The(G)net Review: The Sinking City 2
- Armin Medic

- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Die ganze Survival-Horror-Gemeinde wartet sehnsüchtig auf den Resident Evil 9-DLC. Während Capcom immer noch an der Erweiterung werkelt, schiebt das ukrainische Entwicklungsteam Frogwares neues Grusel-Futter für alle gängigen Systeme nach. Mit Schlapphut und Lederjacke rätseln und ballern wir uns durch ein düsteres Setting, bei dem uns der Wahnsinn stets an den Fersen heftet.

Der Auftakt zu Sinking City 2 gibt schon mal den bedrohlichen Ton an, der uns die nächsten 10 bis 12 Stunden nicht mehr so schnell loslassen wird. Wir befinden uns in einem Musikcafe. Eine attraktive Dame gönnt sich eine kleine Absacker, die Band spielt dezent im Hintergrund. Als plötzlich ein Indiana Jones-Verschnitt die Szene betritt, treffen wir das erste Mal auf unseren Protagonisten Calvin. Wie es sich herausstellt, ist die junge Dame namens Fay seine Lebenspartnerin. Nach einem Begrüssungsbussi brechen alle Dämme. Ein paar fiese Ganoven betreten das Lokal und wollen unserem Helden ans Leder. Doch die angeblich wilde Schiesserei endet in einem bizarren Wechsel. Die Gangster verwandeln sich in stöhnende Untote und Calvin fällt in einen bodenlosen Abgrund.

Alles halb so wild. Es war nur ein böser Traum. Schweissgebadet wacht Calvin auf, nur um die Erkenntnis zu erlangen, dass die geträumte Tragödie ihn bis in die Realität verfolgt. Fay liegt im komatösen Zustand im Bett. Tja, das kann passieren, wenn man sich an irgendwelchen okkulten Ritualen versucht und die dann tüchtig in die Hose gehen. Calvin muss nun das Schlamassel alleine ausbaden und einen Weg finden, Fay wieder aus dem Koma zu befreien.

Zu allem Pech befinden wir uns in Arkham, das durch eine Flut zu grossen Teilen unter Wasser liegt. Der grösste Teil der Population wurde von intriganten Monstern dahingerafft und unser einzige Transportmöglichkeit ist ein kleines Motorboot, mit dem wir durch die brackwasserigen Kanäle der Stadt navigieren. Calvin ist auf der Suche nach einem mysteriösen Dolch, der Fays magisches Koma beenden könnte. Ausgestattet mit einer Taschenlampe, einer Handfeuerwaffe und einem Haufen Hoffnung wagt sich Calvin ins bevorstehende Abenteuer.

Nachdem wir mit unserem Boot ein paar Meter durch die Stadt schippern, versperrt uns ein Schleusentor die Weiterfahrt. Es fehlen ein paar Komponente, um die Tormechanik zu aktivieren. Wir durchsuchen in einem nahegelegenen Gebäude nach den verlorenen Ersatzteilen. Und schon in den ersten Minuten offenbart sich, um wessen Geistes Kind es sich bei The Sinking City 2 handelt - Resident Evil. Wüsste man es nicht besser, würde man hier sogar ein Spin Off von Capcoms Horror-Serie vermuten.

Wir verfügen über eine begrenzte Menge an Inventarslots. Hier verstauen wir nicht nur unsere Knarre samt Munition, auch Lebenstränke und Crafting Materialien finden darin Platz. Im Untermenü wird aus den verfügbaren Gegenständen wild zusammengemixt, was das Inventar hergibt. Dabei übernimmt das Spiel uns ein gutes Stück Arbeit ab und zeigt direkt, welche Items aktuell hergestellt werden können. Um unseren Rucksack mit mehr Items zu füllen, sollten wir die wichtigen E.R.C-Kisten mit deren Schlüsseln aufstöbern. Haben wir die metallene Box geknackt, erhalten wir jeweils zwei zusätzliche Inventar-Plätze.

Nachdem wir das Haus in bester Resident Evil-Manier abgesucht haben, schaffen wir die Schleuse zu aktivieren und unsere Fahrt geht weiter. Doch das nächste Hindernis lässt nicht lange auf sich warten. Ein toter Wal versperrt uns die Weiterfahrt. Wir entdecken einen Kran, bei dem jedoch Benzin und ein Zahnrad fehlt. Also macht sich Calvin in den nahestehenden Gebäuden erneut auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Damit wir wissen, ob wir die besuchten Gebiete komplett abgegrast haben, kontaktieren wir die Map.

