The(G)net Review: Demoniaca: Everlasting Night

Das erste Metroidvania 2022 ist eine düstere Angelegenheit. Finstere Dämonen haben die ganze Sippschaft unsere Heldin ausgelöscht. Doch jetzt wird der Spiess umdreht. Es ist Zahltag!


Demoniaca Everlasting Night Playstation Xbox Switch Test Review

Waffen jeglicher Art suchen wir in Demoniaca: Everlasting Night vergebens. Keine Schwerter oder Keulen, keine Knarren, Granaten und Bomben sowieso nicht. Die flinke Dauerklopperin verteilt ausschliesslich Handkantenschläge und Fusstritte, als wäre sie (nicht nur grafisch) direkt aus The King of Fighters abgeworben worden. Mit vier Angriffsvarianten - leichter und harter Punch, schneller und harter Kick - prügelt sich die namenlose Heldin durch eine weitverzweigte Spielewelt, bevölkert mit allem, was der Dämonenfachhandel zu bieten hat.


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In den ersten paar Abschnitten schlagen wir uns noch warm, bevor "Boxhead", ein kurliger Kartonkopf, die Bühne betritt. Der redselige Pappenheimer schenkt euch gleich beim ersten Treffen den Walljump und kurz danach noch ein paar flotte Kick Combos und Specialmoves, die wie bei Streetfighter per Tastenkombination ausgelöst werden und an eine Powerliste gekoppelt sind. Später verlangt Boxhead für Upgrades aber harte Devisen in Form von Seelen, die in Gegnern oder in Kerzen gefunden werden, wie beim Ur-Castlevania. Und der nette Mann hat ein paar frische Schagvarianten am Start. Insgesamt können über 30 verschiedene Moves freigespielt werden.


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Die Fieslinge werden mit Dragonpunches, Hadokens und Drehkicks geplättet. Anders als in den meisten Metroidvanias ist nicht an jedem Levelende ein dicker Endboss am Start. Meistens findet ihr einfach ein Portal, welches euch in den nächsten Abschnitt befördert. Trefft ihr aber trotzdem mal auf einen Dickwanst, muss er natürlich ordentlich verkloppt werden, bevor er euch sein Upgrades, wie beispielsweise den Doppelsprung, überlässt. Einen direkten Pfad gibt es in Demoniaca nicht, wir treffen aber immer wieder auf eine blauhaarige Göre, die uns als Wegweiser dient. Versteckte Räume und falsche Wände sind keine Seltenheit. Eine Minimap zeigt jeweils nur einen kleinen Ausschnitt jedes Levels. Wer die Minimap regelmässig konsultiert, findet dafür die eine oder andere versteckte Schatztruhe.


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In der grösseren Oberweltkarte wird zwar eure Position und die verschiedenen Portale angezeigt, auf eine komplett kartografierte Übersicht muss jedoch verzichtet werden. Die oben erwähnten Schatzkisten beglücken uns stets mit einem zufälligen Spezialitem. Wir erspielen uns so Sphären, Ringe, Halsketten und reissen uns sogar Turnschuhe unter den Nagel, die wir im Inventarmenu ausrüsten und als Statusbooster nutzen. Somit verlängert sich unsere Lebensleiste, die Verteidigung steigt und dank einem Intelligenzupgrade verbraucht die Specialleiste weniger Saft.


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Ein Zahlungsmittel reichte aber anscheinend nicht. Neben den bereits beschriebenen Seelen, gibt's eine Zweitwährung namens "Rust", mit der wir nützliche Gegenstände beim Händler unseres Vertrauens einkaufen. Aufgelevelt wird automatisch, permanente Extras müssen aber im Inventarmenu konsumiert werden. Stets im Schlepptau haben wir unseren persönlichen Sidekick. Per Tastenkombination beschwören wir den kleinen Flugdämon, der uns mit Feuerbällen unterstützt und sogar gelegentlich Gegner rammt. Habt ihr zufällig einen Mitspieler dabei, darf dieser den kleinen Flugteufel mit dem 2. Controller autonom steuern.


Demoniaca Everlasting Night Playstation Xbox Switch Test Review

Fazit:

Es hätte so schön werden können, da mich Grafikstil und das Setting an die gute alte 16Bit Ära erinnert, stände ich nicht mit der Steuerung auf dem Kriegsfuss. Gleich am Anfang habe ich mich am Kopf gekratzt, weil der Jumpbutton auf R2 liegt und leider lassen sich die Knöpfe auch nicht umbelegen. Ganz toll, wer kommt auf solche lustigen Ideen? Ich dachte aber, dass man sich nach eine Weile daran gewöhnen würde. Wenn ich bei der 8. Mission aber immer noch durch das halbe Level segle, weil das Sprungverhalten absolut unterirdisch ist, platzt mir der Kragen. Das Problem liegt an einem kleinen Detail, das die Entwickler nicht bedacht haben. Wenn ich mit unserer Protagonistin durch die Level hüpfe, bleibt sie beim geringsten Kontakt mit einer vertikalen Wand für etwa eine Sekunde kleben, bevor sie auf die nächste Vertikale fällt. Will ich wie bei jedem Metroidvania vom Boden auf eine erhöhte Plattform springen, bleibe ich darum häufig an der Kante kleben, denn hochziehen kann sich die Gute nicht. Ich muss umständlich von der gegenüberliegenden Wand walljumpen. Da schütteln Profis wie Celeste und Hollow Knight zurecht ihre Pixelköpfe. Wer das mickrige Sprungverhalten vom ersten Castlevania kennt, kann ungefähr meinen Frust nachvollziehen.



Dafür müssten aber doch ihre Kampffähigkeiten 5 Sterne bekommen? Jain. Madame Haudrauf verfügt zwar über ein beachtliches Schlagrepertoire, nur geht es viel zu lange, bis ich eine zufriedenstellende Anzahl an Moves erspielt habe. In den ersten Stunden vermöble ich die Standardfeinde mit meinem Grundrepertoire und setze nur selten einen Specialmove ein, da meine Leiste nach zwei Hadokens schon wieder leer ist. Ich habe zwar ein paar Flaschen Extraenergie im Inventar, doch das Game läuft in Zeitlupe weiter, während ihr euch im Menü den Drink einverleibt. In hitzigen Gefechten mit den nervigen Gegnern nützt das somit gar nichts, da euch schlichtweg keine Zeit bleibt, bevor an eurer Lebensenergie geschnippelt wird. Die Endbosse sind regelrechte Bulletsponges, deren Herausforderung aber eher darauf fixiert ist, die langweiligen Angriffspattern auswendig zu lernen, als mit ausgefeilter Joypadartistik zu brillieren. Mit einem Seufzer schweife ich kurz in Richtung Metroid Dread und Blasphemous, bevor mich der Game Over Screen aus dem Tagtraum reisst. Ich habe zwar den Endboss erledigt, aber durch einen dummen Zufall hauts mich beim Backtracking prompt auf die Schnauze und ich muss beim letzten Speicherpunkt nochmals anfangen. Das erspielte Upgrade ist futsch und ich muss der Nervensäge erneut gegenüber treten. Ohne mich, es reicht. Schönen Abend!



Demoniaca lief bei uns auf einer Playstation 5. Das Spiel gibt's auch für Xbox One, Series X|S, Switch und PC, leider nur digital und nicht als Retail-Version. Das Testmuster haben wir von eastasiasoft bekommen, wofür wir uns herzlich bedanken.

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