The(G)net Review: Mouse: P.I. For Hire
- Sascha Böhme

- 20. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Schon auf den ersten Blick ist klar, warum das Spiel seit seiner Ankündigung viel Aufmerksamkeit erzeugt. Fumi Studios kombiniert den Look klassischer Rubber-Hose-Cartoons der 1930er Jahre mit einer Noir-Erzählung und inszeniert das Ganze als klassischen Boomer-Shooter. Alles Käse oder was?

Mouse: P.I. For Hire wirkt zunächst wie eine unmögliche Mischung aus Cuphead, L.A. Noire und DOOM, findet aber erstaunlich schnell einen eigenen Rhythmus. Der Titel lebt nicht nur von seiner auffälligen Schwarz-Weiss-Ästhetik, sondern versteht es auch, diesen Stil spielerisch zu tragen. Im Zentrum steht die Ermittlung rund um mehrere Vermisstenfälle, die den Privatschnüffler Jack Pepper immer tiefer in die fauligen Eingeweide von Mouseburg führen.

Anfangs wirkt vieles noch wie klassische Detektivkost mit zwielichtigen Figuren, schmutzigen Deals und jeder Menge Fragen, doch das Spiel zieht die Schlinge zunehmend enger. Dabei setzt es weniger auf komplexe Ermittlungsmechaniken als auf Atmosphäre und Inszenierung. Denn Mouseburg ist kein Ort, an dem lange geredet wird, wenn auch geschossen werden kann. Entsprechend verschiebt sich der Schwerpunkt im Verlauf des Spiels schnell in Richtung kerniger FPS-Action.

Die Handlung entfaltet sich über eine Reihe einzelner Fälle, die zunächst wie abgeschlossene Ermittlungen wirken. Eine vermisste Person, ein verdächtiger Auftrag, ein Deal mit verborgenen Hintergründen. Oberflächlich bedient das Spiel damit eine klassische Noir-Struktur, nutzt diese Vertrautheit aber vor allem als Fundament, um schrittweise mehr Tiefe zu entwickeln. Gerade hier liegt eine seiner grössten Stärken.

Die frühen Fälle wirken bewusst überschaubar und führen uns in einem klaren Rhythmus aus Spurensuche, Konfrontation und Rückkehr zur Ermittlungsarbeit. Mit zunehmender Spieldauer beginnen sich Handlungsstränge zu überschneiden, Figuren tauchen in neuen Zusammenhängen wieder auf, und scheinbar beiläufige Details gewinnen rückblickend an Bedeutung. So entsteht das befriedigende Gefühl, nicht bloss einzelne Missionen abzuarbeiten, sondern einem grösseren, sorgfältig konstruierten Gesamtbild auf die Spur zu kommen.

Spielerisch zeigt Fumi Studios, dass hinter der stilvollen Fassade viel Substanz steckt. Die Kämpfe sind schnell, direkt und angenehm knackig. Wer Boomer-Shooter mag, fühlt sich hier rasch zuhause. Jack ist permanent in Bewegung, wechselt Positionen, feuert, weicht aus und pflügt sich durch Gegnerwellen, die zwar nicht immer taktische Höchstleistungen verlangen, aber konstant Druck machen. Die Waffen fühlen sich griffig an, die Steuerung reagiert präzise, und auch die Performance bleibt über weite Strecken stabil. Kleinere Einbrüche in hektischen Momenten ändern wenig daran, dass das Gunplay zu den grössten Stärken des Spiels gehört.

Dazu kommt ein überraschend ordentlicher Umfang. Für einen Titel in dieser Preisklasse liefert Mouse: P.I. For Hire mehr, als man zunächst erwarten würde. Die Kampagne bietet zahlreiche Schauplätze, die nicht nur optisch markant ausfallen, sondern auch genug Abwechslung liefern, damit die Reise nicht in Monotonie versinkt. Fumi Studios verstehen es, durch Kulissen, Gegnervarianz und kleinen Änderungen genug Würze hineinzubringen, um das Spiel über seine Laufzeit von 15 bis 20 Stunden unterhaltsam zu halten, auch wenn es mechanisch das Rad freilich nie neu erfindet.

Besonders reizvoll ist die Tonalität. Mouse: P.I. For Hire jongliert mit Slapstick, Cartoon-Überzeichnung und überraschend harscher Gewalt. Das Spiel wirkt optisch wie ein schräger Zeichentrickfilm aus den frühen Tagen der Animation, entfaltet tonal jedoch stellenweise die Wucht einer modernen, düsteren Gangstergeschichte. Plus Humor, der gehört hier selbstverständlich zur Grundausstattung. Gleichzeitig kennt das Spiel erstaunlich wenig Scheu, wenn es darum geht, Gegner grotesk zu zerlegen oder Gewaltszenen mit zynischem Unterton auszustellen. Gerade diese Mischung aus Albernheit und Härte gibt dem Ganzen eine eigenwillige Note. Witzig, aber nie harmlos!

Ganz ohne Schwächen kommt das Ganze dennoch nicht daher. Bei aller Spielfreude zeigen sich kleinere Balancing-Probleme im Waffenarsenal. Manche Knarren wirken zu Beginn etwas kraftlos, andere fast schon unangenehm dominant. Durch Upgrades lässt sich das zwar teilweise ausgleichen, doch am Ende kristallisieren sich schnell klare Favoriten heraus. Dazu kommen technische Unsauberkeiten wie Clipping-Fehler, gelegentliche Steuerungsunebenheiten und Glitches. Sicher ist, dass diese per Patch bald behoben werden. Zum Release ist es trotzdem erwähnenswert.

Auch beim Humor sitzt nicht jede Pointe. Die Sprecherbesetzung ist zwar stark, allen voran Troy Baker, der Jack Pepper viel Charisma und genau die richtige Portion schmierigen Charme verleiht. Doch nicht jeder Spruch hat denselben Biss. Einige Dialoge landen punktgenau zwischen Kitsch und Coolness, andere werden etwas zu sehr ausgereizt. Wenn das Spiel seine eigenen Gags zu lange auskostet, verliert es kurz an Eleganz. Zum Glück bleibt das eher ein Schönheitsfehler als ein ernstes Problem.
Fazit:
Fumi Studios hat hier kein einfaches Trickfilm-Geballer abgeliefert, sondern einen wunderbar schmutzigen Boomer-Shooter mit stimmiger Noir-Erzählung und erstaunlichem Umfang. Mouse: P.I. For Hire gehört zu jenen seltenen Spielen, die nicht nur in einzelnen Disziplinen überzeugen, sondern vor allem durch das Zusammenspiel seiner Bestandteile. Und Mouseburg ist eine verdammt gute Bühne für diesen Mix aus Detektiv-Arbeit, Slapstick und Kugelhagel. Troy Baker aka "Jack Pepper" trägt das Ganze mit genug Präsenz, damit man gerne an seiner Seite bleibt. Ja, es gibt kleinere Bugs, Glitches, ein paar Balancing-Macken und Dialoge, deren Witz nicht immer ins Schwarze treffen. Aber ganz ehrlich: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Unterm Strich liefert Mouse: P.I. For Hire ein starkes Debüt, das stilistisch herausragt und spielerisch deutlich mehr bietet, als es auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt.

Mouse: P.I. For Hire ist für PS5, Xbox Series X|S, Switch 2 und PC erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro gespielt. Das Test-Muster stammt von Fumi Studios, wofür wir uns herzlich bedanken.







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