The(G)net Review: Transport Fever 3
Fast sieben Jahre nach Teil 2 legt Urban Games aus Schaffhausen nach. Der dritte Teil verschlingt Abende wie eine Dampflok Kohle. Transport Fever 3 ist eine Miniaturwelt, in der ich mich stundenlang verloren habe, und die Kampagne hat richtig Charakter. Wer auf der PlayStation neu einsteigt, braucht allerdings Geduld, denn Tutorial und Menüs machen es einem nicht leicht.

Transport Fever 3 ist aufwendig, und es frisst Zeit. Beides meine ich als Kompliment. Ihr baut hier keine Städte, ihr verbindet sie: Wer die Leute zur Arbeit bringt und die Läden mit Ware versorgt, schaut zu, wie aus einem Kaff eine Stadt wird. Los geht es um 1900 mit Postkutschen für vier oder sechs Fahrgäste, und irgendwann stehen Schnellzüge, Helikopter und Frachttrams im Depot. Dazwischen liegen sehr viele Abende.

Im freien Spiel stellt ihr euch die Partie so zusammen, wie ihr sie haben wollt. Klimazone, Kartengrösse, Anzahl Städte und Betriebe, dazu das Startjahrzehnt irgendwo zwischen 1900 und 2030. Wer einfach bauen will, nimmt den Sandkasten ohne Geldsorgen. Gegner gibt es keine und einen Forschungsbaum auch nicht, neue Fahrzeuge tauchen auf, wenn ihre Zeit gekommen ist.

Das Herzstück für Einsteiger ist die Kampagne. Acht Missionen, schön gemacht und angenehm überschaubar, jede mit eigenem Schauplatz: Ihr rettet den Mardi Gras in New Orleans, karrt Nachschub ans Woodstock-Festival und landet am Schluss in einem Japan der Zukunft. Getragen wird das von den Figuren, die euch durch die Aufträge begleiten. Die sind richtig gut gelungen und haben mich an die Tycoon-Spiele von früher erinnert, bei denen einem ständig irgendein Berater ins Bild lief. In Norwegen zum Beispiel geht es ums Öl vor der Küste, und dort sitzt euch Astrid im Nacken. Sie arbeitet für die Konkurrenz und will die Bohrrechte genauso wie ihr, also wird aus dem gemütlichen Linienbau plötzlich ein Wettrennen um die ersten tausend Ladungen.

Umso stiller wird es danach. Ausserhalb der Kampagne spricht niemand mehr mit euch. Im freien Spiel gibt es Zahlen, Symbole und Meldungen, aber keine Stimme, die sich freut, wenn der erste Zug einfährt. Schade, denn gerade der Story-Modus zeigt, wie viel Leben ein paar gesprochene Sätze in so ein Spiel bringen. Den Vorgänger habe ich nicht gespielt, den Vergleich kenne ich also nur aus zweiter Hand. Eine Änderung fällt aber auch Neulingen auf, sobald man davon weiss: Neben einer Produktion braucht es keinen eigenen Halteplatz mehr. Die Betriebe haben ihre Laderampe eingebaut, die Linie führt direkt hinein, der Lastwagen lädt auf und fährt weiter. Das klingt nach wenig und erspart euch auf einer grossen Karte Dutzende Bauwerke. Wer die Ware auf Bahn, Schiff oder Flugzeug umladen will, braucht dafür weiterhin die passende Station.

Dafür ist die Fracht selber heikler geworden. Waren verderben unterwegs, Fahrgäste werden ungeduldig, und wer trödelt, verdient weniger. Lagerhäuser dienen als Drehscheiben, Fabriken legen zu, wenn ihr ihnen Arbeiter vor die Tür fahrt, und die Städte achten auf Lärm, Abgase und euren Ruf. Wer für ein Gleis ein Wäldchen umlegt, bekommt die Quittung. Dazu kommt mehr Unternehmens-Fführung: Betriebe und Städte schreiben Aufträge mit Prämie aus, und wer wächst, baut seinen Hauptsitz aus und schaltet damit Vorteile frei.

Jetzt zu dem Teil, der mich Nerven gekostet hat. Das Tutorial erklärt zwar sauber, wie eine Partie abläuft. Was es kaum erklärt, ist der Weg durch die Menüs. Wer das Spiel zum ersten Mal mit dem Controller spielt, bekommt einen Menüpunkt genannt und darf dann selbst herausfinden, wo er sich versteckt. Ich bin des Öfteren hängen geblieben, und zwar nicht an der Aufgabe. Die Steuerung selbst ist für Konsolenspieler gewöhnungsbedürftig. Intuitiv ist sie nicht und verklickt habe ich mich anfangs an der Tagesordnung. Es wird mit jeder Stunde besser, das schon. Die Menüführung und die Optionen bleiben auf der PS5 aber unübersichtlich und umständlich, und mehr als einmal habe ich mir eine Maus gewünscht.

Optisch ist Transport Fever 3 gelungen. Ihr könnt jederzeit hineinzoomen und zuschauen, wie die Leute an der Haltestelle warten und die Dampflok durchs Tal zieht. Überall steckt Liebe im Detail, und das Gefühl, einer kleinen Welt beim Arbeiten zuzusehen, ist in jeder Minute da. Dazu kommen der Wechsel von Tag und Nacht sowie das Wetter. Am Spiel ändert beides nichts, aber ein Sonnenuntergang über dem eigenen Bahnhof ist einer dieser Momente, in denen man das Pad kurz liegen lässt.

Gespielt habe ich auf der PS5 und es lief durchgehend sehr flüssig. Kein Stottern beim Zoomen, kein Frameraten-Einbruch, wenn die Karte voller wurde. Das ist bei einem Spiel, das so viel gleichzeitig berechnet, keine Selbstverständlichkeit. Die Musik ist ruhig und angenehm, genau richtig, um nebenher Gleise zu legen. Mit der Zeit merkt man allerdings, dass sich die Stücke wiederholen. Besser gefallen mir die Geräusche: Schiffe, Fahrzeuge und sogar die Leute auf der Strasse, das ist alles liebevoll gemacht.
Fazit:
Transport Fever 3 ist kein Spiel für zwischendurch. Es will Zeit, es will Aufmerksamkeit, und es gibt beides mit Zinsen zurück: als kleine, liebevoll inszenierte Welt, die läuft, weil ich sie zum Laufen gebracht habe. Die Technik auf der PS5 ist tadellos. Im Weg steht eine Bedienung, die mit dem Controller mehr Geduld verlangt, als sie sollte. Wer sich durchbeisst wird aber Spass an dieser Simulation haben und sollte sich die nächsten Wochenenden freihalten.

Transport Fever 3 ist für PC, XBOX Series und PS5 erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Unser Test-Muster stammt von Urban Games, wofür wir uns herzlich bedanken!








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