The(G)net Review: This is Fine: Maximum Cope
- Sascha Böhme
- vor 24 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Jeder kennt das Meme, doch nur wenige dürften mitbekommen haben, dass der wohl entspannteste Hund des Internets inzwischen sein eigenes Videospiel bekommen hat. This Is Fine: Maximum Cope verwandelt den Internetwitz in ein Metroidvania, das im traumatisierten Innenleben seines Protagonisten spielt.

Entwickler Hero Concept ist keine Unbekannte. Das Studio hinter dem 2D Beat'em Up Mayhem Brawler finanzierte das Projekt erfolgreich über Kickstarter. Im Mittelpunkt steht ein Hund, der von einem Engel und einem Teufel in seinem Kopf begleitet wird und sich durch schwierige Erinnerungen kämpft, um die daraus entstandenen Ängste und Traumata zu überwinden.

Die Grundidee hat zweifellos Potenzial. Ein brennender Raum, ein Hund mit Kaffeetasse und der Satz „This is fine“: Daraus liesse sich eine bissige, selbstironische und psychologisch spannende Spielwelt bauen. Leider wirkt es hier stellenweise so, als hätten die Entwickler diese Gelassenheit etwas zu wörtlich genommen.

Mechanisch bleibt das Spiel roh, inhaltlich dünn und spielerisch deutlich unter seinen Möglichkeiten. This Is Fine: Maximum Cope bewegt sich spielerisch zwischen Metroidvania und klassischem 2D-Plattformer. Die Welt ist aber nicht wie Metroidvania-üblich organisch miteinander verbunden, sondern in mehrere separate Biome aufgeteilt. Diese folgen zwar thematisch dem Konzept des fragmentierten Geistes unseres Hundes, fühlen sich aber eher wie einzelne Level an als wie ein clever verzahntes Ganzes. Echte Rückwege oder das befriedigende Gefühl, nach dem Erwerb einer neuen Fähigkeit plötzlich alte, unzugängliche Gebiete endlich besuchen zu können, bleiben weitgehend aus.

Zwar schaltet unser Hund nach Bosskämpfen neue Fähigkeiten frei, doch deren Einsatz wirkt oft nebensächlich. In einem Biom dienen sie eher als kleine Spielerei, während ihre eigentliche Funktion erst im nächsten Abschnitt relevant wird. Dadurch entsteht weniger ein klassisches Metroidvania-Gefühl, sondern vielmehr der Eindruck eines linearen Plattformers mit vereinzelten Genre-Anleihen. Man läuft vorwärts, beseitigt Gegner und wird nur selten ernsthaft durch Plattformpassagen oder Erkundung gefordert.

Auch das Leveldesign bleibt sehr schlicht. Die Karten bestehen aus überschaubaren Unterabschnitten, die sich schnell vollständig erkunden lassen. In jedem der fünf Levels, die jeweils etwa 20 bis 30 Minuten dauern, wartet vor dem Boss ein Rätsel. Mal müssen Wörter zusammengesetzt, Tastenfolgen gemerkt oder Flugbahnen angepasst werden. Ab dem zweiten Level läuft vieles jedoch darauf hinaus, thematisch passende Gegenstände auf der Karte einzusammeln. Das erzwingt zwar Erkundung, fühlt sich aber eher nach künstlicher Streckung an als nach sinnvoller Spieltiefe.

Beim Springen und Kämpfen zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Animationen sind zweckmässig, aber simpel, das Kampfsystem bietet kaum Abwechslung. Was der Hund zu Beginn kann, bleibt im Wesentlichen bis zum Ende bestehen. Besonders ernüchternd ist, dass eine der letzten freigeschalteten Fähigkeiten praktisch nur dazu dient, den finalen Boss überhaupt erreichen zu können. Dynamik entsteht daraus kaum, und auch das Ausschalten der Gegner entwickelt nur selten echten Spielspass.

Die Gegner selbst offenbaren schnell, wie begrenzt das Spiel in seinen Mustern ist. Egal ob kleiner Standardfeind oder Boss, vieles wirkt bekannt und vorhersehbar. Gerade bei einem Metroidvania mit Bosskämpfen hätte man sich mehr Einfallsreichtum gewünscht. Stattdessen treffen wir wiederholt auf ähnlich aufgebaute Widersacher, deren Angriffsmuster oft auf wenige Varianten reduziert bleiben.

Optisch ist This Is Fine: Maximum Cope immerhin eigenständig und sympathisch. Die Levels sind cartoonhaft, farbenfroh und greifen vertraute Themen wie Schule oder Arbeitswelt auf. Auch die beiden Stimmen im Kopf des Hundes geben dem Spiel etwas zusätzliche Persönlichkeit. Trotzdem bleibt das audiovisuelle Gesamtbild eher blass. Vor allem fehlende Sprachausgabe nimmt der Präsentation viel Wirkung. Gerade bei dieser Vorlage hätte eine markantere Inszenierung mit echten Synchronsprechern enorm geholfen.
Fazit:
Und noch ein Metroidvania, das sich mit angezogener Handbremse an den grossen Vorbildern orientiert. Am Ende bleibt ein Spiel, das aus einer starken Idee erstaunlich wenig macht. This is Fine: Maximum Cope kopiert bekannte Genre-Mechaniken, ohne deren Raffinesse, Tempo oder Sogwirkung wirklich zu verstehen. Zudem hätte das Spiel bei dieser Vorlage mehr Witz, Biss und Selbstironie vertragen. Von der fehlenden Sprachausgabe rede ich noch gar nicht. Das alles hätte den Titel zwar spielerisch nicht unbedingt besser gemacht, aber zumindest um einiges unterhaltsamer.

This is Fine: Maximum Cope ist als Download für PC, PS5, Xbox Series und Switch erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf dem PC angeschaut. Das Test-Muster stammt von Numskull Games, wofür wir uns herzlich bedanken!



