The(G)net Review: Fatal Frame 2: Crimson Butterfly Remake
- Armin Medic

- 17. März
- 5 Min. Lesezeit
Als 2003 Koei Tecmo den Nachfolger des eigensinnigen Geister-Adventures veröffentlichte, war die Game Presse begeistert. Zu recht. Denn mit dem innovativen Kampfsystem und der düsteren Atmosphäre wollte man Branchengrössen wie Resident Evil und Silent Hill zeigen, dass auch der Ninja Gaiden-Entwickler im populären, aber hart umkämpften Survival Horror Genre mitmischen kann.

Die Zwillinge Mio und Mayu wollen ein letztes Mal in bewaldetes Tal wandern gehen, bevor die Natur einem Staudammprojekt weichen muss. Als kleine Kinder besuchten die Schwestern gerne das schmucke Plätzchen, wo Mayu bei einem Sturz den Knöchel brach und seitdem leicht gehbehindert durchs Leben humpelt. Als Mayu beim Waldspaziergang gedankenverloren einem purpurrotem Schmetterling - dem namensgebenden Crimson Butterfly - folgt, nimmt die Misere ihren Lauf.

Die Zwillinge landen plötzlich in einem verwunschenen Dorf, dem Minakami Village und können die Häuseransammlung nicht mehr verlassen. Es gilt nun einen Weg heraus zu finden. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht haufenweise Geister durch das Tal ziehen würden. Dazu ergänzte Koei Tecmo das Remake mit ein paar Neuerungen, um unser Überleben etwas einfacher zu gestalten.

Was in den ersten Minuten auffällt ist, dass man sich für die 3D-Optik der Wii-Version entschieden hat und die vorgerenderten Räume aus der PS2-Ära fallen liess. Zudem verfügen wir über eine zusätzliche Ausdauerleiste, mit der wir unseren brandneuen Ausweich-Move, zackigen Sprint und mächtigen Special Shot bezahlen. Da unsere beiden Teenager jeweils knapp 40 kg wiegen, kann davon ausgegangen werden, dass Mio und Mayu nur über begrenzte bis gar keine Kampffähigkeiten verfügen. Doch ganz so hilflos wie das Duo erscheint, ist es nicht.

Mio, unsere Hauptakteurin und alte Knipserin, nutzt ihren Fotoapparat, die "Camera Obscura", um bösartige Geister und aggressive Phantome auszuschalten. Wir können uns in der Hocke anschleichen und hoffen, dass wir nicht entdeckt werden. Sind wir nahe genug an unserem Widersacher dran, schiessen wir los. Steppt ein aggressiver Geist in unser Blickfeld, zücken wir die Kamera, halten drauf, schauen, dass die Visage des Feindes im Fokus liegt und drücken ab. Je nach Winkel und Nähe ziehen wir dem nervigen Phantom ein gutes Stück Toten-Energie ab, bis wir nach ein paar weiteren Knips-Attacken siegreich aus dem Kampf hervorgehen.

Zu Beginn verfügt unsere Kamera über einen simplen Film und einen Standardfilter. Nach einem kurzen Cooldown ist der Film aufgeladen und wir erhalten die Chance für den nächsten Schuss. Später finden wir nicht nur stärkere Filme mit unterschiedlichen Attributen wie Ladezeit, Reichweite und Schaden, sondern zusätzliche Fotofilter, die zwei Aufgaben übernehmen. Erstens lassen sich je nach gewählter Linse unterschiedliche Umgebungsrätsel lösen und zweitens verleiht jeder Filter noch zusätzliche Angriffbuffs. Sammeln wir nämlich genügend Gebetsperlen ein, die sich überall in den 9 Kapiteln verstecken, lassen sich im Upgrade-Menü noch einige Parameter aufwerten. Wir erhöhen die Fokus Spots, um mehr Schaden zu generieren, erweitern die Menge an Filmen, die wir mittragen dürfen, verschnellern die Reloadzeit, aktiveren einen Zoom oder verstärken unseren Super Shot.

Und hier müssen wir noch kurz auf das Fotosystem eingehen. Bei den Konfrontationen ist es sehr wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und im richtigen Moment abzudrücken. Treffen wir den Geist mit vollem Fokus, haben wir einen Fatal Frame ausgeführt und der Kollege kommt ins Torkeln. Nun können wir beim nächsten Foto den Super Shot ausführen, der uns überraschenderweise keinen Film kostet, aber dafür die Stamina Bar leert. Ein fairer Preis für massig Schaden. Es kann aber noch besser kommen. Warten wir den korrekten Moment ab, erhalten wir zusätzliche Shots, die uns bis zu zwei zusätzliche Gratis-Fotos bescheren.

