The(G)net Review: LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters
- Sascha Böhme
- vor 36 Minuten
- 5 Min. Lesezeit
Batman existiert seit fast 90 Jahren und wirkt dennoch so zeitlos wie kaum ein anderer Superheld. Auch in Videospielen blickt der Dunkle Ritter auf rund 40 Jahre Geschichte zurück und war auf nahezu jeder Plattform vertreten. In LEGO-Form kennt man ihn zwar bereits, doch so umfassend wie in LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters wurde seine Legende bislang kaum aufgearbeitet.

Wenn ein Batman-Spiel mit „Kiss from a Rose“ von Seal eröffnet, ist die Richtung klar: Hier wird nicht nur mit Nostalgie gespielt, hier wird sie regelrecht zelebriert. Abgesehen vom starken VR-Ableger Batman: Arkham Shadow mussten Fans lange auf ein Videospiel warten, das dem Dunklen Ritter wieder wirklich gerecht wird. Arkham Knight ist auch schon wieder 11 Jahre alt und ob die Gerüchte um ein neues klassisches Arkham-Kapitel stimmen, bleibt weiterhin offen. Unterdessen hat Rocksteady die Gelegenheit genutzt um TT Games bei der Rückkehr nach Gotham zu unterstützen.

Ein Spiel zu entwickeln, das grosse Teile der vielfältigen Batman-Geschichte miteinander verbindet, ist eine enorme Herausforderung. Schon innerhalb der Comics wäre das ein gewaltiges Unterfangen. Wenn zusätzlich nahezu alle Kinofilme seit Tim Burton, Anspielungen auf die TV-Serie der 60er-Jahre sowie Referenzen auf weitere Filme und Videospiele einfliessen sollen, droht schnell ein überladener Cocktail. Doch genau dieser kreative Schwindel entwickelt hier eher den Reiz einer Achterbahnfahrt.

In den rund 23 Stunden, die ich für die Hauptgeschichte benötigt habe, verging kaum eine Minute ohne ein Augenzwinkern, ein Zitat, ein Easter Egg oder eine liebevolle Hommage. Das Gotham City aus The Dark Knight Rises wird zur Bühne eines vielschichtigen Batman-Multiversums, in dem verschiedene Filmversionen des Helden, bekannte Sidekicks und zahlreiche ikonische Schurken in rascher Folge aufeinandertreffen. Dabei arbeitet das Spiel mit Montagen, Perspektivwechseln und erzählerischen Kniffen, bei denen man zwar gelegentlich ein Auge zudrücken muss, die aber fast immer charmant umgesetzt sind.

Zu den stärksten Elementen zählen die gelungene (englische) Synchronisation und der Soundtrack. Besonders die Einbindung des ikonischen Danny-Elfman-Themas sowie „Partyman“ von Prince, das unweigerlich an Jack Nicholsons Joker erinnert, sorgt für starke Batman-Momente. Auch die Besetzung ist ein Fest für Fans. Nicholsons Joker wandelt sich in Richtung Heath Ledger, Robin entwickelt sich zu Nightwing und macht später Platz für Batgirl. Unterschiedliche Alfred-Versionen stehen den blockigen Batman-Interpretationen von Keaton, Bale, Clooney und Affleck zur Seite, während Catwoman in Kostümen auftritt, die an Michelle Pfeiffer, Halle Berry, Zoë Kravitz und Anne Hathaway erinnern. Dazu kommen Lucius Fox mit deutlichen Morgan-Freeman-Anleihen, Commissioner Gordon im Stil von Gary Oldman und viele weitere Figuren. Die Liste ist lang, und sie wächst mit jedem Kapitel.

Ähnlich üppig fällt die Auswahl an Fahrzeugen, Kostümen und Sammelinhalten aus. In der erweiterbaren und anpassbaren Batcave warten zahlreiche Batmobile sowie freischaltbare Outfits, die über Missionen, Nebenaufgaben oder spezielle Händler erworben werden können. Die Menge an freischaltbaren Inhalten ist beachtlich. Im Unterschied zu vielen früheren LEGO-Spielen gibt es diesmal allerdings nur sechs spielbare Charaktere. Diese reichen jedoch aus, um sämtliche Geheimnisse aufzudecken. Wer das Spiel vollständig abschliessen möchte, kann mit rund 40 bis 50 Stunden Spielzeit rechnen.

Das Grundgerüst klassischer LEGO-Spiele ist weiterhin klar erkennbar: Erkunden, Sammeln, Rätsel lösen, zerstören, bauen und freischalten. Dieses Fundament wurde nun jedoch mit Elementen der Arkham-Reihe kombiniert und spürbar modernisiert. Besonders auffällig ist die enorme Zahl an Animationen, die TT Games für die einzelnen Charaktere erstellt hat. Viele davon sind spielerisch nicht relevant, aber sie verleihen den Figuren Persönlichkeit und zeigen, mit welcher Liebe zum Detail das Studio nach Gotham zurückgekehrt ist.

