The(G)net Review: Life is Strange: Reunion
- Andy Meier
- vor 1 Minute
- 3 Min. Lesezeit
Max ist, wie im Vorgänger angekündigt, zurück auf dem Campus. Dieses Mal trifft sie auf eine alte Bekannte: Chloe ist ebenfalls mit von der Partie.

Gefühlt habe ich Double Exposure erst gestern fertig gespielt, in Wahrheit sind bereits wieder nahezu zwei Jahre ins Land gezogen. Der direkte Vorgänger von Reunion fühlte sich aber auch an, als hätte ich mich ein Jahr damit beschäftigt. Die langweiligen Charaktere, langgezogene, grösstenteils belanglose Dialoge und die abstrusen Shape Shifting Fähigkeiten ihrer neuen Kollegin Safi, das fühlte sich alles mehr wie Arbeit als Spiel an.

Wieso Deck Nine also genau den schlechtesten Teil der Serie mit einem Nachfolger ehrt, muss man eher nicht verstehen. Tatsächlich schliesst Reunion direkt an den letzten Aufenthalt rund um die Caledon Universität an. Liebgewonnene (und langweilige) Charaktere wie Moses oder Safis Mutter inklusive. Max ist jetzt als Fotografie-Lehrerin an der Uni zugange und wir als Spieler schlüpfen dabei in ihre zweifelhaft interessante Rolle. Wenig überraschend passiert schnell einiges auf dem Campus, das Max zum Handeln zwingt. Dadurch erweckt sie die altbekannte Zeit-Zurückdreh-Fähigkeit mittels Polaroid-Fotos wieder.

Daneben spielen wir die, wie durch ein Wunder (oder zusammengeschmolzene Paralleluniversen) wiederbelebte Chloe. Die ist in seltenen Fällen besonders redegewandt, hat ansonsten aber keine magischen Fähigkeiten. Das Life is Strange Universum ist mir spätestens seit dem letzten Teil sowieso schon abgehoben genug. In meinem allerersten Life is Strange Spiel wurde Chloe für das Überleben von Arcadia Bay geopfert, nun kehrt sie aufgrund eines "billigen Tricks" zurück - das packt mich nicht. Wer die Vorgänger nicht kennt, wird sich mit diesem Titel noch schwerer tun, da jegliche, möglicherweise vorhandene emotionale Bindung fehlt.

Neu-Spieler fühlen sich dafür von Deck Nine nicht gänzlich veräppelt. Die Entwickler haben die langweiligste, weil unnötig weitläufige Umgebung fast komplett für Reunion recycelt. Wieder latsche ich gefühlt endlos über das Uni-Gelände, immer auf der Suche nach der nächsten Labertasche, die eine Interaktion fürs Weiterkommen fordert. Oder natürlich für das nächste, abseits vom Achievement sinnlose, Foto von Umgebung und/oder deren Bewohner.

Was bleibt ist die namensgebende Reunion von Max und Chloe. Diese wurde, wie schon erwähnt, ziemlich fadenscheinig ermöglicht und wirkt daher auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Das Spiel ist am stärksten, wenn die beiden Freundinnen zusammen interagieren. Weitere Spielinhalte existieren wie von der Serie gewohnt nicht: Laufen, Quatschen, Fotos machen, Zeit zurückspulen, Entscheidungen treffen.
Fazit:
Wer mich nicht kennt, könnte nach diesem Test die Frage aufwerfen, wieso ich Life is Strange überhaupt angehe. Die Antwort ist einfach: Ich liebe solche Story-Games und benötige kaum Gameplay, um mich bestens unterhalten zu fühlen. Gerade diese Woche habe ich mit dem Durchspielen von TellTales Walking Dead: The Final Season meinen gar nicht mal so grossen Game-Pile of Shame abgearbeitet. Mit dem Unterschied, dass es sich eben nicht wie Arbeiten angefühlt hat, mehr wie eine der richtig guten, unterhaltsamen Walking Dead Episoden. Grund dafür ist, dass TellTale es tunlichst verhindert hat, endlosen und bedeutungslosen Leerlauf ins Spiel zu integrieren. Zudem ist mir persönlich die Life is Strange Serie zu abgedreht geworden: Paralleluniversen, Shape-Shifting, Zeit zurückdrehen, geht’s noch? Die Serie hat sich inzwischen weit vom sehr guten ersten Teil entfernt. Empfehlen kann ich den Titel eigentlich nur Die-Hard-Fans des direkten Vorgängers. Wer sich nicht über dessen schwachen "Cast" geärgert hat, freut sich vielleicht über das Wiedersehen mit den Leutchen aus Caledon. Für mich war’s, wie schon bei Double Exposure, mehr ein Durchhalten, deren leider zu oft uninteressanten und in die Länge gezogenen Gespräche anzuhören. Zumindest haben die Entscheidungen etwas mehr Tragkraft als noch beim Vorgänger. Wäre das Spiel um die Hälfte gekürzt und dafür mehr auf die Hauptstory fixiert, hätte ich mich besser unterhalten gefühlt.

Life is Strange: Reunion ist für PS5, Xbox Series X|S und PC erhältlich. Wir haben das Spiel auf der Xbox Series X getestet. Das Test-Muster stammt von Square Enix, wofür wir uns herzlich bedanken!



