The(G)net Review: Battlefield 6
- Sascha Böhme

- 13. Okt.
- 5 Min. Lesezeit
Vier Jahre nach dem durchwachsenen Battlefield 2042, das mit seinen Ambitionen über die eigenen Füsse stolperte, liefern die Battlefield-Studios nun Teil 6 und versuchen, das Vertrauen der Fans zurückzuerobern. Als jemand, der seit den Tagen von Battlefield 2 unzählige Stunden auf den digitalen Schlachtfeldern verbracht hat, darf ich sagen: Dieses Spiel fühlt sich endlich wieder nach Battlefield an.

Ein Schritt zurück und genau deshalb nach vorn! Man merkt Battlefield 6 von der ersten Minute an, dass hier jemand zugehört hat. Das Studio hat nicht einfach nur die Community befragt und mit ihnen viele Stunden vor dem Launch via BF LABS verbracht, sondern tatsächlich auf die Kritik der Fans gehört. Herausgekommen ist ein Spiel, das alte Stärken modern interpretiert ohne sich in kosmetischem Fortschritt zu verlieren. Zumindest noch nicht. Denn Ende Oktober soll der erste Battle-Pass erscheinen. Man darf diesen Test entsprechend als eine Momentaufnahme bezeichnen, die den Eindruck zum Release widerspiegelt.

Starten wir mit dem Single-Player. Während viele Konkurrenten ihre Solo-Kampagnen längst auf dem Schrottplatz der Gaming-Geschichte geparkt haben, wagt sich Battlefield 6 zurück ins erzählerische Terrain. Als Mitglied der Eliteeinheit Dagger13 zieht man in den Kampf gegen die private Militärorganisation Pax Armata. Eine klassische Gut-gegen-Böse-Geschichte, sicher, aber mit genug erzählerischem Drive und überraschenden Momenten, um zu fesseln. Der Plot ist keine narrative Revolution, aber er funktioniert, getragen von glaubwürdigen Charakteren, straffer Regie und einem klugen Missionsdesign. Dass hier die volle grafische Wucht ausgepackt wird ist selbsterklärend. Und ja, es gibt Momente, in denen ich absolut geflasht vor der Glotze sass.

Die Kampagne dient aber nicht nur als Pflichtübung, sondern als integraler Bestandteil des Gesamterlebnisses. Sie nutzt bekannte Mehrspieler-Karten als Kulisse und bietet die Möglichkeit, sich mit den Mechaniken, Fahrzeugen und Klassen vertraut zu machen, ganz ohne den Druck der Online-Schlachten. Jede Mission vermittelt subtil eine neue Fähigkeit oder ein taktisches Konzept, ohne dabei in Tutorial-Tonfall zu verfallen. Man lernt, während man spielt, und ehe man sich versieht, agiert man mit einer Selbstverständlichkeit, die sich in den Multiplayer überträgt. Wer sich wacker schlägt, schaltet hier sogar Skins, XP-Tokens und andere Items für die Online-Schlachten frei.

Was die Missionen zudem angenehm von vielen modernen Shooter-Kampagnen abhebt, ist ihr Tempo. Battlefield 6 zwingt dich nicht zum Dauerfeuer, sondern lässt dir Raum, Situationen zu lesen, Flanken zu planen und Teamrollen zu verstehen. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird das sogar zur Notwendigkeit. Wer unüberlegt in jede Feuerlinie rennt, lernt schnell Demut. Die Dialoge zwischen den Hauptcharakteren erinnerten mich öfters an gute, alte Bad Company Zeiten, auch wenn der Humor etwas auf der Strecke bleibt. Krieg ist eben kein Ponyhof.

Nun zum Multiplayer: Das Herz von Battlefield schlägt schon immer im Team. Battlefield 6 bringt endlich wieder die vier ikonischen Klassen zurück – Assault, Recon, Support und Engineer – und verleiht ihnen mehr Bedeutung denn je. Assault-Spieler stürmen voran, Recon sorgt für Übersicht, Support hält das Team am Leben, und Engineers kümmern sich um Fahrzeuge oder sprengen sie in die Luft. Jede Rolle ist klar definiert, und die Teamzusammensetzung kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Solos werden punktemässig abgestraft, Team-Aktionen, insbesondere im eigenen Squad, werden belohnt.

Interessant ist das neue Waffen-System: In offenen Lobbys dürfen Spieler klassenübergreifend Waffen nutzen, während geschlossene Lobbys die Rollenbindung klassisch erzwingen. Das mag auf dem Papier trivial klingen, doch es verändert das Spielgefühl spürbar. Offene Lobbys fördern Experimente, geschlossene bringen taktische Tiefe und beides erweitert die Zielgruppe, ohne die Balance zu opfern.

