The(G)net Review: Streets of Rage 4 / Mr. X Nightmare DLC

Streets of Rage war damals in den 1990ern bei weitem nicht das erste Beat'em Up, aber Segas Prügelspiel-Trilogie ist mit Sicherheit eine der kultigsten des Genres. Streets of Rage 4 ist nun seit knapp einem Jahr erhältlich und da kürzlich der erste DLC erschienen ist, der das Spiel zu einem umfassenden Komplettpaket macht, haben wir mal reingeschaut.


Streets of Rage 4 Test Testbericht Review Mr. X Nightmare DLC

Streets of Rage ist die Art von Spiel, dessen Name allein mir schon einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Ich verbinde eine ganz persönliche Liebe mit dem Mega Drive Titel, hat er mich doch durch einen guten Teil meiner Jugend begleitet. Im Laufe der letzten Jahre wurde immer wieder über die Entwicklung eines komplett neuen Teils gesprochen, aber ein Streets of Rage 4 nie realisiert. Bis es dann schliesslich 26 Jahre nach dem ursprünglichen Start des dritten Teils doch noch passierte. Bei der Entwicklung liess sich Sega von dem erfolgreichen Ansatz von Sonic Mania aus dem Jahr 2017 leiten, das ebenfalls durch die Bemühungen einer Gruppe von sach- und fachkundigen Fans das Licht der Welt erblickte. Für Streets of Rage 4 haben sich die Indie-Entwickler Dotemu, Lizardcube und Guard Crush Games zusammengetan, die alle ein ausgeprägtes Verständnis und eine grosse Leidenschaft für die Franchise verbindet.


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Schon auf den ersten Blick ist Streets of Rage 4 ein Spektakel. Alle Grafiken wurden von Hand gezeichnet und animiert, was dank satter Farben und Reflexionen von Licht und Objekten zu einer extrem glatten und schillernden Darstellung führt. Die zehn Levels strotzen nur so vor Details und haben eine ebenso lebendige wie düstere, neongetränkte Atmosphäre, mit willkommenen Ausflügen in orientalische und sogar neugotische Umgebungen.


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Wer mehr Retro-Feeling braucht, kann zusätzliche Pixel- und Scanline-Effekte aktivieren. Technisch gesehen ist das Spiel durchweg solide und läuft mit felsenfesten 60 Bildern pro Sekunde in 1080p-Auflösung auf allen Konsolen. Der einzige Wermutstropfen in meinen Augen sind die Zwischensequenzen im Comic-Stil, die zwar zur ursprünglichen Trilogie passen, aber im Jahr 2020 im Vergleich zum flüssigen Einführungsvideo und dem Gameplay ein wenig dürftig aussehen.


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Das Geschehen auf dem Bildschirm wird ebenso aufregend musikalisch untermalt, diesmal von einem Kollektiv, zu dem die Komponisten der Original-Trilogie Yuzo Koshiro und Motohiro Kawashima gehören. Auch Nostalgiker kommen auf ihre Kosten, denn der Soundtrack aus den ersten beiden Teilen kann ebenfalls ausgewählt werden.


In jedem Fall ist die Präsentation perfekt auf die dynamischen Kämpfe in der fiktiven Stadt Wood Oak abgestimmt. Wir fighten uns mit alten Favoriten wie Axel Stone, Blaze Fielding und Adam Hunter durch die Levels oder wählen mit Cherry und Floyd einen der beiden neuen Charakteren. Und wer sich den kürzlich erschienenen DLC "Mr. X Nightmare" besorgt, kriegt obendrein noch Zugriff auf drei weitere Helden, alle mit eigenem Kampfstil und Super-Moves. Neben mehreren Standardangriffen verfügt jeder Recke über mächtige Spezialattacken, bei denen es auf die Richtung ankommt, aus der sie ausgeführt werden.


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Es gibt auch ein motivierendes Risiko-Belohnungs-Element, das Bloodborne-Spielern bekannt vorkommen wird: Ein Spezialangriff kostet ein wenig Lebenskraft, aber man kann sie sofort zurückgewinnen, indem man Schläge austeilt, ohne selbst getroffen zu werden. Seltene und spektakuläre Star-Moves runden das Repertoire ab, mit denen man eine ganze Gruppe auf einen Schlag auslöschen kann.


