The(G)net Review: Mixtape
- Sascha Böhme

- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Stand by Me war sicherlich einer dieser Filme, von denen sich Johnny Galvatron, Gründer von Beethoven & Dinosaur und Leiter von Mixtape, inspirieren liess. Mixtape ist ein Spiel, dass eigentlich gar kein Spiel ist, sondern vielmehr ein gefühlvolles, interaktives Musical über drei Freunde, die gemeinsam eine letzte Teenie-Nacht verbringen, bevor das Erwachsenenleben sie verschlingt.

Im Zentrum von Mixtape stehen die drei Jugendlichen Stacey, Cassandra und Slater. Stacey zieht bald weg, weshalb den Freunden nur noch ein letzter gemeinsamer Tag bleibt. Ein Tag, an dem sie neue Erinnerungen schaffen, alte Momente wieder aufleben lassen und noch einmal alles auskosten wollen, was ihre Freundschaft ausmacht. Besonders brav sind die drei dabei allerdings nicht. Cassandras Vater, ein Polizist, beschreibt sie nicht ganz zu Unrecht als Delinquenten. Sie feiern, trinken, rauchen, treiben Unsinn und leben für den Moment. Vor allem aber leben sie für die Musik.

Der Titel ist dabei Programm: Mixtape ist ein Spiel, in dem der Soundtrack beinahe die Rolle einer vierten Hauptfigur übernimmt. Stacey hat eine musikalische Sammlung zusammengestellt, die jeden Abschnitt dieses letzten gemeinsamen Tages begleitet. Jedes Kapitel besitzt dadurch seinen eigenen Song und eine klar erkennbare Stimmung. Wer ein Herz für Musik der 80er und angrenzender Epochen hat, dürfte hier bestens bedient werden. Mit Künstlern und Bands wie Joy Division, The Smashing Pumpkins, Roxy Music, Iggy Pop oder Siouxsie and the Banshees entsteht ein zeitloser Soundtrack, der nicht nur nostalgisch wirkt, sondern die einzelnen Szenen spürbar trägt.

Spielerisch setzt Mixtape auf kurze, abwechslungsreiche Episoden, die oft ungefähr die Länge eines Songs haben. Man könnte fast sagen, es seien einzelne "Musikvideos". Mal rast man mit dem Skateboard durch die Gegend, mal bewegt man sich zu Fuss durch kleinere Schauplätze, durchsucht ein Schlafzimmer nach Erinnerungsstücken oder lauscht den Gesprächen der Figuren. Dann wiederum bewirft man ein Haus mit Toilettenpapier, headbangt im Auto oder flieht in einem gestohlenen Einkaufswagen vor der Polizei. Diese lose Aneinanderreihung kleiner Momente wirkt zunächst zufällig, passt aber sehr gut zur Struktur des Spiels.

Gerade dieser episodische Aufbau sorgt dafür, dass Mixtape trotz seines ruhigen Tempos unterhaltsam bleibt. Die Handlung spielt grösstenteils an einem einzigen Tag, ergänzt durch einzelne Rückblenden. Grosse dramatische Wendungen oder klassische Spannungsbögen stehen nicht im Mittelpunkt. Stattdessen vertraut das Spiel ganz auf seine Figuren, seine Dialoge und seine Atmosphäre. Das funktioniert vor allem deshalb, weil das Drehbuch stark genug ist, um auch unspektakuläre Momente interessant wirken zu lassen. Der Wechsel von Szene zu Szene bleibt angenehm unvorhersehbar und verleiht dem Spiel einen charmanten Rhythmus.

Auch visuell ist Mixtape ein echter Hingucker. Der markante Animationsstil verleiht dem Spiel eine ganz eigene Identität und sorgt immer wieder für beeindruckende Bilder. Viele Szenen wirken so sorgfältig komponiert, dass man praktisch jederzeit einen Screenshot aufnehmen könnte und ein stimmungsvolles Motiv erhalten würde. Kameraführung, Bildaufbau, Charaktere und Animationen greifen sauber ineinander und lassen Mixtape stellenweise wie einen liebevoll inszenierten Animationsfilm wirken.

Die grosse emotionale Wucht sollte man allerdings nicht zwingend erwarten. Mixtape ist kein erzählerisches Schwergewicht, das lange nach dem Abspann im Kopf nachhallt oder tiefgreifende Fragen über Freundschaft, Erwachsenwerden und Verlust stellt. Im Kern erzählt es von drei Jugendlichen, die Ärger machen, ihren letzten gemeinsamen Tag feiern und dabei die Zeit ihres Lebens haben. Das ist nicht besonders tiefgründig, aber ehrlich, sympathisch und getragen von einem hervorragenden Soundtrack.
Fazit:
Mixtape ist im Grunde gar kein Videospiel, denn die eingestreuten Mini-Games sind kaum der Rede wert. Es ist vielmehr eine "coming-of-age-Story", verpackt als rund 3 Stunden langes Musikvideo. Dadurch ist es sicherlich einzigartig. Es lebt von seiner Atmosphäre, seiner starken audiovisuellen Präsentation und einem grossartigen Soundtrack. Wer anfängt, wird es vermutlich - so wie ich - an einem Abend durchziehen und sich dabei gut unterhalten fühlen. Die Geschichte bleibt aber eher leichtfüssig und hinterlässt vielleicht keinen bleibenden emotionalen Eindruck, doch als kompaktes, stilvolles und musikalisch hervorragend inszeniertes Erlebnis funktioniert Mixtape ausgesprochen gut.

Mixtape ist als Download für PC, PS5, Xbox Series und im Game Pass erhältlich. Wir haben das Spiel auf dem PC gespielt. Ein Test-Muster brauchten wir dank Game Pass nicht.







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