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The(G)net Review: Clive Barker’s Hellraiser: Revival

vor 4 Stunden
5 Min. Lesezeit

Fast vierzig Jahre nach dem ersten Hellraiser Film bekommt Clive Barkers verstörendes Universum endlich ein eigenes Videospiel. Und erstaunlicherweise ist Clive Barker’s Hellraiser: Revival nicht irgendeine schnell produzierte Lizenzverwurstung, sondern eine erstaunlich respektvolle Adaption der Vorlage.


Clive Barker’s Hellraiser: Revival Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Mad Head Games und Saber Interactive verstehen ziemlich genau, was Hellraiser ausmacht. Hier geht es nicht einfach um Monster, Blut und billige Schockeffekte. Es geht um Obsession, Verlangen, Schmerz, Lust und um die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist zu gehen, um seine tiefsten Wünsche zu erfüllen.


Clive Barker’s Hellraiser: Revival Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Ich habe die rund zehnstündige Kampagne auf dem PC durchgespielt und war vor allem von der Atmosphäre begeistert. Spielerisch sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Hellraiser: Revival ist nämlich ein Spiel mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite steht ein visuell beeindruckender, kompromissloser Horrortrip, der Clive Barkers Universum erstaunlich gut einfängt. Auf der anderen Seite steckt darunter ein ziemlich konventionelles Survival Horror Gerüst, das längst nicht immer mit der starken Präsentation mithalten kann. Vorweg sollte man ausserdem wissen, worauf man sich einlässt. Gewalt, Gore, viel nackte Haut und explizite sexuelle Themen sind hier keine Randerscheinung, sondern fester Bestandteil des Spiels. Die Scharlachrote Kirche bewegt sich visuell und thematisch tief im BDSM Bereich.


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Im Mittelpunkt steht Aidan Lynch, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät, nachdem seine Partnerin Yoon Sun Hee, genannt Sunny, nach dem Öffnen einer mysteriösen Schatulle verschwindet. Aidan macht sich auf die Suche nach ihr und landet dabei immer tiefer in einer Welt, in der menschliche Begierden und übernatürlicher Horror miteinander verschmelzen. Die Grundidee klingt zunächst relativ klassisch, entwickelt sich jedoch schnell zu einer persönlichen Reise durch Aidans Vergangenheit und seine eigenen inneren Dämonen.


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Besonders angenehm ist, dass das Spiel nicht ausschliesslich auf Jumpscares setzt. Stattdessen nimmt sich die Handlung Zeit für ihre Figuren und ihre bizarre Welt. Dokumente, Aufzeichnungen und Hintergrundinformationen erzählen mehr über die Scharlachrote Kirche, ihren Anführer Marlowe sowie die Cenobiten. Wer sich Zeit nimmt und wirklich alles liest, bekommt deutlich mehr Hintergrundwissen geliefert. Natürlich erreicht die Story nicht immer die philosophische Tiefe von Clive Barkers ursprünglichem Werk. Manchmal möchte das Spiel den Spieler etwas zu offensichtlich schockieren. Trotzdem funktioniert die Geschichte überraschend gut und fühlt sich jederzeit wie ein echter Teil dieses Hellraiser Universums an. Und natürlich darf auch der berühmteste Bewohner dieser Welt nicht fehlen. Pinhead, der Priester der Hölle und seine Cenobiten haben einige starke Auftritte und werden erfreulich sparsam eingesetzt.


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Die grösste Stärke von Hellraiser: Revival ist ganz klar seine Atmosphäre. Mad Head Games hat die bizarre Bildsprache der Filme hervorragend eingefangen. Verfallene Villen, dunkle Keller, bizarre Tempel und groteske Dimensionen sehen teilweise aus wie lebendig gewordene Albträume. Besonders stark ist das Design der Cenobiten. Ihre Körper wirken wie makabre Kunstwerke aus Fleisch, Metall und Schmerz. Auch die Beleuchtung trägt viel zur Atmosphäre bei. Dunkle Räume werden nur von einzelnen Lichtquellen erhellt, während irgendwo im Hintergrund metallische Geräusche oder verstörende Stimmen zu hören sind. Einige Szenen bleiben tatsächlich länger im Gedächtnis. Besonders beeindruckend fand ich eine Sequenz in einem Club mit sadomasochistischer Ästhetik. Diese Szene bringt die verstörende Mischung aus Erotik, Gewalt und Wahnsinn perfekt auf den Punkt.


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Ebenfalls stark ist eine Passage, in der man sich in einer Hütte gegen mehrere Gegner verteidigen muss. Hier verwandelt sich das Spiel kurzzeitig in einen regelrechten Survival Horror Spiessrutenlauf. Spielerisch orientiert sich Hellraiser: Revival sowieso stark am modernen First Person Survival Horror. Munition ist knapp, Heilgegenstände ebenfalls und selbst Nahkampfwaffen halten nicht ewig. Dadurch wird fast jede Begegnung zu einer kleinen Risikoabwägung. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden kann eine einzelne verschwendete Kugel später unangenehme Konsequenzen haben. Zusätzliche Ressourcen lassen sich kombinieren, um Verbände, Munition und andere Gegenstände herzustellen. Das Crafting bleibt dabei angenehm simpel und zwingt einen dazu, die Umgebung gründlich zu durchsuchen. Eine nette Idee ist ausserdem eine geheimnisvolle Händlerin, die gelegentlich auftaucht und Gegenstände verkauft. Diese Begegnungen wirken fast wie kleine Verschnaufpausen innerhalb des Albtraums.