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Bei der Berechnung der Punktzahl am Ende jedes Levels werden nicht nur Treffer, sondern auch die verbleibende Gesundheit und sogar die ungenutzten Stern-Moves berücksichtigt. Mit der Zeit schaltet mal dann mehr und mehr Charaktere frei und auch hier gibt es wieder eine nette Anspielung auf die Vergangenheit, denn die meisten der Darsteller aus den Originalspielen (mit ihrem ursprünglichen pixeligen Aussehen und Spielstil) sind mit von der Partie.


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Trotz der grossen zeitlichen Lücke zwischen der ursprünglichen Trilogie und diesem vierten Teil fühlt sich Streets of Rage 4 wie ein echter Nachfolger an. Die enorme Menge an Liebe, die in die Entwicklung floss, ist in jedem einzelnen Element zu spüren. Die Befriedigung über Combos und besiegte Zwischen- und Endbosse ist so gross, dass man oft weiterspielen möchte, bis sich die Hände verkrampfen. Doch für viele wird die Herausforderung manchmal in Frustration umschlagen: Es gibt nur wenige Gelegenheiten, feindliche Angriffe abzublocken oder ihnen geschickt auszuweichen. Das Gameplay hat sich radikal verändert, da der Schwerpunkt hier bewusst auf einer offensiven Strategie liegt. Da ist es hilfreich einen Freund an der Seite zu haben. Entweder zwei Spieler online oder vier Spieler im lokalen Koop-Modus sind drin, wobei das Spiel die Menge an Schaden, die man pro Person anrichtet, gut skaliert.



Was bietet der Mr. X Nightmare DLC?

Selbst ein Jahr später ertappe ich mich immer noch dabei, wie ich gelegentlich eine Runde Streets of Rage 4 spiele, und sei es nur, um den süssen Melodien zu lauschen. Erfreulicherweise erschien gerade erst ein nicht unbedeutendes DLC-Update: Für knapp CHF 10.- kann man sich an all dem Schnickschnack erfreuen, den das "Mr. X Nightmare"-Paket zu bieten hat, darunter:

  • Neue Charaktere, darunter die wiederkehrenden Favoriten Max Thunder und Shiva sowie der Neuzugang Estel Aguirre.

  • Ein knallharter Überlebensmodus, der die Spieler durch einen endlosen Spiessrutenlauf von herausfordernden Arenen schickt.

  • Verschiedene neue Moves und Waffen (!)

Darüber hinaus erhalten alle Spieler, auch wenn sie den DLC nicht kaufen, ein kostenloses Update, das Optionen für Farbpaletten der Helden, eine neue Schwierigkeitsstufe, einen Trainingsmodus sowie einige Standardverbesserungen enthält.



Fazit:

Als Streets of Rage Fan der ersten Stunde muss man Dotemu, Lizardcube und Guard Crush Games einfach ein grosses Lob aussprechen. Trotz der grossen zeitlichen Lücke zwischen der ursprünglichen Trilogie und diesem vierten Teil fühlt sich Streets of Rage 4 wie ein echter Nachfolger an. Es handelt sich hier weniger um ein Remake, als um einen kompletten Neustart, der in jeder Hinsicht auf der ursprünglichen Formel aufbaut und sowohl die bestehenden Elemente verfeinert als auch neue hinzufügt. Das Spiel ist ein Beweis dafür, dass ein Kollektiv eingefleischter Enthusiasten mit ausreichenden Kenntnissen tatsächlich das beste Ergebnis erzielen. Streets of Rage 4 ist ein phänomenaler Nachfolger einer alten Franchise, mit verdammt guter Kampfmechanik und Grafik, einem wunderschönen Soundtrack und es ist für mich eines der besten Side-Scrolling-Beat'em Ups, die man derzeit spielen kann.



Wir haben Streets of Rage 4 auf Xbox Series X getestet. Das Spiel ist aber auch für PS4, Xbox One, PS5, Nintendo Switch und PC zu haben. Der Review-Code wurde uns freundlicherweise vom Publisher zur Verfügung gestellt.



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