The(G)net Review: In Sound Mind

Der beste psychologische Horror zielt immer darauf ab, uns an unbequeme Orte zu führen, die Fassade der Normalität einzureissen und uns zu zwingen, die dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche zu erkunden. In Sound Mind unternimmt dahingehend einen ehrlichen und aussergewöhnlichen Versuch.


In Sound Mind Test Review Xbox Series PS5

In diesem 1st Person Horror-Spiel folgen wir Desmond Wales. Der versucht gerade nicht seinen eigenen Verstand zu verlieren, denn er befindet sich in einer äusserst misslichen Lage. In einem heruntergekommenen Kellergewölbe aufgewacht, ohne sich daran zu erinnern, wie er hier her kam, werden ihm schon bald zwei Dinge klar. Erstens: Er wird von etwas Unheimlichem verfolgt und Zweitens: die Realität, in der er sich befindet, hat frappierende Ähnlichkeit mit den geschilderten Erinnerungen eines seiner Patienten. Desmond ist nämlich Therapeut, der sich mit der Psyche der Menschen auseinandersetzt.


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Nachdem unser Psychodoc ein wenig im verlassenen Gebäude herumgeschnüffelt und einige Stockwerke erkundet hat, findet er ausgerechnet hier auch sein Büro, das ab sofort als eine Art Drehscheibe fungiert. Von hier aus führen eine Reihe beleuchteter Türen an die Wohnorte - oder vielmehr in die Köpfe - seiner früheren Patienten. In den Albtraumwelten finden wir Tonbandaufnahmen von Sitzungen, die sie mit Desmond abgehalten haben und die er in seinem Büro abspielen kann. Die Tonbänder führen dann jeweils in die Psyche seiner Patienten, wo sich deren Probleme und Krankheiten als Monster manifestierten.


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Was das Gameplay angeht, so hält In Sound Mind in typischer Horror-Manier die Balance zwischen Rätseln und Kämpfen. Das Spiel glänzt vor allem mit rasanten Physikrätseln. Wir manipulieren Zugwagen, um schwere Türen zu öffnen oder weichen einem riesigen Roboter aus, während wir krampfhaft versuchen, eine Gondel zu starten. In solchen Abschnitten zeigt sich die Inspiration der Entwickler durch Half Life, was nicht verwunderlich ist, da sie mit Source-Mods zu eben diesem Spiel viel Erfahrung gesammelt haben. Nicht alle Puzzles sind jedoch einfallsreich. Sicherungen oder Computer-Chips zu suchen, um die Stromversorgung wieder herzustellen, ist nicht gerade originell.


Das Gleiche gilt für die Kämpfe, die sich vor allem gegen Standardgegner selten spannend oder fesselnd gestalten. Die Endgegner sind da weitaus packender, da jeder von ihnen eine konstante, greifbare Bedrohung in dem von ihm bewohnten Level darstellt. Meist muss man ihnen erst mehrfach entkommen, bis man das Wissen besitzt, wie man sie endgültig besiegen kann.


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Ein Paradebeispiel dafür ist das zweite Tonband, in dem sich die lähmende Angst vor der Dunkelheit eines Patienten in "The Shade" manifestiert - ein Pool der Dunkelheit, der alles in seinem Radius verschluckt, Lichtquellen aber nicht ausstehen kann. Die Herausforderung, Lichter zu manipulieren, um einen Weg zu schaffen, der gegen die Anziehungskraft des Schattens immun ist, ist eine gleichermassen eine angespannte wie spannende Angelegenheit, die durch das regelmässige Auftauchen kleinerer Feinde getrübt wird. Anstatt Instanzen wie diese mit Gegnern zu übersättigen, die oft nur lästig sind, wäre es viel besser gewesen, sich mehr auf den eigentlich Bosskampf zu konzentrieren. Alternativ dazu hätte mehr Zeit zum Erkunden und Eintauchen in die Atmosphäre dem unheilvollen Charakter des Spiels gut getan.


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Agent Rainbow, der Hauptantagonist, ist bemerkenswert, da er die Rolle eines allgegenwärtigen Stalkers übernimmt, der uns direkt beobachtet, ähnlich wie G-Man aus Half Life, aber mit einer unheimlicheren Aura. Er taucht von Zeit zu Zeit auf, um uns über günstig platzierte Telefone, handgeschriebene Notizen und manchmal auch persönlich zu verhöhnen, bevor er sich wieder in Luft auflöst. Diese Momente sorgen für ordentlich Hühnerhaut und ab und zu für eine gewisse Leichtigkeit, der auf der Angeber-Attitüde des Antagonisten aufbaut und erkennen lässt, wie viel Spass er daran hat, mit uns zu spielen.


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Die grössten Stärken von In Sound Minds liegen in der Erzählung und in der thematischen Darstellung von Geisteskrankheiten und tiefer Schuld. Ich bewundere die Fähigkeit von We Create Stuff, sich sensiblen und ernsten Themen im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit mit echter Empathie zu nähern. Das Spiel zitiert öfters das "Jungsche Konzept des Schattens" und die unbekannte dunkle Seite der menschlichen Persönlichkeit. Jeder von Desmonds Patienten hat einen Schatten, der sein Leben in Beschlag nimmt und mehr von seinem Geist fordert, als er handhaben kann. Einer ringt mit überwältigenden Wutproblemen und einer sich daraus ergebenden toxischen Männlichkeit, während ein anderer mit seiner posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen hat. Schwierige Themen, die in einem Videospiel eher selten aufgegriffen werden.



Fazit:

In Sound Mind versucht, die dunkelsten Ecken der menschlichen Psyche zu beleuchten und führt den Spieler oft an unangenehme Orte, was mich persönlich sehr fasziniert. Die spielerische Umsetzung der eher schwierigen Thematik gelingt den Entwicklern aber nur bedingt. Es ist ein wenig enttäuschend zu sehen, dass In Sound Mind nicht ganz über die veralteten Horrortropen hinausgeht, obwohl es das Potenzial dazu hätte. Allzu oft scheitert man an einem Mangel an fokussierter Struktur und lässt sich zu lange Zeit, endlich auf den Punkt zu kommen. Es spielt und experimentiert dafür mit vielen Gameplay Elementen, die Desmonds albtraumhaftes Abenteuer von Anfang bis Ende durchaus fesselnd gestalten. Die Rätselkomponente überwiegt und das ist gut so, denn die funktioniert hier am besten. Technische Unzulänglichkeiten legen euch aber öfters Steine in den Weg und wirklich gruselig ist es in meinen Augen auch nicht.



Wir haben In Sound Mind auf Xbox Series X getestet, es ist aber auch für PS5 und PC veröffentlicht worden. Die Nintendo Switch-Version folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Das Test-Muster stammt direkt von Publisher Modus Games, vielen Dank dafür!



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