The(G)net Review: Guardians of the Galaxy

Nach den abgeschmierten Avengers, holt Square Enix die nächste Heldentruppe aus der Schublade. Doch statt Games-as-a-Service-Grind und Mikrotransaktionen-Overkill gibt es ein waschechtes Single Player-Adventure rund um Star Lord & Co.


Guardians of the Galaxy Game Test Review PS5 Xbox Series X

Selbst als Halbgott kann man in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Besonders, wenn man des galaktischen Hausfriedensbruchs in einer verbotenen Quarantänezone angeklagt und von der Intergalaktischen Gendarmerie Nova Corps zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wird. Ist die Busse nicht in einem gewissen Zeitraum beglichen, wandern Groot, Drax, Gamora, Rocket und Peter Quill schnurstracks ins Kittchen. Nach einem kurzen Kassensturz ist die Sache klar: Raus ins Weltall, um die benötigten 70.000 Space Dollars aka "Units" irgendwie zusammenzukratzen.


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Wir übernehmen die Rolle von Star Lord, der Rest der Truppe folgt uns stets als hilfreiche NPC-Sidekicks. In der Grundausrüstung feuert Peter beidhändig mit seinen Laser Blastern auf allerlei Aliengesocks. Im Nahkampf zieht er den Spitzbuben mit einer flotten Faustcombo den Scheitel stramm, dasht aus der Gefahrenzone und benutzt seine Raketenstiefel als Doppeljump- oder Hover-Alternative. Mit der zusätzlichen Elementar-Munition greift ihr im Laufe der Story auf Eis- und Shock-Schuss und zwei zusätzliche Varianten zurück, die im späteren Spielverlauf freigeschalten werden. Denn gewisse Feinde lassen sich nur in Kombination mit Elementarschaden und Laserbeschuss beseitigen.


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Steckt Star Lord in der Zwickmühle (und hat er mit den Erfahrungspunkten jene zuvor freigeschaltet) aktiviert Quill temporäres Dauerfeuer, sekundenlanges Hovern oder den Eye of Hurricane, bei dem umliegende Schurken mit Granaten geröstet werden. Wer die fiesen Schurken genügend malträtiert, wird mit einem saftigen Finisher belohnt. Peters Freunde werden über ein Befehlsmenu gesteuert. Drax haut ganze Gegnerwellen um, Gamora schlitzt sich durch die Gegner als wären sie Butter, Groot lähmt kurzzeitig die Angreifer und Rocket sorgt für einen Granatenspass. Nach einer kurzen Abklingphase stehen die Fähigkeiten unseres Teams erneut zu Verfügung.


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Die unterschiedlichen Skills werden auch für kleine Rätselaufgaben genutzt. Drax platziert z.B. schwere Steinblöcke, damit Gamora einen höher gelegenen Seilknoten durchschneiden kann, Rocket hackt Terminals und kriecht in kleine Schlupflöcher. Groot bildet gerne eine Astbrücke, damit der Rest unbeschadet über den gähnenden Abgrund gelangt. Hauptsächlich reist ihr in den 16 Kapiteln auf unterschiedliche Planeten oder Raumstationen, scannt mit eurem Visor die Gegend nach nützlichen Infos, kämpft euch durch lineare Levels mit kleineren Abzweigungen, an deren Ende ihr meistens Loot, neue Kostüme oder Infofiles findet.


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Habt ihr genügend Devisen und Materialien gesammelt, verarbeitet ihr diese auf der Werkbank, um hilfreiche Zusätze wie erhöhte Lebensenergie, schnelleres Abklingen der Elementar-Shots oder den Chargeschuss zu erlangen. Als kleiner Gag hat Eidos die Huddle-Option implementiert. Per Knopfdruck ruft ihr während eines Gefechts das gesamte Team zum kurzes Motivationsmeeting zusammen. Wer die richtige Anfeuerungsoption im Dialogmenu wählt, verpasst der gesamten Gang einen Schadensboost. Irrt ihr euch aber bei der korrekten Wortwahl, gibt's das kurzzeitige Extra nur für Star Lord.

