The(G)net Review: Denshattack!
- Armin Medic
- vor 26 Minuten
- 5 Min. Lesezeit
Es gab mal einen Zeitraum, da waren Spiele wie Tony Hawk's Pro Skater und Jet Set Radio die absoluten Publikumslieblinge im Videospiel Zirkus. Diese Ära ist leider längst vorbei. Nun versucht das Indie Team Undercoders aus Barcelona diese alten Zeiten aufleben zu lassen. Doch statt Inline-Rollerskates oder Skateboard flippen wir mit futuristischen Lokomotiven im dystopischen Japan durch die Gegend. Macht euch auf die abgefahrenste Zugfahrt ever gefasst.

In Zukunft stecken die grössten Städte Japans unter einer Kuppel und sind mit einem unterirdischen Streckennetz verbunden. Der Smog hat überhand genommen und das Leben ausserhalb der Metropolen gilt nicht als die beste Existenz Option. Die Endzeit Dramaturgie scheint die Entwickler und unsere Protagonistin Emi aber wenig zu interessieren. Als selbsternanntes Ramen Delivery Girl liefern wir in unserer ersten Mission im ländlichen Nippon eine Portion Suppe aus. Aber statt Fahrrad oder Roller, krallen wir uns eine solide Elektro-Lok als fahrbaren Untersatz, den schliesslich verfügt das Land der aufgehenden Sonne über ein beinahe so dichtes Schienennetz wie der Weltmeister Schweiz.

Die Suppenlieferung dient jedoch nur als Aufhänger und Mini-Tutorial für eine noch vielschichtigere Abfahrt. Untermalt von einer kunterbunten Cel Shading Optik und pumpenden Beats erlernen wir die Grundfähigkeiten von Denshattack!. Da wir meistens in vollem Tempo durch die Pampa düsen, sollten wir als ersten Skill das Kurvenverhalten meistern. Denn sobald wir eine Biegung erreichen, werden wir mit einem Icon daran erinnert, dass wir per Schultertaste gegensteuern und den aufpoppenden Meter möglichst im grünen Bereich treffen sollten, da es uns ansonsten ein paar km/h kostet oder im schlimmsten Falle von den Schienen haut.

Ebenfalls sehr wichtig ist unser Horn. Etwaige Blockaden oder Weichen hupen wir von der Strecke. Immobile Objekte wie Prellböcke müssen aber übersprungen werden, da wir sonst ins temporäre Aus bugsieret und zum letzten Checkpoint degradiert werden. Ein richtiges Game Over existiert aber nicht und wir dürfen unendlich viele Versuche nutzen, bis wir den Endpunkt erreichen.

Wir überqueren eine demolierte Brücke und fliegen für ein paar Sekunden im freien Fall aufs nächste Gleis. Der perfekte Zeitpunkt, um mit ein paar Tricks unser Punktekonto aufzufüllen. Per linkem Analogstick vollführen wir unterschiedliche Jumps wie Ollies, Kickflips, Saltis, 360-Drehungen usw. Profis verketten mehrere Tricks und schrauben den Highscore weiter in die Höhe. Sobald wir zur Landung ansetzen, drücken wir den rechten Analogstick nach oben oder unten, um mit einem (Nose) Wheelie den Combo-Multiplier zu aktivieren. Ohne diese Manuals werdet ihr niemals den geforderten Missions-Score knacken. Aber Achtung, hier greift die High Risk-High Reward-Funktion. Haut es euch von den Schienen oder verpasst ihr das nächste Gleis, verliert ihr alle kumulierten Punkte, sofern der Combo nicht abgeschlossen wurde. In den ersten Levels wird euch das eine oder andere Missgeschick verziehen, in den späteren Kapiteln kann ein kleiner Fehler aber bereits die Goldmedaille kosten. Jedes Level verfügt über drei der eben erwähnten Edelmetall Auszeichnungen. Eine für den Highscore, eine für die Fahrzeit und die dritte für die Handvoll Collectibles wie Sprühdosen oder Maschinenteile. Bleibt ihr unter der gewünschten Performance, müsst ihr euch mit Bronze oder Silber zufriedengeben.

