The(G)net Review: Ghost of Yotei: Echoes of Sekigahara & Most Wanted
Es gibt zwei gute Gründe für die Rückkehr nach Ezo. Beide Inhalte dieser kostenpflichtigen Erweiterung sind Bestandteil der Ghost of Yotei: Complete Edition. Besitzer der Standard-Edition können sich auch das "Complete Edition Upgrade Paket" für CHF 15.- im PlayStation Store kaufen. Was ist drin und lohnt sich das überhaupt? Wir klären auf.

Mit Echoes of Sekigahara und Most Wanted liefert Sucker Punch nun gleich zwei Erweiterungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während die eine Atsus Vergangenheit weiter beleuchtet, konzentriert sich die andere fast vollständig auf das hervorragende Kampfsystem. Echoes of Sekigahara wird erst nach einigen Stunden in der Hauptgeschichte freigeschaltet, während Most Wanted direkt über das Hauptmenü gestartet werden kann.

Echoes of Sekigahara
Die Story-Erweiterung führt Atsu in die neue Region der Ashoro Ausläufer. Dort trifft sie auf Nagato, einen ehemaligen Weggefährten aus ihrer Vergangenheit und offenbar weit mehr als nur einen alten Kameraden. Gemeinsam versuchen die beiden, Lord Saitos Armee wichtige Ressourcen zu entziehen und gleichzeitig mit einer Gruppierung namens "Die Vipern" aufzuräumen. Dabei rückt zunehmend die gemeinsame Vergangenheit von Atsu und Nagato in den Mittelpunkt. Kurze spielbare Rückblenden führen zurück zur Schlacht von Sekigahara und zeigen, wie sich zwischen den beiden einst eine Beziehung entwickelte. Nagato begleitet Atsu während eines grossen Teils der Hauptmissionen und greift aktiv in die Kämpfe ein. Besonders praktisch ist seine Unterstützung beim Einsatz des Bogens. Während Atsu einen Gegner ins Visier nimmt, kann Nagato einen zweiten ausschalten, wodurch sich einige herrlich inszenierte Doppelkills ergeben.

Auch während direkter Kämpfe mischt er mit, obwohl sein Einfluss dort eher überschaubar bleibt. Immerhin beschäftigt er Gegner und verschafft Atsu gelegentlich den nötigen Freiraum. Neu sind ausserdem schwere Einwegwaffen wie gewaltige Äxte oder Keulen. Diese werden von bestimmten Gegnern fallengelassen oder stehen in Kampfarenen bereit. Eine Revolution des Kampfsystems sollte man nicht erwarten, aber es macht schlicht Spass, einem schwer gepanzerten Samurai eine gigantische Keule um die Ohren zu hauen.
Atsus Wolfsbegleiter spielt ebenfalls eine grössere Rolle. Mein Wolf tauchte bei vielen grösseren Kämpfen auf, um mich zu unterstützen. Eine Nebenaufgabe rund um den Wolf belohnt Atsu mit einer neuen Rüstung. Damit lässt sich eine ihrer Ghost-Fähigkeiten so verändern, dass Wölfe herbeigerufen werden, um Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Spielerisch ist das nett. Thematisch passt es sogar noch besser. Atsu ist in dieser Erweiterung also längst nicht mehr vollkommen allein unterwegs und beginnt langsam wieder, Bindungen zu anderen und ihrer Umgebung aufzubauen.

Zwischen den Kämpfen nimmt sich Echoes of Sekigahara erstaunlich viel Zeit für ruhigere Momente. Atsu und Nagato unterhalten sich während längerer Passagen, erklimmen gemeinsam Felsen oder bewegen sich durch die offene Landschaft. Gerade hier zeigt Ghost of Yotei erneut seine grösste visuelle Stärke. Die Ashoro Ausläufer gehören zum optisch schönsten Gebiet des gesamten Spiels.
Die monumentalen Kulissen vermitteln immer wieder ein beeindruckendes Gefühl für Grösse. Der unverkennbare Einfluss klassischer Samurai Filme bleibt ebenfalls allgegenwärtig. Die neue Region bietet zudem verschiedene Nebenaufgaben. Viele davon folgen bekannten Mustern: Banditen beseitigen, Samurai bekämpfen oder Dorfbewohner retten. Immerhin werden diese Aktivitäten sinnvoll mit dem Wiederaufbau und der Verteidigung der Region verbunden.

