The(G)net Review: Darwin's Paradox!
- Sascha Böhme
- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Darwin's Paradox! ist ein herrlich schräges Stealth-Abenteuer, das sich anfühlt wie ein Animationsfilm. Dass hinter ZDT Studio ausgerechnet Leute mit Erfahrung bei Arkane und Focus Home Interactive stecken, merkt man dem Spiel durchaus an. Das Debüt des französischen Teams ist kein prahlerisches Prestigeprojekt, sondern ein äusserst charmantes Abenteuer mit viel kreativer Eigenenergie.

Die Idee klingt schon auf dem Papier wunderbar absurd: Ein Oktopus als Held, der sich mit Tarnung, Tinte und Tentakelakrobatik durch eine feindliche Welt schlängelt, um nicht in der nächsten Alien Suppe zu landen. Das ist so bescheuert, dass es schon wieder brillant ist.

Darwin selbst ist dabei der unbestrittene Star dieser kleinen, wunderbar verdrehten Bühne. Er bewegt sich nicht wie ein typischer Videospielheld, sondern zieht, schiebt und schlängelt sich mit seinen Tentakeln durch die Umgebung, klebt an Wänden, hängt an Decken und huscht durch enge Passagen wie eine Mischung aus Solid Snake und Flutschfinger Toy. Meeresbiologieunterricht mit einer Überdosis Stilbewusstsein sozusagen. Allein diese Fortbewegungsart gibt dem Spiel ein ganz eigenes Gefühl.

Die Geschichte ist dabei herrlich cartoonhaft aufgezogen. Darwin wird aus seiner Unterwasseridylle gerissen und findet sich plötzlich in einer Welt wieder, in der ein dubioser Konzern namens UFOODS Oktopusse nicht gerade aus wissenschaftlicher Bewunderung einsammelt. Das Ziel ist simpel: überleben, fliehen und wieder zurück ins Meer kommen. Viel mehr braucht es auch nicht. Die Handlung funktioniert wie ein guter Animationsfilm, der charmant, skurril und stellenweise angenehm bissig ist. Dass dabei eine Alien Invasion als Hintergrund dient, macht das Ganze nur noch schöner.

Spielerisch lebt das Ganze von einer sauberen Mischung aus Erkundung, Plattforming, simplen, aber gut funktionierenden Rätseln und überraschend starken Schleichpassagen. Gerade Letztere gehören zu den besten Elementen des Spiels. Darwin kann sich tarnen, verstecken und an Gegnern vorbeischleichen, während Lichtkegel, feindliche Kreaturen und allerlei unangenehme Zeitgenossen nur darauf warten, ihn in eine Meeresfrucht mit tragischem Hintergrund zu verwandeln. Das erinnert stellenweise tatsächlich an Little Nightmares, nur mit etwas mehr Beweglichkeit und deutlich weniger existenzieller Depression. Die Stealth Momente sind spannend, weil sie nie zu schwerfällig wirken. Ja, man muss schon aufpassen, beobachten und im richtigen Moment handeln, aber das Spiel kippt nur selten in nervige Trial and Error Schikane ab.

Auch die Rätsel passen gut ins Gesamtbild. Kisten verschieben, Hebel aktivieren, Plattformen freilegen, neue Wege entdecken. Das ist nicht revolutionär, aber klug genug zusammengebastelt, um den Spielfluss aufzulockern. Die Balance zwischen Flucht, Tarnung und Tentakelturnen wird über die gesamte Spielzeit nahezu perfekt gehalten. Das klappt vor allem deshalb so gut, weil das Spiel seine Ideen nicht totreitet. Es bringt Mechaniken ins Spiel, nutzt sie sinnvoll und zieht weiter, bevor Langeweile aufkommt. Eine Eigenschaft, die heutzutage fast exotisch wirkt.

Besonders stark ist dabei die Inszenierung. Darwin's Paradox! sieht stellenweise wirklich so aus, als hätte jemand einen hochwertigen Animationsfilm spielbar gemacht. Die Figuren sind ausdrucksstark, die Umgebungen lebendig, und die ganze Präsentation hat genau diesen leicht überdrehten, liebevoll ausbalancierten Stil, der sofort hängen bleibt. Das Spiel weiss ganz genau, wann es süss sein muss, wann bedrohlich und wann einfach nur herrlich albern. Dass es auch noch ein paar nette Easter Eggs und kleine visuelle Gags zur Auflockerung gibt, ist ein toller Bonus.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Es gibt Momente, in denen man etwas zu oft scheitert, bevor klar wird, was das Spiel eigentlich von einem will. Manche Abschnitte verlangen mehr Präzision, als es die Steuerung zulässt. Und technisch läuft auf Konsole auch nicht jede Szene so geschmeidig, wie man es sich wünschen würde. Aber das sind eher Dellen im Lack als ein Motorschaden. Darwin's Paradox! bleibt über weite Strecken technisch und spielerisch so sauber, dass ich ihm die kleineren Stolperer erstaunlich leicht verzeihe.

Hinzu kommt, dass die kompakte Spielzeit von rund sieben Stunden eher hilft als schadet. Darwin's Paradox bleibt auf Kurs, verliert sich nicht in Füllmaterial und hört auf, bevor der Zauber verfliegt. In einer Zeit, in der viele Spiele unbedingt 80+ Stunden gross sein wollen, ist das fast schon eine kleine Wohltat.
Fazit:
Manchmal reicht ein blauer Oktopus! Darwin's Paradox! ist genau diese Art von Spiel, die ich in der Branche gerne wieder öfter sehen würde. Eigenständig, stilvoll, verspielt und mit vor allem mit genug Mut zu kreativen Ideen, um nicht bloss wie ein Algorithmus Liebling aus dem Baukasten zu wirken. Hier steckt richtig viel Liebe drin. Der blaue Krake hat mehr Persönlichkeit in nur einem Tentakel als so manche Triple-A Blockbuster Produktion. ZDT Studio legt mit seinem Erstling ein Debüt hin, das die Videospiele Welt für ein paar Stunden deutlich origineller macht. Und das ist am Ende mehr wert als die hundertste sterile Standardproduktion mit dickem Budget und null Seele.

Darwin's Paradox! ist für PC, PS5, Xbox Series X|S sowie Nintendo Switch 2 erhältlich. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro gespielt. Das Test-Muster stammt von Konami, wofür wir uns herzlich bedanken!