Die Open World ist in mehrere Bezirke unterteilt, die sich nach einigen Spielstunden zur freien Erkundung öffnen. Viele Aktivitäten sind allerdings an bestimmte Charaktere oder deren Fähigkeiten gebunden. Es empfiehlt sich daher, der Hauptgeschichte zumindest bis zum dritten Kapitel zu folgen, bevor man sich ausgiebig den Nebenmissionen widmet. Batman bleibt dabei stets die zentrale Figur, während der jeweilige Begleiter situationsabhängig gewechselt werden kann. Gordon nutzt etwa eine Schaumkanone, mit der sich Wasser-, Säure- oder Schlammströme stoppen lassen. Robin und Nightwing aktivieren mit ihren Waffen bestimmte Mechanismen, während Batgirl Computersysteme hackt. Auch die Batcave selbst hält zahlreiche Geheimnisse bereit, die sich erst nach und nach erschliessen, sobald weitere Charaktere und Ausbaumöglichkeiten freigeschaltet wurden.

Im Kampf orientiert sich das Spiel deutlich an der Arkham-Reihe. Man merkt, dass hier Rocksteady ihre Finger im Spiel hatten. Sobald Auseinandersetzungen beginnen, zoomt die Kameraraus, um Übersicht zu schaffen. Symbole über den Köpfen der Gegner zeigen Angriffe an, während Combos, Konter, Ausweichmanöver und Spezialattacken den Rhythmus bestimmen. Das System wirkt dynamischer und griffiger als in vielen früheren LEGO-Titeln. Trotzdem bleibt auch dieses LEGO-Spiel sehr zugänglich. Die Reihe war nie für eine hohe Schwierigkeit bekannt, und Das Vermächtnis des Dunklen Ritters bildet hier keine Ausnahme. Gerade deshalb fehlt den Kämpfen, inklusive Bossduellen, gelegentlich die Spannung. Wer mehr Herausforderung sucht, sollte direkt im Dark-Knight-Modus starten. Dieser entfernt in den meisten Missionen die unbegrenzten Leben, erhöht die Gegnerzahl und macht Konfrontationen spürbar fordernder. Der niedrige Schwierigkeitsgrad ist also weniger ein Fehler als vielmehr ein typisches Merkmal der Reihe.

Auch bei der Vielfalt der Inhalte zeigt sich das Spiel stärker als viele frühere LEGO-Ableger. Die Nebenaktivitäten sind abwechslungsreich, häufig charmant inszeniert und stellenweise sogar angenehm knifflig. Besonders die Rätsel des Riddlers und des Cluemasters bieten einige gelungene Ideen. Die erzählerischen Verknüpfungen sind teilweise sehr gewagt und dürften nicht jedem Batman-Puristen gefallen. Wer sich dem Spiel jedoch mit strenger Kanon-Erwartung nähert, wird dem Konzept kaum gerecht. Das Vermächtnis des Dunklen Ritters versteht sich nicht als definitive Batman-Erzählung, sondern als spielerische Feier des gesamten Batman-Mythos.

Einige Schurken hätten dennoch mehr Raum verdient. Manche Storypassagen und Figurenentwicklungen wirken etwas gehetzt. Dazu kommt eine Begleiter-KI, die gelegentlich im Weg steht oder nicht immer sinnvoll reagiert. Im lokalen Koop-Modus fällt dieses Problem freilich kaum ins Gewicht, doch genau hier zeigt sich auch der grösste Schwachpunkt: Ein Online-Koop fehlt erneut. Dass TT Games diese Funktion weiterhin ausspart, ist mittlerweile fast Tradition, bleibt aber 2026 umso mehr enttäuschend.

Auf PS5 bietet das Spiel die üblichen zwei Grafikmodi: "Realismus" für höhere Detailqualität und "Leistung" für eine höhere Bildrate. Ich habe mich für den Realismus-Modus entschieden und kann mich über die technische Umsetzung kaum beklagen. Das Abenteuer lief weitgehend flüssig. Nur vereinzelt kam es zu kleineren Rucklern. Glitches, bei denen der aktive Charakter kurz hängen blieb, werden wohl bald noch rausgepatcht. Der DualSense wird zumindest teilweise eingebunden. Über den Lautsprecher laufen beispielsweise die Funkdialoge. Bei den adaptiven Triggern und weiteren Controller-Funktionen wäre allerdings mehr möglich gewesen, insbesondere bei Rätseln und Kämpfen.
Fazit:
Die Verbindung aus klassischem LEGO-Gameplay, einer Open World und den Arkham-inspirierten Mechaniken gibt der LEGO-Formel genau den Schub, den sie dringend gebraucht hat. Das Spiel ist frisch, charmant, umfangreich und voller liebevoller Details, die Batman-Fans immer wieder zum Schmunzeln bringen. Aber nicht alles ist perfekt. Die Geschichte hetzt gelegentlich, manche Figuren bleiben dadurch etwas blass. Die Begleiter-KI könnte zuverlässiger sein und der fehlende Online-Koop ist ein unnötiger und ärgerlicher Makel. Trotzdem überwiegt der positive Eindruck. LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters ist ein unterhaltsames, überraschend ambitioniertes Batman-Abenteuer und eines der besten LEGO-Spiele seit langer Zeit.

LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters ist für PC, PS5, Xbox Series X|S und Switch 2 erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 Pro angesehen. Das Test-Muster haben wir uns selbst gekauft.



