The(G)net Review: Sniper Elite 5

Hurra, hurra, der Sommer ist da! Damit einher geht auch immer, zumindest im AA- und AAA-Bereich, das Sommerloch. Mit Sniper Elite 5 schafft Rebellion für Stealth und Shooter Fans Abhilfe. Nach Deutschland, Nordafrika und Italien muss unsere 1-Mann-Spezialeinheit dieses Mal in Frankreich auf Nazijagd gehen. Auf der PlayStation 5 haben wir das Spiel auf Herz und Nieren getestet!


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Der neuste Sniper Elite Teil ist zwar in 1944 in Frankreich angesiedelt, am D-Day oder anderen berüchtigten Schlachten wird nicht teilgenommen. Stattdessen operiert man als Karl Fairburne, in Zusammenarbeit mit der Résistance, hinter den Linien. Man ist auf der Jagd nach Obergruppenführer Möller und Informationen zu “Operation Krake”, einem Angriff auf Amerika. Dazu infiltriert man unter Anderem ein schwer befestigtes Château, zerstört deutsche Befestigungen an der Küste und schleicht durchs rurale Frankreich. Story war noch nie eine Stärke der Reihe und Teil 5 macht da keinen Unterschied. Viele Klischees und wenig Substanz sorgen dafür, dass die Geschichte nicht viel mehr als Kleister ist, der die zehn Levels irgendwie zusammenhält. Ein besonderes Lob verdient hier die Vertonung: Gegner sprechen untereinander Deutsch, der Wiederstand unterhält sich auf Französisch und wenn Karl dabei ist, wechseln alle auf Englisch. Dies trägt auf jeden Fall zu einer gelungenen Atmosphäre bei.


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Die Stärken liegen vielmehr im abwechslungsreichen Gameplay und dem ausgeklügelten Leveldesign. Die Levels sind weitläufig, vollgepackt mit Haupt- und Nebenzielen und belohnen Experimentierfreudigkeit. Erkundung steht ganz oben auf der Prioritätenliste, denn alle Aufgaben bieten vielfältige Herangehensweisen. Der Aufbau der Level und die Missionsstruktur dienen dem Gameplay auf ganzer Linie. Dies fängt schon vor jeder Mission bei der Wahl der Ausrüstung an. Anfangs ist die Auswahl an Waffen noch sehr beschränkt und nur wer die Spielwelt zünftig erkundet sowie möglichst viele Nebenziele abschliesst, erhält Zugriff auf das umfangreiche Waffenarsenal. Neben einer Vielzahl an Gewehren und Sekundärwaffen gibt es für alle Schiesseisen eine riesige Anzahl an Aufsätzen. Neben Optiken kann fast jeder Einzelteil einer Waffe ausgetauscht werden. Abzüge, Läufe und der Rest verändern die Waffe, wodurch sie leiser oder lauter, einfacher oder schwerer zu kontrollieren und mehr oder weniger präzise wird. Über den Spielverlauf hinweg kann man die Ausrüstung ganz zu seinem Eigen machen und seinem liebsten Spielstil anpassen.


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Dank der cleveren Gestaltung dieser Systeme hat man sehr viele Freiheiten, wie man seine Missionsziele angeht. Sniper Elite 5 kann zu 100% wie ein ganz konventioneller Shooter gespielt werden. Zwar verpasst man auf diese Weise ganz viel Gutes und dreht den Schwierigkeitsgrad gewaltig nach oben, aber die Möglichkeit besteht. Offene und brutale Kriegskunst sollte eher als letzte Option genutzt werden, wenn die Kacke sowieso schon am dampfen ist. Alternativ kann man komplett auf Stealth setzen. Wachposten werden umgangen, geheime Eintrittspunkte gefunden und wie ein Geist schleicht man durch das besetzte Frankreich. Muss man sich trotzdem mal um einen Gegner kümmern, kann man auf nicht letale Methoden zurückgreifen. Das geht nicht nur mit lautlosen Nahkampftakedowns, sondern mit nichttödlicher Munition, die man mitbringen oder bei feindlichem Nachschub finden kann. Selbstverständlich darf man die Spielstile ganz nach eigenem Gusto durchmischen und situationsbedingt agieren. Eine hübsche Grafik am Ende jeder Mission zeigt auf, wie man vorgegangen ist.