Blaue Zimmer gelten als abgeschlossen, bei den roten gibt es noch etwas zu finden oder noch ein Puzzle zu lösen - Resident Evil lässt erneut grüssen. Im Laufe des Spiels erweitern wir unser Arsenal. Zur Handknarre gesellen sich später - wie kann es anders sein - eine Schrotflinte, ein Tommy Gun, ein Jagdgewehr und zum Schluss der obligatorische Granatwerfer. Das kommt uns alles irgendwie bekannt vor. Wer eifrig die Levels abklappert, findet zudem noch das eine oder andere Upgrade für die Wummen. Denn neben dem Suchen und Herumrätseln wird auch gelegentlich geballert.

Unsere Feinde sind die Slithers. Parasitäre Würmer, die sich einen Wirt suchen und diesen in einen durchgeknallten Infizierten verwandeln. Wir können die Gegner auf zweierlei Arten erledigen. Entweder schiessen wir gezielt die aufploppenden Virusblasen weg, die sich an Kopf, Armen oder Beinen des Schurken befinden oder wir zerschiessen die Kniescheiben, hoffen das dieser zu Boden fällt und wir ihn mit ein paar kräftigen "Dead Space Fussstampfern" ins Reich der Toten schicken. Alternativ halten wir Ausschau nach Propangasflaschen, die nach gezieltem Beschuss explodieren und hoffentlich den Gegner gleich mitnehmen. Wird es mal eng, nutzen wir die Dodge Funktion, um den fiesen Widersachern kurzzeitig auszuweichen.

Stossen wir auf eine Tür mit einer blauen Magie Markierung, sind wir vorerst sicher. Im Saferaum speichern wir unseren Fortschritt, legen überschüssige Gegenstände in die Truhe und studieren den Talentkoffer. Haben wir genügend Traumessenzen angehäuft, verbessern wir hier in drei Stufen z.B. unsere Feuerkraft, erhöhen die Wirkung der Heilmittel oder verteilen mehr Melee Schaden, falls unser Magazin leer ist.

Unsere Reise durch Arkham führt uns u.a. in ein zwielichtiges Hotel, ein gegnerverseuchtes Krankenhaus und einen miefigen Fischmarkt, bevor wir beim finalen Boss die Location wechseln. Für die Detektive unter euch, die gerne gefundene Dokumente analysieren und einordnen, steht der Kodex zur Verfügung, der euch zusätzliche Hinweise auf Lösungen für die vielen Umgebungsrätsel bieten.

Müssiggänger, die mehr Wert auf die Story als das Ballern legen, entscheiden sich für den Easy Mode, bei dem ihr sogar Unverwundbarkeit einstellen dürft. Für den Rest gibt es zwischen Normal, Schwer und Extrahart drei weitere Schwierigkeitsgrade. Ebenfalls könnt ihr auswählen, ob ihr die Rätsel einfacher oder etwas komplexer gestalten und lösen möchtet.
Fazit:
Bei The Sinking City 2 quillt die Resident Evil-Inspiration aus allen Poren. Als Fan der Serie war ich nach ein paar Minuten bestens vertraut mit Calvin's Mechaniken. Beim Herumsuchen und Rätseln kann man nicht viel falsch machen. In diesem Bereich liefert das Spiel problemlos ab. Etwas schwieriger verhält es sich mit unseren Schiesseisen. Mir fehlte beim Ballern die Wucht, denn aufgrund des schwammigen Trefferfeedbacks will nicht wirklich Freude auftreten. Zu mühsam ist das Anvisieren und wenn man nicht gezielt die Virusblasen trifft, hängt der Infizierte ganz schnell an Calvins Kehle. Die Schussmechaniken waren für mich ein Dämpfer bei der sonst soliden Präsentation. Und auch die Nahkampftalente stehen in keinem Vergleich zur imposanten Gegenwehr des Capcom Vorbildes. Ich hätte mir einen saftigen Frontkick gewünscht, denn der schwache Stampfer mag nicht so recht überzeugen. The Sinking City 2 möchte gerne mit den Grossen im Genre mitmischen, stolpert aber teilweise über die eigenen Füsse und bedient sich zu oft an der bereits bekannten Formel. Ein wenig mehr Eigenständigkeit hätte dem Spiel gut getan. Wer nicht auf den nächsten Resident Evil-Release warten kann, wird mit Calvin und Co. zwar nicht überglücklich, für einen schnellen Fix reicht die Reise durch die sinkende Stadt aber allemal.

The Sinking City 2 ist als Download für PC, PS5 und Xbox Series X|S erschienen. Eine Switch 2 Version soll 2027 nachgereicht werden. Wir haben das Spiel auf der PS5 getestet. Das Test-Muster stammt von Frogwares, wofür wir uns herzlich bedanken!







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