Der wahre Triumph von Battlefield 6 liegt im Gunplay. Kaum ein anderer Shooter vermittelt so viel Gewicht, Rückstoss und Kontrolle zugleich. Das neue System, „Kinesthetic Combat“, erlaubt präzises Zielen, ohne das typische Battlefield-Feeling zu opfern. Jede Waffe fühlt sich anders an. Keine generische Kopie, sondern ein Werkzeug mit Charakter. Die Standardeinstellungen benötigen zwar noch einiges an Tweaking, was man im Schiessstand aber gut erledigen kann. Besonders beeindruckend ist die neue „Drag-to-Revive“-Mechanik. Ein verwundeter Teamkamerad kann aus dem Feuer gezogen und wiederbelebt werden. Hatte man das uns nicht schon mit Battlefield V versprochen? Eine kleine Idee mit grosser Wirkung. Es ist Teamplay, das man spürt und jedes mal eine Freude, wenn wildfremde Menschen dich in Sicherheit ziehen.

Im Kern bleibt Battlefield 6 dem treu, was es immer sein sollte: ein riesiger, chaotischer Sandkasten aus Taktik, Wahnsinn und heldenhaften Momenten. Dazu trägt auch die monumentale Zerstörung bei. Praktisch alles lässt sich zerlegen, von kleinen Tassen bis hin zu ganzen Häuser-Reihen. Unter dem Banner „All-Out Warfare“ kehren die Klassiker Conquest, Breakthrough und Rush zurück. Dazu gesellt sich der neue Modus Escalation, der mit jeder Phase an Intensität gewinnt und mir persönlich schon jetzt gefällt. Für schnelle Gefechte und die CoD-Community stehen Modi wie Squad Deathmatch, TDM, Domination oder King of the Hill bereit, perfekt für jene, die weniger strategische Tiefe, aber maximale Action wollen.

Acht neue Karten (plus die Rückkehr von Operation Firestorm) bilden das Fundament, und sie sind allesamt durchdacht. Ob man sich durch die urbanen Gassen von Saints Quarter kämpft oder über die weiten Felder von Mirak Valley rast, jede Map ist spielerisch komplett unterschiedlich. Die vertikale Vielfalt, die Zerstörungsoptionen und die flüssigen Übergänge zwischen Infanterie- und Fahrzeugkampf machen klar: Hier wurde mit Liebe gearbeitet. Zwar vermisse ich noch ein paar grössere Karten, denn das urbane Chaos der New York-Maps ist überhaupt nicht mein Fall, aber mit Mirak Valley, Firestorm, Liberation Peak und Sobek City bin ich erstmal sehr zufrieden.

Grafisch ist Battlefield 6 ein Power-House. Die Texturen, die Beleuchtung, die Partikeleffekte, alles wirkt poliert. Dass das Spiel dabei eine stabile Performance liefert, ist heutzutage fast schon unverschämt. Selbst im Leistungsmodus bleibt die Grafik auf einem Niveau, das die Konkurrenz alt aussehen lässt. Auch die Soundkulisse ist ein Ereignis für sich: Explosionen donnern mit Wucht, Kugeln pfeifen, Jets und Helis rauschen durch den Himmel und selbst das Nachladen einer Waffe klingt präzise abgemischt. Es ist dieses audiovisuelle Zusammenspiel, das den Spieler mitten ins Geschehen zieht.

Das angekündigte Portal-Builder-Tool, mit dem Spieler eigene Modi und Maps erstellen können, wird die Community ähnlich beflügeln wie der legendäre Mod-Support vergangener Jahre. Bereits kurz nach Release sind hier einige Maps und Modi zu finden, die mich überrascht haben (Flugzeug-Rennen, eine Shipment-Karte aus CoD, Knife-and-Pistol Server, etc.). Ich bin überzeugt, dass Portal allein das Spiel über Jahre am Leben halten wird und wir hier noch so einige Überraschungen erleben werden. Vorbildlich auch die zahllosen Anpassungsmöglichkeiten, von Steuerung und UI, über Grafik bis hin zur Zugänglichkeit lässt sich gefühlt so ziemlich jede Option an den persönlichen Geschmack anpassen.
Fazit:
Battlefield 6 ist kein Versuch, sich neu zu erfinden und das ist gut so! Es ist die Rückbesinnung auf das, was die Serie immer ausgezeichnet hat. Es ist das Battlefield, das Veteranen seit Jahren vermissen: kompromisslos, fordernd, spektakulär und auf Teamplay ausgelegt. Natürlich gibt es Dinge, die noch Feinschliff brauchen, insbesondere im Waffen-Balancing und bei den Zielpunkten mancher Karten. Doch das Fundament steht felsenfest. Battlefield 6 ist nicht nur eine Entschuldigung für die Vergangenheit, sondern ein Statement für die Zukunft. Für langjährige Fans ist es ein Wiedersehen mit alten Tugenden in neuem Glanz. Für Neulinge ein Einstiegspunkt in eines der ikonischsten Multiplayer-Franchises überhaupt. Battlefield ist wieder da und diesmal nicht als Hoffnungsträger, sondern als Beweis, dass man auch nach Jahren im Durchschnitts-Schlamm noch siegreich zurückkehren kann.

Battlefield 6 ist für PC, Xbox Series X|S und PS5 erschienen. Wir haben das Spiel auf der PS5 Pro getestet. Das Testmuster stammt von EA, wofür wir uns herzlich bedanken!











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