The(G)net Review: Sir Lovelot

Sir Lovelot, der alte Casanova hat ein grosses Herz und einen noch viel grösseren Testosteronhaushalt. Dutzende holde Maids warten auf eine romantische Nacht mit ihrem persönlichen Helden. Doch bis er das sichere Gemach einer Angebeteten erreichen kann, kämpft sich der pixelige Ehrenmann durch allerlei gefährliche Situationen.



Sir Lovelot hat keine Zeit für grosse Mätzchen und kommt bereits mit einem Komplettpaket an Skills an den Start. Während andere zuerst ihre Upgrades mühsam im Spiel zusammensuchen müssen, double jumpt er direkt zu Beginn durch die Screens also wäre es Morgenturnen. Zusätzlich slidet er elegant an Wänden runter oder nutzt sie als Sprunghilfe für Walljumps.



Woher und warum er aber zusätzlich noch eine Laser Wumme mit unendlicher Munition unter seiner Rüstung versteckt, um zahlreiches Getier wie Schlangen, Piranhas oder Skelette zu pulverisieren oder Schalter zu aktivieren, bleibt im historischen Kontext leider unerwähnt.



Eine Story existiert in diesem Sinne nicht. Die Aufgaben sind simpel; überlebt die 2 bis 10 Screen grossen Levels, findet jeweils gewünschte Geschenke wie Blume, Ring, Lolli oder Diamant und bringt die eurem adeligen Rendezvous. Leider wird Sir Lovelot am nächsten Morgen wieder rausgeschmissen und die Leier geht von vorne los. Neue Geliebte, neues Glück.



Im Stile von Celeste oder Super Meat Boy hangelt, ballert und rätselt ihr euch den Weg durch die knapp 40 Levels, wobei ein Ingame Timer kontinuierlich tickt und erst bei Level Abschluss für den Score abgerechnet wird. Fällt ihr einen der vielen Fallen und Monstern zum Opfer, geht's in Sekundenbruchteilen zum nächsten Checkpoint - dank unendlicher Continues.



Die amouröse Welt von Sir Lovelot ist in 4 unterschiedliche Abschnitte eingeteilt, die sich thematisch unterscheiden und stets ein neues Spielelement einführen (Schwimmpassagen, Sprunghilfen, Luftströme usw.). Zwar kann man ohne grosse Umwege direkt zur Angebeteten eilen, nachdem man das Haupt Item eingesackt hat. Wollt ihr aber jeweils die 100% in einem Level erreichen, muss eine vorgegebene Anzahl an versteckte Gänsen aufgespürt und sämtliche Goldmünzen einkassiert werden. Zusätzlich dürft ihr euch nur eine bestimmte Anzahl an erneuten Versuchen erlauben. Seid ihr darüber, ist der Score futsch.



Fazit:

Sir Lovelot ist ein Held ganz nach meinem Geschmack, Es wird nicht lange gelabert, sondern angepackt. Der Protagonist kommt bereits mit genügend Fähigkeiten angewackelt und hat seine Ziele klar vor Augen. Das schlichte 8bit Pixelart-Design mag nicht jedermanns Geschmack sein, passt aber vorzüglich zur munteren Hüpferei aus Luxemburg. Untermalt von Klängen, die an Peter und der Wolf erinnern, flitzt unser kleiner Casanova mit grossem Herzen durch die mittelalterliche Kulisse. Das grösste Lob geht an die Steuerung. Lovelot reagiert wie eine Eins. Zwar sind pixelgenaue Sprünge und fiese Passagen an der Tagesordnung, doch Lovelot meistert sie dank phänomenalem Controllerinput mit Links.



Zusätzliche Punkte gehen ans Departement vom Leveldesign. Wer nicht stets auf Zack ist, springt ungewollt in eine Grube mit Eisenstacheln oder wird von einem plötzlich auftauchenden Tentakel dezimiert. Und hier ist auch der Punkt, wo Sir Lovelot ein wenig schwächelt. Es ist zwar begrüssenswert, dass das Spiel auch für Anfänger sehr zugänglich ist, aber wenn ein Gegner nach dem Ableben von Lovelot nicht wieder spawnt, fällt bei vielen Leveln der Schwierigkeitsgrad auf Vorschulniveau. Auch wenn nur fünf Leute an Sir Lovelot gewerkelt haben, ist der Umfang mit knapp 3 - 5 Stunden Spielzeit sehr begrenzt. Wer gegen die Genregrössen antreten will, braucht mehr Inhalt. Persönlich finde ich unseren Helden sprichwörtlich einen tollen Hecht und wünsche mir weitere Abenteuer rund um den knuffigen Charmeur. Da ich ja sowieso ein Fan von guten Indie Games à la Celeste bin, kann ich Sir Lovelot empfehlen, denn für knapp CHF 10.- ist die mittelalterliche Hüpferei ein Schnäppchen.


Sir Lovelot gibt es ab sofort digital für Nintendo Switch, Xbox, PlayStation und PC (Steam).

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