The(G)net Review: Teratopia

Wenn es die AAA-Firmen während des Weihnachtsgeschäfts wieder schleifen lassen oder katastrophale Release Praktiken zum Standard gehören, liegt es wieder mal an den kleinen Indies, die Karre aus dem Dreck zu ziehen und die Spielerschaft mit solider Kost zu versorgen.



Titel wie Hades oder Streets of Rage 4 sind die besten Beispiele für kleine, aber feine Videospielkost. So ist es nicht verwunderlich, dass wir mittlerweile regelrecht mit Review-Keys von kleinen Entwicklern zugeballert werden. Teratopia von Eastasiasoft und den argentinischen Entwicklern Ravengan ist so ein Fall.



Der korpulente Tucho führt eigentlich ein gemütliches Dasein, wäre da nicht eine rot-pelzige Spitzbubentruppe, die ihm und seinen beiden Kumpanen Benito und Horacio ans Leder und die ganze Region unter ihren Nagel reissen wollen. Zu Beginn dürft ihr aber vorerst nur Tucho durch die farbenfrohe Fantasy-Welt steuern. Benito und Horacio wurden gekidnappt und stehen euch erst zur Verfügung, wenn ihr sie aufgestöbert und aus ihrem temporären Knast befreit habt.


Gesteuert wird unser Heldentrio mit einem Mix aus topdown- und isometrischer Ansicht. Die Kamera schwenkt fleissig mit, kann aber nicht manipuliert werden. Die weitläufigen Levels, die allesamt miteinander verbunden sind, werden stets am Ende von einem dicken Endboss bewacht. Obwohl Tucho anfänglich noch ein wenig schwach auf der Brust ist und die ersten Gegner mit Watschen und Fäusten bearbeitet, levelt ihr in der ersten Viertelstunde euren Charakter im Minutentakt hoch. Für jeden erledigten Feind regnet es Erfahrungspunkte und bei jedem Levelaufstieg schaltet ihr entweder neue Fähigkeiten oder Statusupgrades frei.



So könnt ihr hüpfen und rollen als wärt ihr in Dark Souls oder mit einem aufgeladenen Schlag gleich mal die Energieleiste der Schurken auf die Hälfte halbieren. Im Laufe des Spieles werden wir immer mächtiger, und die anfangs noch dicken Brocken lassen sich später mit ein paar Hieben oder Schüssen erledigen. Zu jedem unserer drei Protagonisten gesellen sich bis zu 5 unterschiedliche Compadres, die hier "Lakais" genannt werden. Diese putzigen Helfer aktiviert ihr auf Knopfdruck und schickt sie den Gegnern auf den Hals. Dies hat zwei Vorteile. Erstens blocken die Winzlinge anstürmende Kontrahenten ab und zweitens nutzen sie ihre spezifischen Fähigkeiten im Nah- oder Fernkampf, um dem Angreifer zusätzlich Saures zu geben oder die anderen Teamkameraden zu heilen. Steuern könnt ihr die Lakais zwar nicht, aber mit dem linken Analogstick dürfen wir sie in die gewünschte Richtung teleportieren.



Lustig wird es in höheren Levelstufen, wo ihr dann über zwei Dutzend Lakais auf die Gegnerschar hetzen könnt. Die Halbwertszeit der Lakai währt jedoch nicht all zu lange. Kassieren sie Schläge und Backpfeifen der Bösewichte, schrumpft schnell ihre Energieleiste oder ein Timer verkürzt gnadenlos die Lebenszeit. Aber dies ist kein Problem, denn je dicker der Spitzbube, umso mehr Items lässt er nach seinem Ableben liegen. So füllt ihr euer Lakaien-Konto umgehend wieder auf. Zusätzlich kassiert ihr Augäpfel, die ihr bei gierigen Vogelwesen gegen Lakaien-Upgrades und Extra-Items eintauscht oder Wegzoll entrichtet, um neue Levelteile freizuschalten. Ab und an erhascht ihr auch ein paar Supermove-Kanister und brutzelt z.B. alle Gegner in einer gewissen Reichweite oder umhüllt alle Lakais mit einem schützenden Energieschild.



Wie schon erwähnt stehen euch nach ca. 1/3 des Spieles alle 3 Helden zur Verfügung. Während Tucho der Nahkampfspezialist fürs Grobe ist, verschiesst Benito grüne Projektile und Horacio vergiftet die Feinde mit seiner toxischen Spucke. Als kleines Extra schaltet ihr alle Charaktere als Sammelkarte frei, was euch Zugang zu neuen Outfits mit besseren Statuswerten eröffnet.



Fazit:

Teratopia ist ein witziger Ausflug in einen eigenwilligen Genremix. Tucho und seine Crew bieten kurzweilige, simple Plattfomaction mit Hauptfokus auf Massenprügeleien. Im Grossen und Ganzen eine spassige Angelegenheit, die aber an einigen Unebenheiten krankt, die den Spielfluss leicht trüben. Schön, dass ich 3 verschiedene Charaktere auswählen kann. Wenn aber der Grüne um längen besser ist, als die beiden anderen und ich ausschliesslich mit Benito die Gegend unsicher mache, dann hapert es an der Balance. Nervig ist auch das ständige Herunterfallen. Zwar kann ich rumsprinten wie ein junger Hirsch, aber mit dem Dash bin ich schneller und agiler. Leider falle ich aufgrund der starren Kamera oft ins Bodenlose und verliere alle meine Lakaien. Wenigstens darf ich meine Augäpfel nach dem Ableben behalten. Die Sprunghöhe aller Protagonisten ist ein Witz. Nicht nur, dass der Doppelsprung so gut wie nichts bringt, Rumspringen ist grundsätzlich eine Qual. Zum Glück erfordern nur sehr wenige Passagen wildes Gejumpe. Da ich hauptsächlich mit den Keilereien beschäftigt bin, lässt sich dieser Umstand verschmerzen. Denn wenn ich 20 Lakais auf die Meute schicke und ein Riesengewusel herrscht, dann brilliert Teratopia. Da vergisst man dann auch die etwas unsaubere Grafik, die insgesamt ein wenig fotzelig und unpoliert wirkt. Grossartig sind auch die über ein Dutzend Endgegner. Spielerisch nicht besonders anspruchsvoll, ergänzen die abgedrehten Bosse den skurrilen Ausflug brilliant. Im Gesamtpaket ist Teratopia ein solider Indietitel mit ca. 10 - 12 Stunden Spielzeit, der nicht nur mit einem fairem Preis von CHF 15.- punkten kann, sondern auch mit einer Sounduntermalung, die stark vom südamerikanischen Flair geprägt ist und zur Spielthematik wie die Faust aufs Auge passt.



0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen