The(G)net Review: Rhythm Paradise Groove
- Andy Meier

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Spiele, die lassen uns Spieler kaum los. Spannende Story, anspruchsvolles Gameplay, erstklassige Grafik. Rhythm Paradise Groove bietet nichts davon, und trotzdem fällt es schwer, die Nintendo-Konsole weg zu legen.

Lange war es ruhig um Rhythm irgendwas. Irgendwas, weil Nintendos absurdes Videospiel einer der Titel ist, der sich überall irgendwie anders nennt. In Korea ist es Rhythm World, in Europa Rhythm Paradise und überall sonst Rhythm Heaven. Überall gleich bleibt sich seit dem ersten Teil das simple Spielprinzip. Seit 2008, damals noch auf Nintendos enorm erfolgreichen Fuchtel-Konsole Wii, gilt es im richtigen Takt Buttons zu drücken.

Ein ganzes Jahrzehnt nach dem letzten Auftritt der Spieleserie auf dem Nintendo 3DS, erreicht softwaremässig wenig verwöhnte Switch Spieler die nächste Auflage des Rhythmus-Tests. Wie schon damals hat sich das Spielprinzip wenig verändert. In abwechslungsreichen Minispielen gilt es im richtigen Takt die geforderten Buttons zu drücken. Dabei darf sich nicht nur an der Musik, sondern auch an Geschehnissen auf dem Bildschirm orientiert werden. Um es dem Spieler nicht zu einfach zu machen, passiert auf dem Screen oft mehr, als man zu Beginn erwarten mag – für Ablenkung ist gesorgt.

Die Präsentation von Rhythm Paradise Groove beginnt wie in einem schlechten Handy-Game. Beim Menü dachte ich erst, das sei ein Witz. Ist es nicht. Ein an WordArt erinnernder «Hauptmenü» Schriftzug präsentiert den hässlichen grauen Balken weiter unten, der die Menü-Auswahl beinhaltet: Rhythm Paradise erklärt neuen Spielern, was wir hier eigentlich tun. «Allein spielen» führt uns in den Singleplayer-Modus mit zig kurzen Rhythmus-Games, der Kern des Spiels. Wer mit Freunden spielen will, wählt eben diesen Modus aus. In Letzterem warten zehn exklusive Rhythmus-Spiele, die bis zu viert gezockt werden. Dabei wird mal gemeinsam, mal gegeneinander gespielt. Eine nette Ergänzung für einen spassigen Abend, auch wenn der Einzelspieler-Modus klar im Mittelpunkt steht. Der neue RPG-Modus Beatspell ist eine nette Zugabe, erreicht die Qualität des Hauptspiels aber nicht und ist eher für jene Spieler, die vom Game einfach nicht genug kriegen können

Die Modi glänzen weder durch die volle Ladung an Absurdität eines WarioWare noch unterhalten sie stundenlang wie einst Donkey Konga. Was aber beide Modi machen: Sie hindern gekonnt daran, die Switch beiseitezulegen. Einmal mit dem rhythmischen Button-Hämmern angefangen, kommt man kaum davon los. Neue Spielideen werden verständlich mit einem jeweils eigenen Mini-Tutorial vorgestellt, sodass auch später kaum Frust entsteht. Einfach ist das Spiel aber keineswegs, zumindest wartet durchaus die eine oder andere musikalische Herausforderung. Die simpel einfache Spielmechanik begeistert gekonnt mit den an WarioWare erinnernden, herrlich abstrusen Bildern. Kein Wunder, schliesslich handelt es sich bei den Entwicklern um dasselbe Studio.

Der vermeintlich wichtigste Punkt bei einem voll auf Rhythmus setzenden Spiel: Die Musik. So dachte ich. Doch weit gefehlt. Wer Taylor Swift oder Jürgen Drews erwartet – nein, dümmlichere Beispiele sind mir nicht eingefallen – wird enttäuscht. Die Musik macht genau das, was sie soll, ohne dabei aufdringlich zu werden oder gar in Erinnerung zu bleiben. Das spielt aber keine Rolle, oder ist sogar genau so gedacht. Komischerweise funktioniert die Kombination aus absurden Bildern und skurriler Musik in diesem Spiel hervorragend.
Fazit:
Die Vorgänger gingen an mir vorbei, vermutlich weil mein Tanzbein nie für Dance Dance Revolution geeignet war. Meine Fingerakrobatik konnte sich aber erstaunlich schnell mit dem Spiel anfreunden. In den ersten Minuten habe ich mich ehrlicherweise gefragt, was und wieso ich das hier spiele. Nach einer Viertelstunde hat es «Klick» gemacht und ich war für die nächsten 90 Minuten an die Nintendo-Konsole gefesselt. Genau so zur Ehrlichkeit dazu gehört: Legt man das Gerät für einige Tage beiseite, gerät der Titel fast in Vergessenheit. Das beschreibt vielleicht den Sog von Rhythm Paradise Groove am besten. Wer sich auf ein etwas anderes Spiel einlassen möchte und sich immer noch nicht ganz sicher ist, ob das Spiel den geforderten Obolus wert sei, sollte die Demo im Store probieren, es lohnt sich.

Rhythm Groove Paradise ist exklusiv für Nintendo Switch erschienen. Wir haben uns das Spiel auf er Switch 2 angesehen. Das Test-Muster stammt von Nintendo, wofür wir uns herzlich bedanken!







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