Hier fühlen wir uns an Ash und an seine Ligakämpfe erinnert, wie nostalgisch. Nach der ersten K.O.-Phase folgt eine letzte gegen alle Arenaleiter, um dann endlich gegen den Champ antreten zu dürfen. Hier hätte man stattdessen die Top 4 wieder einbringen können – aber okay. Das Konzept an sich ist der Hit!



Zuletzt zur Story: Die ist "ganz okay". Der Aufbau geht ewig. Wir benötigen Stunden für den ersten Orden und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Das Ergattern der letzten 3 Orden dauert gefühlt nur eine Stunde. Das hätte man besser ausbalancieren können. Und schlussendlich wird man auch nicht schlau aus dem Ganzen: Warum gibt es Dynamax? Wer sind diese legendären Pokémon? Und woher kommen die eigentlich? Alles bleibt etwas schleierhaft. Vielleicht jedoch mit Absicht, um alle unbeantworteten Fragen in einer Spezialedition zu klären? Wir haben drei Rivalen, wovon einer uns ständig auf der Pelle hockt: Hop. Er ist mehr Schatten und Freund wie Rivale und auch nicht gerade eine Herausforderung. Er erinnert an Tali aus Alola, was kein Kompliment ist. Wo bleiben die Garys, die uns das Leben schwer machten? Hop verfügt jedoch über eine positiv wirkende Angewohnheit: Er wechselt mehrmals im Spielverlauf sein ganzes Team aus, um erfolgreicher zu werden. Auch hier ein Hauch von Competitive Gaming, der sehr willkommen ist.



Nun zu Team Yell: Enttäuschend. Eigentlich ist es nur ein Fanclub und kein echtes Verbrecherteam. An und für sich nicht so schlimm, aber wir haben den Verbrecher-Arc vermisst, wie beispielsweise die Episode in Saffronia City, wo wir Team Rocket stürmen und uns Giovanni stellen. Sehr gut an der Story ist jedoch, dass der Antagonist nicht von Anfang an klar ist. Guter Ansatz, hätte aber besser ausgebaut werden können. Die Story beinhaltet auch fantastische Elemente, die wir loben möchten. Das Involvement der Hauptcharaktere ist in dieser Edition besonders gelungen. Jeder Charakter ist auf einer eigenen Reise und nicht etwas Statisches, Gegebenes: So wird ein Rivale zum Arenaleiter-Nachfolger, andere gehen in den Ruhestand und die Professoren erleben einen Generationenwechsel. Äusserst spannend und soll so beibehalten werden: Das Game schreit nach einer Fortsetzung mit Time Skip und davon wollen wir kosten!



Fazit:

Pokémon Schwert und Schild sind als Vertreter der Hauptreihe ganz in Ordnung, kommen aber nicht an das Best-of heran, wie beispielsweise Omega Rubin und Alpha Saphir. Trotzdem bringt Pokémon Schwert und Schild neue Features die es verdienen, erkundet zu werden. Vor allem ist das Spiel kompetitiv-freundlich und macht den Einstieg in die Online-Battle-Welt endlich einfacher. Die Grafik auf der Switch ist besser denn je, das Potential wurde aber nicht ganz ausgeschöpft. Spielen am grossen TV-Screen ist noch lange kein Erlebnis wie bei einem Zelda: Breath of the Wild. Trotzdem ist es ein sehr gutes Spiel geworden. Falls ihr noch keine Switch besitzt, ist es aber wohl nicht ganz der Grund, extra eine zu kaufen.



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