The(G)net Review: Pokémon Legenden: Arceus

Mit Pokémon Legenden: Arceus wagt Gamefreak einen grossen Schritt und revolutioniert das Spielerlebnis von Trainerinnen und Trainern auf der ganzen Welt. Denn Pokémon wird damit zum Open-World-Rollenspiel. Ob der Versuch gelungen ist?


Pokemon Legenden Legends Arceus Test Review Switch Nintendo

Setting des Games ist die Hisui-Region, heute bekannt unter dem Namen Sinnoh. Wir tauchen also in eine bereits vergessene Welt ein, eine vergangene Zeit, in der Pokémon und Menschen noch nicht prädestinierte Partner waren und all die Technologien (wie der Pokéball) eine Neuheit darstellten.

Die Story beginnt packend. Nachdem wir wie aus dem Nichts vom Himmel gefallen sind, werden wir von einem Professor gerettet. Er erkennt unser Talent und beauftragt uns mit der wichtigen Aufgabe, den allerersten Pokédex zu kreieren. Oben drauf gibt’s auch noch ein cooles Starter-Pokémon für uns: Bauz, Feurigel oder Ottaro.


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Wir erkennen schon zu Beginn der Story bekannte Muster und doch ist der Ablauf gänzlich neu. Anders als in früheren Spielen leiten uns Hauptmissionen durch die Story – das Spiel verläuft also nicht mehr nach dem Prinzip des 8-Orden-Sammelns. Weiter treffen wir in dieser offenen Welt stets wieder auf Personen, die uns mit genügend Nebenmissionen versorgen. Eben wie in einem klassischen Rollenspiel. Vom Feeling her gleicht Pokémon Legenden: Arceus somit stark der Monster Hunter-Serie.


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Auch optisch ist dem so: Die Hisui-Region ist riesig und in Gebiete aufgeteilt, die jeweiligen Habitate für verschiedenste Pokémon-Arten. Darunter finden wir weite Grassteppen, trockenes Sumpfland und sogar eine eisige Tundra. Was an der Welt fasziniert: Alle Pokémon spazieren frei und sichtbar herum, befinden sich also in der Oberwelt. Verstecken in hohem Gras war gestern. Was an der Welt weniger fasziniert: sie fühlt sich ziemlich leer an. Wir sind im 2022 und eine lebendige Open-World zu kreieren sollte nun echt kein Ding der Unmöglichkeit mehr sein. Hier haben die Entwickler in meinen Augen versagt. Umso überzeugender dafür ihre Leistung in Sachen Character-Design. Aussehen, Bewegungen und vor allem die Gesichtszüge hauchen ihnen echte Dynamik ein, die wir beim Sinnoh-Remake so vermisst hatten.


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Genauso dynamisch wirkt das Gameplay. Dass Pokémon in der Oberwelt spazieren können, ist nichts Neues. Doch in Pokémon Legenden: Arceus verfügen die einzelnen Exemplare erstmals über eigene Verhaltensweisen und wir als Trainer über diverse Optionen, um mit ihnen zu interagieren. Wir können bei Kontakt mit einem Monster selbst bestimmen, ob wir uns leise anpirschen und direkt einen Pokéball werfen oder uns Auge in Auge in den Kampf stürzen. Welche Methode gewinnbringend ist, variiert von Pokémon zu Pokémon, denn sie sind bekanntlich alle anders. Die einen sind scheu und ergreifen bei Sichtkontakt sofort die Flucht. Andere sind aggressiv und greifen uns sofort an. Spätestens dann macht es Sinn seine Partner einzusetzen, bevor wir selbst noch etwas abkriegen und in Ohnmacht fallen. Das Gameplay gibt mir das Gefühl, die Pokémon bei meiner Reise wirklich studieren zu müssen und das passt vollkommen zum Anspruch, einen Pokédex zu erschaffen. Toll gemacht.


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Wir begegnen meist Kreaturen, die wir schon aus früheren Spielen kennen. Und doch stellt uns Pokémon Legenden: Arceus einige neue Exemplare vor, vorwiegend jedoch Regionalformen. Also Alternativformen von uns bekannten Pokémon. Eine Strategie, die wir übrigens sehr begrüssen, denn statt sich alle paar Jahre den Kopf darüber zu zerbrechen, wie 50 bis 100 neue Monster aussehen könnten, macht man einfach 10 neue und und dafür dann noch 10 Regionalformen. Das genügt und wir Fans sind happy.