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Auch in den Cutscenes und Einspielern habt ihr vielfach die Wahl den Ausgang eurer Konversation per simpler Antwortmöglichkeit zu steuern. Das ändert zwar nichts an der Story, lockert aber die minutenlangen Dialoge etwas auf. Zusätzlich grätscht gelegentlich der eine oder andere QTE ins Geschehen. In Sachen Widersacher wurde alles rekrutiert, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Schleimige Einzeller, zähnefletschende Alienmonster, Roboter, Space Söldner und anderer Weltraumunrat halten euch auf Trab, bis sie von Mini- und Endbossen abgelöst werden.


Im musikalischen Bereich werden wir logischerweise mit vielen Rock- und Pop-Hits aus denn 80ern zugeballert. Die jüngere Generation dürfte anhand von Titeln wie The Final Countdown von Europe oder Wake me up before you gogo von Wham! nur ungläubig denn Kopf schütteln, zum Spiel passt es jedoch perfekt. Jetzt wisst ihr, wie es mir damals mit der nervenden Dauerbeschallung aus dem Radio erging. 😅


Die wilde Achterbahnfahrt mit den Guardians dauert übrigens zwischen 15 - 20 Stunden.



Fazit:

1:0 für die Galaxienwächter! Die flotte Weltraumbande zeigt Thor & Co. wo spieltechnisch der Hammer hängt. War Avengers noch irgendwas zwischen Zähneziehen und Kreislaufbeschwerden, ist Guardians of the Galaxy ein geiler Partyabend mit alten Freunden. Es war die richtige Entscheidung auf den Multiplayerkram zu verzichten, um sich nur auf die Story und das süffisante Gameplay zu konzentrieren. Und siehe da, es hat alles geklappt. Das dauerquasselnde Quintett überzeugt mich nach zwei tollen Hollywood Auftritten nun auch im polygonlastigen Bereich der Videospiele. Der Drauhaufhumor passt wie die Faust aufs Auge. Guardians of the Galaxy schaffte es mir ein paar gute Lacher zu entlocken. Grafisch, besonders in Sachen Texturtiefe und monumentalem Space Setting, werden alle Register gezogen (PS5 / Xbox Series X) und das Gunplay macht richtig Laune. Ab und zu herrscht ein wenig Chaos, wenn gefühlt 20 Gegner gleichzeitig angreifen. Dies wird aber mit der üppigen Bewaffnung und den Spezialfähigkeiten problemlos ausgeglichen, auch wenn Star Lords Meleeattacke ein bisschen hölzern und lasch ausfällt.


Guardians of the Galaxy nimmt sich selbst nicht zu ernst und das ist auch gut so. Verbessern würde ich nicht viel. Ich hätte die oft leeren Gänge und Levelteile mit ein wenig mehr Gegnern gewürzt, statt nur auf feste Arenaareale zu setzen und die Cutscenes kürzer gehalten. Ein Bugfestival wie bei den Avengers sucht man vergebens. Nur mit Star Lords Hipsterfresse kann ich mich immer noch nicht anfreunden. Er sieht mit seiner Föhnfrisur im Gegensatz zu seinem Film-Pendant eher wie ein Instagram-Influencer aus. Ich werde es aber überleben, da ich den ballerfreudigen Anführer meistens nur von hinten sehe. Also wenn Square/Eidos in Zukunft weiter diesen Qualitätsstandard beibehält, dann hätte ich nix dagegen, auf Solo- oder CoOp-Varianten von den X-Men, Fantastic Four und weiteren Marvel-Nasen und wer weiss, vielleicht bekommt sogar Insomniac dann bald ernsthafte Konkurrenz.



Wir haben Guardians of the Galaxy auf PS5 getestet. Hier wählt ihr zwischen einem 4k/30fps Qualitäts-Modus oder dem 1440p/60fps Performance Modus. Das Spiel ist auch für Xbox Series X|S, Xbox One, PS4 und PC erhältlich. Das Test-Muster stammt direkt von Eidos, vielen Dank!


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