The(G)net Review: Directive 8020
- Andy Meier

- 24. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Was haben wir lange auf den nächsten Teil von Supermassives Dark Picture Serie gewartet. Endlich konnten wir uns auf die Reise zum Planeten Tau Ceti f wagen und klären, ob sich das Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut" in diesem Fall bewahrheitet hat.

Im November 2022 ging die Reise noch zum heimeligen Mörderhaus bei Lake Michigan, wo die Protagonisten mit Glück etwas länger verweilten, als sie das eigentlich vorhatten. Der erste Ableger der Dark Pictures Anthology Season 2 wurde bereits im Abspann angeteasert. Dank gross angelegter Ankündigungen bei dem englischen Entwicklungs-Studio verzögerte sich der Release allerdings bis ins Jahr 2026. Das war insbesondere ungewohnt, da die Ableger der ersten Season jeweils im Jahres-Rhythmus auf uns Spieler losgelassen wurden.

Supermassive Games hat in der Wartezeit öfters betont, dass mit der zugewonnenen Entwicklungszeit auch ein deutlich besseres Spielgefühl entstehen soll. Wer Supermassive Games hört, erwartet reinrassige interaktive Filme mit vielen Schockmomenten. Gerade "The Devil in Me" überzeugte hier wenig, dank hakeliger Steuerung, die insbesondere im engwinkligen Gebäude wenig begeistern konnte. Hier kann ich beruhigen: Directive 8020 spielt sich deutlich flüssiger als sein direkter Vorgänger. Zwar latschen wir mit einem der fünf spielbaren Charaktere immer noch im Raumschiff rum, bleiben aber nirgends mehr hängen.

Neu warten einige, wenig berauschende Schleich-Passagen auf die stets seicht bedrohten Space-Reisenden. Leider sind das mit die schwächsten Momente des Spiels. Abgesehen davon schlägt Directive 8020 glücklicherweise in dieselbe Kerbe wie bereits die Vorgänger der ersten Season. Mittels Wahl der Gesprächsoption oder unter Zeitdruck zu entscheidenden Handlungen führen wir die Raumschiffscrew entweder erfolgreich zum Ende des Spiels oder eben in den frühzeitigen Tod. Ebenfalls wie in vielen anderen Supermassive Games ist teilweise nicht immer klar, welches denn die lebensrettende Entscheidung sein könnte. Ab und an führen auch Geschehnisse früh im Spiel zu späten Resultaten. Etwas Glück wird also auch hier benötigt, um alle Charaktere bis zum Ende durchzubringen. Jene sind überraschend sympathisch und etwas weniger stereotyp als bisher, zum ersten Mal lag mir die Truppe fast schon am Herzen.

Überhaupt unterhält das Spiel deutlich mehr, als einige andere Supermassive Releases der letzten Jahre. Gerade "The Quarry" war deutlich in die Länge gezogen. Directive 8020 bietet ungefähr dieselbe Spielzeit wie andere Dark Pictures Titel. Um die 8-10 Stunden dürfte man mit einem Durchgang beschäftigt sein. In Theorie ist der Wiederspielwert vom Weltraumabenteuer etwas höher, aber ich muss zugestehen: Wenn ich den Abspann dieser Art Spiel gesehen habe, entfernt sich meist auch die Datenmenge von meiner Harddisk.

Die grösste Motivation, dem Spiel einen zweiten Anlauf zu gönnen, wäre der Online Kooperativ-Modus. Dieser war bislang bei allen Dark Pictures Games dabei und fast schon das Markenzeichen der Serie. Bis jetzt: Zum Release suchen wir den Modus vergebens. In welcher Form der Multiplayer-Part nachgereicht wird, ist noch offen. Wir hoffen, nicht mit einem "Movie-Mode" abgefertigt zu werden, wie wir ihn schon von "The Quarry" kennen.
Fazit:
Einmal mehr kann ich nicht auf die Story des Spiels eingehen, ohne unnötig zu spoilern. Insgesamt hielt mich die Geschichte aber deutlich gebannter am Bildschirm, als die der Vorgänger. Wer die Dark Pictures Titel bislang aufgrund von Desinteresse gekonnt ignoriert hat, kann das mit Directive 8020 genauso machen, weil es das Rad des interaktiven Films nicht neu erfindet, und das ist gut so. Das Spiel liefert genau das, was Fans der Serie erwarten; Kurzweilige Unterhaltung im Alien-Stil mit interessanten Charakteren und vielen Entscheidungsmöglichkeiten. An den ungekrönten König "Until Dawn" kommt Directive 8020 zwar auch nicht ran, gehört aber, trotz unnötiger Schleichpassagen, mit zu den besten Ablegern dieses Genres.

Directive 8020 ist für PC, PS5 und Xbox Series X|S erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der Xbox Series X angesehen. Das Test-Muster stammt von Bandai Namco, wofür wir uns herzlich bedanken.







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