Im Gegensatz zum Original schraubte man die Aggressivität der Geister hoch. Zusätzlich können sich die Phantome optional pro Kampf einmal heilen. Wer nicht schnell genug die Geister von ihrem Leid erlöst, bekommt es nach der Gesundheits-Auffrischung mit einer etwas stärkeren Version des Feindes zu tun. Ein wichtiger Aspekt bei Fatal Frame 2 ist auch die Bindung der Zwillinge. Solange Mayu sich in unserer Nähe befindet, sollten wir sie an die Hand nehmen. Das vermindert ihren Humpelgang, und solange wir Händchen halten, füllt sich unsere Gesundheitsbar kostenlos auf und sie ist zudem vor bösen Phantom Angriffen geschützt.

Wichtig ist, dass ihr bei einem Ghost-Fight eure wehrlose Schwester im Auge behält. Denn erleidet sie zu viel Schaden, gilt dies als automatisches Ticket ins Game Over. Aber nicht alle Geistwesen wollen euch an den Kragen. Regelmässig treffen wir auf friedliche Zeitgenossen, die mit einem blauen Blinken des Screens angekündigt werden. Hier heisst es schnell die Kamera zücken und einen Schnappschuss ergattern. Als Belohnung wandern Fotopoints auf unser Ingame-Konto. Diese nutzen wir, um das Heiltränke Inventar zu erweitern oder kaufen uns ein paar Charms, die uns jeweils zwei Zusatzfähigkeiten, wie weniger Stamina-Verbrauch oder mehr Schaden mit einem bestimmten Filter zuschanzen. Die Charms lassen sich zudem auf verschiedenen Stufen aufleveln.

Da Mio und Mayu das eine oder andere Mal gerne ins Game Over wandern, speichern wir bei den grösszügig verteilten Strassenlaternen und orientieren uns an der simplen Umgebungskarte, die uns sogar Items und Savepoints anzeigt. Denn auch wenn das Village nicht allzu gross erscheint, benötigen wir mindestens 12 Stunden, um durch das Dorf zu irren und schlussendlich zu entkommen. Nach dem ersten Durchlauf erhalten wir zum NG+ auch noch den vierten Schwierigkeitsgrad. Deluxe Version und Early Purchase Set-Besitzer freuen sich zum Spielstart über alternative Kostüme.
Fazit:
Das Horror-Adventure um die beiden Zwillinge kann auch 23 Jahre nach dem Original Release mit kleinen Abstrichen überzeugen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich neidisch auf die PC-Version mit ihren nativen 4K schiele und etwas bestürzt den PS5-Vergleich ziehe. 60fps gut und recht, aber einen Performance- und Quality-Option sollte 2026 schon Standard sein. Somit wirkt die Optik auf Sonys Kiste reduzierter und ist meiner Meinung nach etwas zu schwächer ausgeleuchtet als die PC Fassung. Ich rate sowieso an, das Spiel im abgedunkelten Zimmer zu spielen und die Grafik-Settings wie Kontrast und Helligkeit nach oben zu schrauben. Denn auch wenn Mio meistens über eine Taschenlampe verfügt, sind ein paar Szenen so extrem düster, dass man ganz genau hinschauen muss, wo es lang geht. Die Rätseldichte kann nur als "kompakt" bezeichnet werden und besteht mehrheitlich aus Schlüssel Suchen, Item lokalisieren und Foto Puzzle lösen. Am meisten Freude machte mir das "Kampfsystem". Ich würde es als FPS mit Taktik-Elementen bezeichnen. Schnelle Reaktionen, aber trotzdem gut vorgeplant, ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Besonders im letzten Drittel knipste ich die Gegner so hart ins Aus, da wäre selbst der grösste Paparazzi neidisch geworden. Fatal Frame 2: Crimson Butterfly verspricht gruselige Stunden im Japano-Look und wer sich nach Resident Evil Requiem noch mehr Survival-Horror wünscht, kann sich dieses Remake gleich mal auf die Liste setzen.

Fatal Frame 2: Crimson Butterfly ist für PS5, Xbox Series, Switch 2 und PC erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Das Testmuster stammt von Koei-Tecmo, wofür wir uns herzlich bedanken!







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