The(G)net Review: Valor Mortis
Von der Zukunft zurück ins Mittelalter. Nach den beiden hervorragenden Ghostrunner-Teilen schickt uns das polnische Entwicklerstudio One More Level in ihrem First Person Soulslike als Napoleons Fremdenlegionär aufs Schlachtfeld. Es wird blutig!

So schnell platzen Träume. Eigentlich hatte sich der britische Privatsöldner William seine kommenden Jahre anders vorgestellt. Ein paar Schlachten gewinnen, von Napoleon direkt ausgezeichnet und befördert zu werden und natürlich ganz vorne bei der Militärparade in Paris mitmarschieren. Stattdessen überschlagen sich die Ereignisse und William stirbt als Kanonenfutter auf dem Schlachtfeld. Doch statt vor den Himmelspforten aufzuwachen, befindet sich unser Held zwischen Dutzenden von Leichen. Opfer vom letzten Scharmützel.

Die Luft riecht nach Tod. Nachdem William wieder seine sechs Sinne beisammen hat, wird der Startschuss für Valor Mortis gesetzt. Wie wir schnell herausfinden, wurde das Land von einer finsteren Plage heimgesucht, die viele Menschen dahingerafft und einige in gefährliche Monstrositäten verwandelt hat. Irgendwie müssen wir hier raus, also nehmen wir die Beine in die Hand und ziehen los.

Ausgerüstet mit einem Standard-Säbel der Armee sowie der Renn- und Dash-Option machen wir uns auf die Suche, was das ganze eigentlich soll. Schon nach den ersten paar Metern versperrt uns ein durchgedrehter Söldner den Weg, den wir kurzerhand wegsäbeln. Seine Kollegen sind aber nicht weit. Mit unserem Schwert verteilen wir schnelle Stiche oder halten den Attack Button für eine Charge Move. Zudem können wir entweder ineffizient blocken oder wir parieren im richtigen Moment und erhöhen den Haltungsschaden unseres Gegenübers. Wie bei Fromsofts Sekiro muss zuerst die Leiste unter der Healthbar gefüllt werden, bevor wir einen saftigen Powerschlag austeilen, der die Feinde meistens über den Jordan schickt.

Wildes Draufhauen nützt in Valor Mortis wenig, denn erstens leert sich unsere Staminaleiste in Sekundenschnelle und zweitens verteilen unkontrollierte Hiebe kaum Schaden. Weichen wir kurz vor dem Impact aus, werden wir mit einem Perfect Dodge belohnt, der uns kurzzeitig erhöhten Schaden verteilen lässt. William ist zwar auch infiziert, der Virus will aber nicht so richtig ausbrechen. Eher das Gegenteil. Dank der Infektion verfügt er über magische Fähigkeiten. Kurz nach dem Start erhalten wir die Feuerfähigkeit. Wir zaubern mit unserer linken Hand einen Flammenteppich hervor und rösten damit unsere Gegner oder sengen spezielle Vorhänge weg, die uns den Weg versperren.

Unser Kampf Arsenal wird kurz darauf mit einer antiken Pistole vervollständigt. Denn die meisten Infizierten, egal ob Normalo-Lauch, Miniboss oder Levelkanzler verfügen über pestartige Beulen, die weggeschossen werden wollen. Treffen wir eines dieser Geschwüre, kappen wir stets eine gute Portion von der Lebensleiste. Resident Evil lässt grüssen.

Nach jedem Abschnitt passieren wir eine funkelnde Laterne, die wir als Checkpoint und Level Up Terminal missbrauchen. Hier investieren wir die gesammelten Seelen der weggebretzelten Feinde in den Fähigkeitenbaum, wo wir anfangs solche Dinge wie zusätzliche Gesundheit, erweiterte Stamina oder mehr Mana-Punkte vorfinden. Später schalten wir neue Perks wie den erhöhten Magieschaden, Bonus bei Crit-Hits oder mehr Melee-Power frei. Nicht vergessen dürfen wir die insgesamt 56 Ambers. Die verschiedenfarbigen Bernsteine lassen sich in maximal fünf Slots ausrüsten. So erhöht der eine unser Parierfenster, ein anderer fügt beim Trinken der Health Potion zusätzliche Manapunkte hinzu oder kann dank des Marksman's Bane sogar Gewehrkugeln parieren.

Nachdem wir uns im ersten Level warm pariert und uns mit den neuen Fähigkeiten vertraut gemacht haben, wartet mit dem ersten Boss der fürs Genre obligatorische Skillcheck. Hier müssen wir alle Register ziehen, damit wir die zwei Phasen des infizierten Lieutenants heil überstehen. Haben wir den Kampf gewonnen, schalten wir unseren Hub, eine alte Kirche, und die Schnellreise bei jeder Checkpoint-Laterne frei. Hier dürfen wir bei freundlichen NPCs unsere Waffen und Zauber upgraden. Die dazugehörigen Materialien finden wir in Kisten, knöpfen sie erledigten Feinden ab oder sammeln sie in den Nebenquests ein.

Wie es sich für ein ordentliches Soulslike gehört, verfügt Valor Mortis über nur einen Schwierigkeitsgrad. Alternativen werden keine Geboten. Verlieren wir sämtliche Seelen nach unserem Ableben bekommen wir sie erst wieder zurück, wenn wir sie beim Todespunkt einsacken. Dass die Ghostrunner-DNA auch in Valor Mortis schlummert, erkennt man an den später auftretenden Wallruns und der Grapple-Funktion, die beide gerne in regelmässigen Parkour-Abschnitten eingesetzt werden.
Wer sich mit William bis zum Schluss durch die Schlachtfelder Frankreichs schnetzeln will, muss etwa mit 20 Stunden bis zu den Credits rechnen.
Fazit:
Ich habe zwar keine Beweise, aber ich vermute stark, dass unsere Valor Mortis Freunde aus Polen zu der Fraktion Hardcoregamer gehören, wie ich mich selber einen schimpfe. Bei Valor Mortis stimmt Gameplay, Leveldesign, Präsentation und Umfang, wie ich es mir von vielen AAA-Spielen wünschen würde. Zudem spielt sich das Napoleon-Souslike fantastisch. Sicher, der Schwierigkeitsgrad ist knackig, da aber mittlerweile jedes zweite Spiel mit irgendeiner Pariermechanik um die Ecke kommt, gewöhnt man sich relativ rasch an die unkonventionelle Herangehensweise aus der Egoperspektive. Ich habe mich im Eingangstext absichtlich mit späteren Spielmechaniken zurückgehalten, weil noch einige Überraschungen auf William warten und ich nicht zu viel spoilern möchte, da die Ghostrunner-Erfinder bis zum Schluss immer noch einen draufsetzen. Die Balance zwischen harten Fights, fordernden Parkour-Segmenten und motivierendem Progressionssystem wurde auf den Punkt getroffen. Grosse Hänger sucht man vergebens. In einem vollgepackten Release-Jahr wie 2026 ist es schwer in meine persönliche Top 3 zu schlittern, Valor Mortis hat es aber mit Bravour geschafft.

Valor Mortis ist für PC, PS5 und XBOX Series erschienen sowie Teil des Game Pass. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Unser Test-Muster stammt von One More Level, wofür wir uns herzlich bedanken.








Kommentare