In den insgesamt neun Kapiteln werden wir regelmässig mit neuen Fähigkeiten belohnt. Wir grinden auf dicken Rails und versuchen unsere Balance zu halten, kapern die Monorail-Trasse als Verbindungsstück zum nächsten Streckennetz. Spezielle Schienetore lassen sich nur mit dem Zwei-Gleis-Grind öffnen und gegen Ende erhalten wir sogar noch eine Art Laser-Grapple Hook, mit der wir uns an speziellen Schienen hoch und runter ziehen können. Wir bekommen aber nicht nur neue Skills angeboten, sondern auch neue Züge samt dazugehöriger Lackierung, die wir nach unserem Gusto anpassen dürfen. Die fahrbaren Untersätze unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern schanzen uns jeweils einen positiven, wie auch negativen Perk zu, wie z.B. besseres Kurvenverhalten, doppelter Multiplier aber auch verkürzte Manual Zeit oder reduzierte Punkte Ausschüttung bei simplen Tricks. In unserer hauseigenen Garage werden die Loks parkiert und dürfen vor jedem Levelanfang ausgewählt werden.

Neben den normalen A-nach-B-Strecken werden wir auch mit Gatekeeper-Stages konfrontiert. Wir kommen dann erst weiter, wenn wir die vorgegebenen Challenges gemeistert haben. Im Multitrack-Abschnitt rasen wir durch ein dichtes Schienennetz und lösen drei bis vier uns auferlegte Aufgaben. Im Punktescore müssen wir eine bestimmte Anzahl an Tricks aneinanderreihen und im Race sollten wir uns auf das Siegertreppchen platzieren. Natürlich dürfen bei unserer durchgeknallten Zugreise auch die obligatorischen Level Bosse nicht fehlen, die uns mit einer dicken Lebensleiste ins Fahrwerk pfuschen. Dass natürlich auch eine Stippvisite mit einem Godzilla-Verschnitt nicht fehlen darf, macht im verrückten Japan Settinga absolut Sinn. Dazwischen treffen wir auf einen Haufen freundlicher wie auch feindlicher NPCs, die meistens mit kurzen Comic-Einspielern vor den Levels präsentiert werden.

Wichtige Story-Teile werden in knallbunten 3D-Cutscenes abgehackt. Wer sich nicht alle Tricks merken kann, konsultiert vor jeder Fahrt ein Glossar. Wir hatten bis zum finalen Kanzler mehr als 12 Stunden auf dem Tacho, aber längst nicht alle Stages auf Gold abgeschlossen. Für dieses Unterfangen dürft ihr gerne nochmals die gleiche Spielzeit drauflegen.
Fazit:
Schon nach dem ersten Trailer auf der letztjährigen Gamescom stach mir das durchgedrehte Spiel ins Auge. Und mein Gespür hat sich wieder einmal bestätigt. Denshattack! ist eine absolute Bombe. Die spanischen Entwickler haben sich enorm ins Zeug gelegt und den letzten Tropfen Kreativität aus dem hervorragenden Fun-Titel gepresst. So viel Spass und Aha-Momente hatte ich schon lange nicht mehr. Angefangen von der superben Optik und dem tollen Soundtrack überzeugt die wilde Eisenbahnfahrt durch eine astreine Steuerung. Besonders in den Endlevels wird eure Reaktionszeit auf die harte Probe gestellt und man sollte alle Mechaniken und Fähigkeiten gemeistert haben, damit man erfolgreich die Ziellinie überquert. Und das klappt nur, wenn man auf Zack ist und in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung trifft. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad ab der Hälfte merklich anzieht, bleiben die harten Challenges fair. Ein besonderes Lob muss ich für die Level Struktur aussprechen. Wer nicht alle Medaillen in einem Run abholt, kann sich dank unendlicher Replays auf die jeweils einzelnen Teile wie Zeitlimit, Punkte Score und Collectibles separat konzentrieren. Am besten, neben den abgefahrenen Endbossen, gefielen mir aber die bizarren Ausgüsse, die regelmässig eingestreut werden. Wir kapern mit unserem Zug ein Riesenrad und nutzen es als Sprunghilfe für im Weg stehende Brücken, schnappen uns eine Yacht und surfen kurzzeitig auf einer Riesenwelle oder reiten einen Riesenhai und regeln ein paar Probleme am Meeresgrund. Das hier ist eine richtig geile Sause, von der sich ein Grossteil der Konkurrenz in Sachen Kreativität eine dicke Scheibe abschneiden sollte. Denshattack! und Zugführerin Emi haben sich damit bereits in meine Top 3 des Jahres 2026 gefahren. Tschüh, tschüh!

Denshattack! ist als Download für PC, PS5, Xbox Series und Nintendo Switch 2 erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der Switch 2 gespielt. Unser Test-Muster stammt von Fireshine Games, wofür wir uns herzlich bedanken!