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Natürlich spielt auch die berühmte Schatulle eine zentrale Rolle. Die sogenannte Genesis Konfiguration verleiht Aidan im Laufe des Spiels verschiedene übernatürliche Fähigkeiten. Damit lassen sich Gegner unter anderem einfrieren, verbrennen oder mit verschiedenen Projektilen attackieren. Diese Kräfte werden nicht nur im Kampf eingesetzt. Einige Fähigkeiten benötigt man auch für Rätsel oder um bestimmte Bereiche der Umgebung zu manipulieren. Gerade in späteren Bosskämpfen macht das richtig Spass. Wenn Waffen, Nahkampf und übernatürliche Kräfte miteinander kombiniert werden, zeigt das Kampfsystem sein volles Potenzial.


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Leider gilt das nicht für alle Gameplay Elemente. Das berühmte Labyrinth gehört zu den interessantesten Bereichen des Spiel, verschenkt aber viel Potenzial. Vor allem die Verfolgungssequenzen wiederholen sich für meinen Geschmack zu häufig. Was beim ersten Mal noch spannend war, wird später zunehmend vorhersehbar. Rennen, Hindernissen ausweichen, Tür öffnen, nächste Passage. Auch die Rätsel hätten komplexer ausfallen dürfen. Viele Aufgaben beschränken sich darauf, Gegenstände einzusetzen oder bestimmte Formen beziehungsweise Mechanismen so lange zu manipulieren, bis sie passen. Gerade bei einem Spiel, dessen komplette Mythologie auf einer geheimnisvollen Puzzlebox basiert, hätte ich hier deutlich mehr erwartet.


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Das eigentliche Kampfsystem funktioniert ordentlich, fühlt sich aber nicht besonders modern an. Pistolen, Schrotflinten und andere Waffen erfüllen ihren Zweck, doch das Gunplay besitzt nicht ganz die Präzision oder Wucht, die man von aktuellen First Person Spielen gewohnt ist. Besonders in hektischen Situationen wirkt das Zielen etwas mühsam. Auch das Stealth System bleibt dank der "blinden" KI sehr einfach. Spannend wird das Spiel vor allem durch den ständigen Wechsel zwischen Kampf, Flucht und Wehrlosigkeit. Manchmal fühlt man sich mächtig. Wenige Minuten später steht man ohne Munition vor einem Cenobiten und möchte eigentlich nur noch davonrennen.


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Hellraiser: Revival bietet mehrere Schwierigkeitsgrade. Wer hauptsächlich die Geschichte erleben möchte, kann das Abenteuer relativ entspannt spielen. Wer dagegen das komplette Survival Horror Erlebnis sucht, sollte den Hellraiser Modus ausprobieren. Dort gibt es deutlich mehr Gegner, weniger Ressourcen und ein Speichersystem, dass gefundene Tokens vorausetzt, um speichern zu können. Ausserdem werden Checkpoints komplett deaktiviert. Das kann gnadenlos sein, passt aber hervorragend zur Grundidee des Spiels.


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Technisch lief Hellraiser: Revival erfreulich sauber und stabil und macht einen polierten Eindruck. Während des kompletten Durchgangs hatte ich keine Abstürze oder andere Probleme. Auch beim Sound macht das Spiel vieles richtig. Metallisches Knirschen, entfernte Schreie und subtile Hintergrundgeräusche sorgen dafür, dass man selbst in scheinbar sicheren Räumen ständig nervös bleibt. Ein kleiner Kritikpunkt betrifft allerdings die Lippensynchronisation. Gerade in einigen wichtigen Zwischensequenzen passen Mundbewegungen und Dialoge nicht immer sauber zusammen. Das zerstört die Atmosphäre zwar nicht, fällt aber auf. Ein Patch wird es vermutlich bald richten.



Fazit:

Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist genau das Hellraiser Spiel, auf das ich seit Jahrzehnten gewartet habe. Mad Head Games haben verstanden, dass diese Marke weit mehr ist als nur Blut, Ketten und Cenobiten. Die Mischung aus bizarrer Erotik, groteskem Body Horror, Survival Horror und psychologischem Wahnsinn ist gelungen. Vor allem Atmosphäre, Art Design und Sound gehören zu den grossen Stärken. Ich bin froh und zugleich überrascht, dass Publisher Saber Interactive den Entwicklern bei der expliziten Darstellung offenbar so grosse kreative Freiheiten eingeräumt hat. Man sollte nicht unterschätzen, wie kompromisslos das Spiel mit Gewalt und sexuellen Inhalten umgeht. Das hier ist Horror für Erwachsene und definitiv nichts für empfindliche Spieler. Einige Schauplätze sehen aus wie makabre Kunstinstallationen und manche Spiel-Szenen bleiben noch lange im Gedächtnis. Spielerisch erreicht Hellraiser: Revival dieses hohe Niveau allerdings nicht immer. Das Gunplay wirkt schwerfällig, Stealth Passagen bleiben simpel und die Verfolgungssequenzen nutzen sich deutlich zu schnell ab. Besonders schade finde ich die simplen Rätsel. Gerade bei einem Hellraiser Spiel hätte man mit der Puzzlebox deutlich kreativere Mechaniken entwickeln können. Trotzdem funktioniert das Gesamtpaket. Hellraiser: Revival ist düster, unangenehm, brutal, sexy und faszinierend. Fans der Filme dürfen sich endlich über eine Videospieladaption freuen, die Clive Barkers verstörendem Universum tatsächlich gerecht wird.


Clive Barker’s Hellraiser: Revival Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist für PC, PS5, XBOX Series und Nintendo Switch 2 erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf dem PC angesehen. Unser Test-Muster stammt von Saber Interactive, wofür wir uns herzlich bedanken!


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