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Allgemein verstehe ich den Drang der Macher nicht, uns ständig völlig neue Konzepte aufzudrücken. Ein Beispiel sind die Elite-Pokémon: Überdimensional grosse Exemplare mit speziellen Attacken und rot leuchtenden Augen. Dynamax-Light? Auch die Kampfstile werden in diesem Spiel neu eingeführt. Unsere Partner können ihre Attacken nach einigen Anwendungen «meistern» und dann eine Tempo- und eine Kraft-Variante davon verwenden. All diese neuen Kampfelemente und andersartige Pokémon… sie stören zwar nicht, aber sie wären auch nicht wirklich nötig. Naja, wenigstens stören sie nicht...


Pokemon Legenden Legends Arceus Test Review Switch Nintendo

...das tut nämlich das neue Rundensystem schon zu Genüge. Pokémon ist seit Jahren bekannt für sein ausbalanciertes, rundenbasiertes Spielprinzip. Ein Prinzip, das sich bewährt hat. Das wurde nun aber ersetzt durch ein neues System und ich verstehe heute noch nicht, nach welcher Logik es funktioniert. Dafür habe ich herausgefunden, dass es fehlerhaft ist. Zeigt die obere, rechte Anzeige in einem Kampf zum Beispiel an, dass wir als nächstes mit einer Attacke dran wären, kann es trotzdem vorkommen, dass uns ein Gegner zwei Mal hintereinander angreift. Mit Blick auf das Spiel: ärgerlich aber verschmerzbar. Mit Blick in eine Zukunft, wo Pokémon auch PvP und kompetitiv gespielt werden soll: verheerend!


Pokemon Legenden Legends Arceus Test Review Switch Nintendo

Was bleiben darf, sind die zig Funktionen, welche uns das Management unserer Pokémon erleichtern. Dadurch, dass die Menüfunktionen beispielhaft in die Steuerung eingebunden wurden, können wir per Knopfdruck ganz einfach zwischen Items und Pokémon wechseln. Wisst ihr noch, als wir das Menü öffnen und unsere Teammitglieder mühsam herumschieben mussten, nur um das erste Pokémon in einem Kampf zu definieren? Die Zeiten sind vorbei. Auch scheint der Kampf vorbei zu sein, unter Druck – also bei Levelaufstieg – entscheiden zu müssen, ob sich jetzt die neu erlernbare Attacke wirklich lohnt. Mit dem neuen Attackenverwalter können wir neue Angriffe zuerst ausprobieren und falls sie uns doch nicht passen, per Knopfdruck alles wieder rückgängig machen. Das ganze Administrieren von Items, Pokémon und ihren Attacken war noch nie so leicht und fliessend in die Steuerung integriert. Das gilt auch für die Entwicklung, die neu manuell durch uns in die Wege geleitet wird, sobald unsere Pokémon die Bedingungen dafür erfüllen.



Fazit:

Auf den ersten Blick scheint Pokémon Legenden: Arceus genau das Pokémon-Erlebnis zu sein, das ich mir schon immer gewünscht habe: in einer offenen Welt, interaktiv und schön anzusehen. Tatsache ist jedoch, dass wir noch ganz weit weg davon sind. Das Kampfsystem ist unbrauchbar, vor allem im PvP und erst recht kompetitiv. Die neuen Elemente wie die Elite-Pokémon oder die Kampfstile sind unnötig. Und das Ganze wird zusammengehalten von einer Spielwelt, die zwar hübsch, aber doch sehr leer und unbelebt daher kommt. Auch die Performance könnte besser sein. Das Game macht diese Mängel durch ein einzigartiges Setting, dem etwas anderen Storyansatz und den darin spielenden und hübsch designten Protagonisten wett. Pokémon Legenden: Arceus macht auf jeden Fall Spass, für ein Spiel aus der Hauptreihe finde ich es dennoch höchstens «okay».



Wir haben Pokémon Legenden: Arceus auf Nintendo Switch getestet. Das Test-Muster stammt von Nintendo, wofür wir uns herzlich bedanken!



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