Nach rund sieben bis acht Stunden ist Echoes of Sekigahara weitgehend abgeschlossen.
Most Wanted
Wer einfach kämpfen möchte, dürfte mit dem neuen Most Wanted Modus besonders glücklich werden. Der verzichtet vollständig auf Story, Erkundung und Stealth. Stattdessen warten sechs Kopfgeldjagden, bei denen mehrere Gegnerwellen und Minibosse überstanden werden müssen, bevor das eigentliche Ziel auftaucht. Das Entscheidende dabei: Ein Kopfgeld muss innerhalb eines Durchlaufs erledigt werden. Scheitert ihr, beginnt der Versuch erneut. Gegner greifen hier teilweise in deutlich grösseren Gruppen an als im Hauptspiel und wer einfach nur wild mit dem Katana um sich schlägt, landet schnell im Staub. Rauchbomben, Feuerbomben, Fernkampfwaffen und Spezialangriffe werden plötzlich enorm wichtig. Bogenschützen sollten möglichst früh ausgeschaltet werden, während grössere Gruppen geschickt kontrolliert werden müssen.

Zur Auswahl stehen Atsu, Oyuki, Nagato und Jin Sakai. Alle Charaktere besitzen unterschiedliche Ausrüstung und Fähigkeiten. Atsu setzt beispielsweise auf zwei Katanas, Bogen und Pistole, während Oyuki mit Kusarigama, Muskete und Kunais kämpft. Das bekannte Prinzip verschiedener Waffen gegen unterschiedliche Gegnertypen einzusetzen bleibt erhalten. Da nicht jeder Charakter für jede Situation optimal ausgerüstet ist, muss man häufiger improvisieren und die Umgebung sowie herumliegende Waffen nutzen. Besonders schön ist die Rückkehr von Jin Sakai. Der Held aus Ghost of Tsushima spielt sich praktisch genauso wie damals. Seine verschiedenen Kampfhaltungen erlauben schnelle Wechsel zwischen unterschiedlichen Gegnertypen und sorgen dafür, dass sich Jin trotz der gemeinsamen Grundmechanik spielerisch deutlich von Atsu unterscheidet. Für Fans des Vorgängers ist das weit mehr als nur ein Nostalgiebonus.

Zwischen den einzelnen Runden lassen sich zufällige Buffs auswählen. Zur Wahl stehen jeweils drei Verbesserungen, die zusätzliche Waffen oder spezielle Effekte freischalten. So können Gegner beispielsweise vergiftet oder in Brand gesetzt werden. Andere Fähigkeiten lösen nach Kopfschüssen automatisch Rauchbomben aus oder versetzen Gegner nach einer perfekten Parade in Angst. Und genau hier entfaltet Most Wanted seinen grössten Reiz. Nach einer Niederlage ertappt man sich erstaunlich schnell bei dem Gedanken: Noch ein Versuch!

Perfekt funktioniert das Ganze allerdings nicht. Bei grossen Gegnergruppen zeigt das Zielsystem gelegentlich Schwächen. Da Ghost of Yotei ohne klassisches Lock-On auskommt, greift Atsu manchmal den falschen Gegner an. Besonders nach einer perfekten Parade kann das ärgerlich werden, wenn der entscheidende Folgeangriff plötzlich beim falschen Samurai landet. In längeren Bosskämpfen kann ein solcher Moment durchaus einen kompletten Durchlauf ruinieren.
Fazit:
Echoes of Sekigahara erweitert Atsus Geschichte um eine persönlichere Seite und liefert mit Nagato einen interessanten neuen Gefährten. Dazu kommt eine neue Region, die abermals eindrucksvoll zeigt, wie fantastisch Sucker Punch japanischen Landschaften inszenieren kann. Most Wanted konzentriert sich dagegen kompromisslos auf eine der grössten Stärken des Spiels: das Kampfsystem. Die fordernden Gegnerwellen, unterschiedlichen Charaktere und zufälligen Verbesserungen sorgen für genau diesen motivierenden "nur-noch-ein-Versuch-Effekt". Vor allem die Möglichkeit, wieder mit Jin Sakai in den Kampf zu ziehen, dürfte Fans von Ghost of Tsushima freuen. Wer Ghost of Yotei bereits mochte, bekommt hier letztlich eine gelungene Erweiterung und einen hervorragenden Grund, das Katana noch einmal aus der Scheide zu ziehen.

Ghost of Yotei: Complete Edition ist exklusiv für PS5 erhältlich. Wir haben das Spiel sowie die Erweiterung auf der PS5 Pro getestet. Unser Test-Muster stammt von Sony Interactive Entertainment, wofür wir uns herzlich bedanken!








Kommentare