The(G)net Review: Toki
Alte Hasen dürften sich noch bestens an Toki erinnern. Der ebenso schräge wie knüppelharte Arcade Klassiker von 1989 liess uns als feuerspuckenden Affen durch eine prähistorische Welt voller Monster, Dinosaurier und anderer Abscheulichkeiten hüpfen. Ein einziger Treffer genügte, um ins Gras zu beissen, und der nächste Münzeinwurf war meist nur eine Frage von Sekunden. Rund 30 Jahre später lässt Publisher Microids den haarigen Helden im Remake wiederauferstehen. Doch macht das Affentheater heute noch genauso viel Spass wie damals?

Die Geschichte von Toki ist herrlich bekloppt. Unser Held war einst ein stattlicher Krieger, bis ihm der böse Zauberer Vookimedlo seine Angebetete Miho vor der Nase wegschnappte und ihn kurzerhand in einen ziemlich unansehnlichen Affen verwandelte. Natürlich lässt sich Toki das nicht gefallen und macht sich auf, seine Herzensdame zu retten und seine menschliche Gestalt zurückzuerlangen. Dummerweise ist unser pelziger Freund weder besonders schnell noch sonderlich widerstandsfähig. Dafür besitzt er eine ausgesprochen praktische Fähigkeit: Er kann Energiekugeln aus seinem Mund spucken! Damit ballern wir uns durch sechs abwechslungsreiche Levels, die mit allerlei Monstern, gemeinen Fallen und gigantischen Endgegnern vollgestopft sind.

Spielerisch ist Toki ein waschechter 2D Sidescroller der alten Schule. Wir laufen, springen, klettern und spucken uns durch Dschungel, Höhlen, Unterwasserlandschaften und andere exotische Schauplätze. Dabei wird uns praktisch im Sekundentakt irgendein Vieh vor die Nase gesetzt, das uns möglichst schnell ins Jenseits befördern möchte. Unsere Standardattacke besteht aus einem einzelnen Energiegeschoss, das wir horizontal oder diagonal abfeuern können. Unterwegs finden wir verschiedene Power Ups, welche die Feuerkraft verbessern oder uns zusätzliche Angriffsmöglichkeiten bescheren. Besonders amüsant sind die Turnschuhe, mit denen unser gemütlicher Primat plötzlich deutlich flotter unterwegs ist, sowie der American Football Helm, der zumindest kurzzeitig zusätzlichen Schutz bietet.

Die Levels sind abwechslungsreich gestaltet und überraschen immer wieder mit neuen Gegnern und Spielmechaniken. Mal müssen wir uns durch enge Passagen kämpfen, mal unter Wasser herumpaddeln oder uns mit einem Fluggerät durch feindliches Gebiet manövrieren. Langeweile kommt dabei kaum auf, zumal die teilweise bildschirmfüllenden Endgegner ordentlich Eindruck machen. Was uns allerdings schon nach wenigen Minuten auffällt: Toki ist noch immer ein verdammt harter Brocken! Ein Treffer, ein Fluch, ein Neustart! Wer mit modernen Plattformspielen aufgewachsen ist, dürfte beim Schwierigkeitsgrad zunächst ziemlich grosse Augen machen. Hier gibt es keine grosszügigen Energiebalken, keine automatischen Speicherpunkte im Minutentakt und schon gar keine schützende Hand, die uns nach einem Fehler wieder auf die Beine hilft. Ein einziger Feindkontakt genügt, und unser Affe segnet das Zeitliche.

Immerhin funktionieren Steuerung und Kollisionsabfrage erfreulich präzise. Toki reagiert zuverlässig auf unsere Eingaben, und wenn wir ins Gras beissen, liegt das meistens tatsächlich an unserem eigenen Unvermögen. Das macht die Sache zwar nicht weniger frustrierend, aber wenigstens wissen wir, bei wem wir uns bedanken dürfen. Wie schon beim Original führt der Weg zum Erfolg vor allem über das Auswendiglernen der Levels. Wer hingegen blindlings drauflosstürmt, wird ziemlich schnell zum Affenfutter. Drei Schwierigkeitsgrade sorgen immerhin dafür, dass sich die Herausforderung etwas anpassen lässt. Trotzdem bleibt Toki ein kompromissloses Arcade Erlebnis, das Geduld, gute Reflexe und eine gewisse Frustresistenz voraussetzt.

Die auffälligste Neuerung ist die komplett überarbeitete Optik. Statt grober Pixelgrafik erwartet uns eine liebevoll von Hand gezeichnete Comicwelt, die mit kräftigen Farben, detaillierten Hintergründen und herrlich überzeichneten Figuren begeistert. Besonders die Animationen unseres haarigen Helden sind gelungen. Toki schneidet Grimassen, reisst sein Maul auf und schaut bei seinen zahlreichen Bildschirmtoden herrlich dämlich aus der Wäsche. Auch die Gegner und riesigen Endbosse wurden mit viel Liebe zum Detail neu gestaltet. Verantwortlich für die grafische Überarbeitung zeichnet der französische Künstler Philippe Dessoly, der dem Arcade Klassiker einen eigenständigen, modernen Look verpasst hat. Zusammen mit dem neu arrangierten Soundtrack entsteht eine audiovisuelle Präsentation, die den Charme des Originals gekonnt einfängt, ohne dabei altbacken zu wirken.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Gerade in einigen dunkleren Abschnitten sind Plattformen und Hintergrundelemente nicht immer sauber voneinander zu unterscheiden. Besonders im dritten Level kann das zu unnötigen Fehlsprüngen führen. Und bei einem Spiel, in dem bereits ein einziger Fehler tödlich endet, ist das natürlich alles andere als ideal. Trotzdem gefällt uns die technische Umsetzung ausgesprochen gut. Schade nur, dass die Entwickler keine Möglichkeit eingebaut haben, zwischen der neuen Comicgrafik und der ursprünglichen Pixeloptik umzuschalten. Gerade für Nostalgiker wäre das ein echtes Schmankerl gewesen.
Fazit:
Toki ist eine gelungene Wiederbelebung eines ebenso kultigen wie gnadenlosen Arcade Klassikers. Die wunderschön gezeichnete Comicgrafik, die gelungenen Animationen und der neu arrangierte Soundtrack verpassen dem alten Primaten eine Frischzellenkur, ohne den Charme des Originals zu zerstören. Auch die präzise Steuerung und das abwechslungsreiche Leveldesign können noch immer überzeugen. Leider haben die Entwickler bei der Modernisierung konsequent auf zusätzliche Inhalte verzichtet. Sechs kurze Levels, drei Schwierigkeitsgrade und keinerlei nennenswerte Bonusmodi sind heutzutage einfach etwas wenig. Dazu kommt ein Schwierigkeitsgrad, der weniger geduldige Spieler ziemlich schnell zur Weissglut treiben dürfte. Für nostalgische Spielhallenveteranen ist Toki aber durchaus eine Reise wert.

Toki ist für PC, XBOX One, PS4 und Nintendo Switch erschienen. Wir haben uns das Spiel selbst gekauft und auf der XBOX One getestet.








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