The(G)net Review: Aragami 2

2016 erschien mit Aragami ein Indie Spiel, dass uns vor allem ästhetisch faszinierte. Spielerisch war es aber höchstens «ok». Entwickler Lince Works aus Spanien verspricht im Nachfolger gerade in dieser Hinsicht Besserung und packt sogar noch einen KoOp-Modus oben drauf.


Aragami 2 Review Test Xbox Series

Beim Versuch, ein paar unschuldige Passanten zu retten, die vor einem Tempel von üblen Schurken abgeschlachtet werden, geraten wir selbst in einen Hinterhalt. Schwer verwundet und am seidenen Faden hängend müssen wir hilflos zusehen, wie unser Held getötet wird. Doch es ist nicht alles verloren, denn wir werden im Land der Geister wiedergeboren. Wir werden zu einem «Aragami», einem Schattenwesen, deren Seele nach dem Tod keine Ruhe findet. Fortan leben wir im Rashomon-Tal, einem geheimen Ort, wohin sich alle Aragami zurückziehen. Hier treffen wir auf einen alten, weisen Meister, der bereit ist, uns die Kampfkünste der Ninjas zu lehren. Denn um unsere Seele zu heilen und die Erlösung zu erfahren, müssen wir diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die für unsere Misere verantwortlich sind.


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Die ersten paar Missionen gestalten sich recht einfach, da man noch keinen Zugang zu den umfangreichen Fertigkeiten eines Meister-Ninjas hat. Diese werden erst im Laufe des Spiels durch gesammelte Erfahrungspunkte freigeschalten. Wer die Levels unentdeckt erledigt und möglichst nur die Zielpersonen eliminiert, erhält am meisten von der kostbaren Währung. Interessant ist, dass es während der Aufträge keine Ziel- und Wegemarkierungen gibt. Stattdessen nutzen wir unsere «Shadow Vision», um Gegenstände, Gegner und Ziele (selbst durch Wände hindurch) zu entdecken und später auch zu markieren (Upgrade).


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Ausserdem nutzen wir häufig den mächtigen «Shadow Leap». Das ist ein schneller Vorwärts-Dash, mit dem wir ungesehen kurze Strecken durch die Luft fliegen oder uns – ähnlich wie mit einem Enterhaken – auf entfernte Dächer oder Vorsprünge ziehen. Nach jeder Mission wird unsere Performance bewertet und wir kassieren je nach Leistung mehr oder weniger Erfahrungspunkte und Geld. Dann gehts jeweils zurück nach Rashomon. Das Tal dient als Hub, wo ihr mit anderen NPCs plaudert, den Schmied oder Händler für Upgrades besucht, euch neue Aufträge von der örtlichen Anschlagstafel abholt oder andere Mitspieler trefft. Die komplette Story-Kampagne kann nämlich zu dritt online gespielt werden, wobei jeder Spieler seinen eigenen Fortschritt behält (take that Ubisoft!). Crossplay zwischen Konsolen und PC wird ebenfalls unterstützt.


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Pazifisten nutzen Rauchbomben, Betäubungspfeile und temporäre Unsichtbarkeit, während offensivere Meuchelmörder mit Wurfsternen, Gift-Darts und Splitterbomben in die Schlacht ziehen. Die Ausrüstung wählt ihr vor jedem Einsatz aus einem umfangreichen Angebot neu. Ebenso wie die mystischen Siegel, die euch einen Bonus entweder auf Stealth, Angriff oder Rüstung gewähren. Der Einsatz von Fähigkeiten und Spezial-Angriffen leert die Stamina-Leiste, aber auch die lässt sich mit entsprechenden Upgrades erweitern. Nur die Shadow-Vision steht unbegrenzt zur Verfügung und zeigt später sogar versteckten Sammelkram an. Dazu gehören goldene Statuen und neue Blueprints für kosmetische Items wie Kopfbedeckungen, Brustpanzer, Beinkleider oder Schwerter.


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Für Aragami 2 hat sich Lince Works ein komplett neues Kampfsystem ausgedacht, das ein bisschen an Ghost of Tsushima erinnert. Prinzipiell ist es ein rhythmisches Spiel aus Blocken und Angreifen, was zunehmend die Ausdauerleiste leert, ohne welche Blocken oder Ausweichen nicht mehr möglich ist. Timing und Taktik im Kampf sind wichtig. Wer im genau richtigen Moment blockt, bringt sein Gegenüber ins Straucheln und sollte der nur noch sehr wenig Lebenssaft übrig haben, endet ihr sein Dasein mit einem brutalen Finisher. Mit solchen Moves geht Aragami 2 nicht zimperlich um. Ohne direkte Konfrontation macht das Spiel aber am meisten Laune, schliesslich sind wir Ninjas. Leider gibt es nur drei unterschiedliche Animationen für Stealth-Kills, befriedigend sind sie aber allemal.