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Gepaart mit der offenen Levelarchitektur ergibt sich fantastisches Gameplay. Durch Satelittenbunker schleichen, um unbemerkt die feindliche Kommunikation zu unterbrechen, Häuserkampf mit Sturmgewehr und Stielhandgranate, Attentate auf Offiziere aus mehreren hundert Metern bei starkem Wind: Sniper Elite 5 gibt einem alle Tools für ein sich gut anfühlendes und abwechslungsreiches Spielgefühl. Der individualisierbare Schwierigkeitsgrad macht es nur noch besser. Wer mehr Action will, dreht alle Regler runter um sich mit Gebrüll in die Schlacht zu stürzen. Möchte jemand ein einfacheres Gesamterlebnis, aber trotzdem möglichst authentisch Scharfschützeln, kann auf Einfach mit aktiviertem Kugelabfall, Windeinfluss und ohne virtuelle Zielhilfe los ziehen. Diese Auswahlmöglichkeiten geben fast allen die Möglichkeit als eiskalter Badass unterwegs zu sein. Einzig die feindliche KI zickt manchmal ein wenig. Mehr als einmal wurde ich von einem Soldaten durch ein solides Objekt hindurch entdeckt und sogar angeschossen.


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Wer bereits die Teile 3 und 4 von Sniper Elite gespielt hat wird vielleicht merken, dass es hier keine grosse Änderungen oder Innovationen gibt. Das trifft zu. Stattdessen wurde hauptsächlich Feintuning in vielen Bereichen vorgenommen. Für Hardcore-Fans könnte das enttäuschend sein. Rebellion folgt dem Motto: was nicht kaputt ist, muss nicht repariert werden. Das geht völlig in Ordnung, denn alle die mehr wollen oder schon immer einen Einstieg in die Serie gesucht haben, sind hier richtig. Nur wer ein anderes, neues Spiel erwartet, wird das nicht vorfinden.


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Erneut kann die Kampagne online zu zwei kooperativ gespielt werden, dieses Mal mit plattformübergreifendem Crossplay. Das gilt auch für die bereits bekannten kompetitiven PVP-Modi und den Überlebensmodus. Neu hinzu kommt die Invasion der Achsenmächte. In der Invasion kann man als deutscher Scharfschütze den Missionen anderer Spieler beitreten, um sie im Sniperduell auszuschalten. Das ist im Genre zwar nicht neu, bringt aber noch mehr Abwechslungs ins Spiel. Wer keine Invasionen haben möchte, kann die Kampagne ganz klassisch alleine offline spielen. Möchte man alle Waffen und Aufsätze freischalten, kommt man nicht darum herum, zumindest einige Invasionen gegen andere Spieler zuzulassen.


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Technisch hat sich seit dem direkten Vorgänger nicht viel getan. Charaktermodelle und Animationen, speziell in Zwischensequenzen, sehen steif und nicht allzu realistisch aus. Im Spiel selber fällt das nicht mehr allzu sehr auf. Dort trifft man auf andere Bugs wie Leichen die ab und an im Boden versinken und Figuren die über den Boden schweben anstatt zu laufen. Besonders im Nahkampf mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren hat auch das Fadenkreuz manchmal seine Schwierigkeiten, weil es schwer ist damit auf einem Gegner fokussiert zu bleiben. Ist der Feind in Bewegung, hängt es beständig dessen Körper nach, wodurch es fast unmöglich wird zu treffen. Erhöht man die Empfindlichkeit des Analogsticks kann man dieses Problem teilweise mitigieren. Eine Lösung ist es definitiv nicht.


Sniper Elite 5 Test Review Playstation 5 Xbox Series

Wie gewohnt darf eine Mission, in der man den Führer auf möglichst viele kreative Arten killen kann, nicht fehlen. Ausprobieren konnte ich diese nicht, aber die Möglichkeit Hitlers Hoden in Zeitlupe zum Platzen zu bringen, verspricht immer eine fantastische Zeit. Die berühmte Slo-Mo Killcam, in der man bis ins kleinste Detail sehen kann, wie Schädel förmlich explodieren, Organe perforiert und Eier zerberstet werden, ist nämlich wie erwartet zurück. Schön für alle die es mögen, im Jahr 2022 ist dieses Feature keinen ganzen Absatz mehr Wert.



Fazit:

Das Gameplay machts aus! Sniper Elite 5 und Rebellion wissen was Spass macht und setzen alles daran, möglichst viel Unterhaltung zu bieten. Das Rad wird nicht mal ansatzweise neu erfunden, was völlig in Ordnung geht, weil die Entwickler ihre Formel fast perfektioniert haben. Sniper Elite 5 rockt und ist eine Empfehlung für alle Shooter- und Stealth-Liebhaber. Hoffentlich wird für den nächsten Teil noch mehr an der Technik geschraubt, denn diese ist aktuell der grösste Schwachpunkt. Über kleinere Bugs und die eher maue Story kann man getrost hinweg blicken.



Sniper Elite 5 wurde von uns auf einer PS5 getestet, gibt's aber auch für PS4, Xbox Series X|S, Xbox One und PC. Das Test-Muster stammt von Rebellion, wofür wir uns herzlich bedanken!


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