Die Kampagne ist ziemlich umfangreich und beschäftigt euch gute 15 Stunden. Wer gerne Collectables sucht oder Achievements-/Trophies sammelt, darf sich ebenfalls freuen. Die sind ziemlich motivierend gestaltet. In den 10 Kapiteln besucht man einige Orte zwar mehrmals, oft erkundet man dann aber einen komplett neuen Teil der Karte, der zuvor durch eine schwarze Nebelwand unzugänglich war. Packend wird die Geschichte aber nicht erzählt oder inszeniert. Es gibt nur wenige Cut-Scenes und marginale Sprachausgabe. Meistens bekommen wir es mit simplen Textboxen zu tun.


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Absolut keinen Gefallen hat sich Lince Works bei der Gegnervielfalt und den Missionszielen getan. Ihr trefft auf gerade mal fünf unterschiedliche Baddies: Standard-Gegner, die ihren strikten Routen folgen, Typen mit Feuerbällen, die meistens von erhöhten Positionen aus grosse Gebiete überblicken, Typen mit Hut, die an ihren Plätzen verharren und sich selbst dann nicht weg bewegen, wenn ihr Geräuschmacher einsetzt. Gegen Ende des Spiels kommen noch die rotäugigen Berserker mit extralanger Lebensleiste und feindliche Ninjas hinzu. Die Missions-Ziele beschränken sich auf das Eliminieren oder Retten bestimmter NPCs oder dem Sammeln von Informationen und Items.


Technisch gibt sich Aragami 2 eher altbacken. Die Texturarbeit erinnert mancher Orts an frühe Playstation 2 Zeiten. Einige der Bewegungen sind sehr hölzern und manchmal abgehackt. Mehr als nur drei unterschiedliche Animationen für Stealth-Kills hätten es schon sein dürfen. Gerade Angriffe aus der Luft - die Shinobi Parade Disziplin - hätten davon profitiert. Trotz des optischen Minimalismus gehören Tearing und eine irreguläre Framerate selbst auf einer Xbox Series X zum Alltag.



Fazit:

Nach den ersten Trailern war ich überrascht, dass sich Aragami 2 eher an den letzten Tenchu Episoden orientiert, als an seinem eigenen Vorgänger. Für mich aber voll ok, dürstet es mich doch schon seit Jahren nach einem neuen Treffen mit Rikimaru & Co. Dass ich da nicht alleine bin, muss auch Lince Works gemerkt haben, denn Aragami 2 spielt sich tatsächlich genau so. Wenn sich etwas gegenüber dem Vorgänger verbessert hat, dann mit Sicherheit die Spielbarkeit. Schneller ist es geworden, mit mehr Action, mehr Moves, mehr Fähigkeiten und damit mehr Möglichkeiten, Gegner um die Ecke zu bringen. Davon abgesehen gibt's eine Reihe von Mängeln, ohne die Aragami 2 eben nicht einfach nur «ok», sondern ein richtig gutes Spiel hätte werden können. Das Missions-Design zum Beispiel. Person A töten und Item B finden ist nicht gerade das, was ich als einfalls- oder gar abwechslungsreich bezeichnen würde. Ebenso wenig die Tatsache, dass sich die fünf hirnlosen Gegnertypen im Spiel ständig wiederholen und höchstens farblich unterscheiden. Die bekloppte KI macht das Spiel viel zu einfach. Dass ich die unterschiedlichen Örtlichkeiten mehrfach besuche, hätte nicht sein müssen. Nach ein paar Stunden hat man das Gefühl, immer das gleiche am selben Ort zu tun. Gross angelegte Bosskämpfe? Fehlanzeige. Sprachausgabe abseits der mageren Cut-Scenes oder eine etwas schönere Optik? Näää... dafür Tearing und Ruckler selbst auf einer Xbox Series X. Uff, ganz schön viel Gemeckere hier, oder? Dass ich trotz dieser elend langen Liste viel Spass mit Aragami 2 hatte, überrascht euch sicher. Das liegt aber einfach daran, dass es sich wirklich vorzüglich spielt. Plus: Ich steh einfach auf Stealth-Games und bin insbesondere grosser Tenchu- und/oder Ghost of Tsushima-Fan. Setting und Spielbarkeit sind also genau meins und dank "Ninja-Samurai-Bonus" drücke ich da gerne mal beide Augen zu. Seht ihr das ähnlich wie ich, dann würde ich sagen: go for it!



Aragami 2 ist zur Zeit im Xbox Game Pass enthalten, weswegen wir kein Test-Muster benötigten und das Spiel auf einer Xbox Series X testen konnten. Aber auch Playstation- und PC-Spieler können sich das Spiel ab sofort gönnen. Nintendo Switch Fans müssen noch bis Ende 2021 Geduld haben.


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