The(G)net Review: Minecraft Dungeons II
Minecraft gehört längst zu den grössten Phänomenen der Videospielgeschichte. Kein Wunder also, dass Microsoft und Mojang die Klötzchenwelt immer wieder für neue Genres öffnen. Mit Minecraft Dungeons gelang bereits ein unterhaltsamer Ausflug in Richtung Diablo, der vor allem mit unkomplizierter Action, reichlich Beute und kooperativem Spiel überzeugte. Minecraft Dungeons II setzt genau dort an und versucht gleichzeitig, die bekannte Formel sinnvoll auszubauen.

Die Geschichte hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Das Lager aus dem ersten Teil wurde zerstört und in der Oberwelt gehen erneut merkwürdige Dinge vor sich. Als neuer Held macht ihr euch auf den Weg, den Ursprung der Ereignisse aufzudecken und die Minecraft-Welt einmal mehr vor dem drohenden Untergang zu bewahren.

Dabei verschlägt es euch nicht nur in bekannte Biome, sondern auch in eine komplett neue Dimension namens Sift. Optisch unterscheidet sich dieser geheimnisvolle Ort deutlich von der klassischen Minecraft Welt. Neue Farben, ungewöhnliche Figuren und eine eigenständige Atmosphäre sorgen dafür, dass sich die Ausflüge ins Sift tatsächlich frisch anfühlen.

Die Handlung wird regelmässig durch aufwendig produzierte Zwischensequenzen vorangetrieben. Die sehen zwar gut aus und verfügen sogar über eigene Sprachausgabe, wirken stilistisch allerdings etwas losgelöst vom eigentlichen Spiel. Teilweise entsteht fast der Eindruck, man würde plötzlich eine animierte Minecraft Serie schauen. Schlecht sind die Szenen keineswegs, wirklich harmonisch fügen sie sich aber nicht immer in das restliche Erlebnis ein.

Wie schon beim Vorgänger steht die Geschichte ohnehin nicht im Mittelpunkt. Minecraft Dungeons II will vor allem eines: euch möglichst schnell mitten in die Action werfen. Alleine oder gemeinsam mit Freunden zieht ihr durch die Spielwelt, erfüllt Aufgaben, sucht nach Schätzen und zerlegt dabei alles, was sich euch in den Weg stellt. Das Grundprinzip erinnert weiterhin deutlich an Diablo, wurde aber bewusst zugänglicher gestaltet. Trotzdem steckt überraschend viel Tiefe im Kampfsystem. Neue Waffen, Rüstungsteile und Ausrüstungsgegenstände lassen sich nun gezielter miteinander kombinieren. Dadurch entstehen unterschiedliche Builds, die sich tatsächlich spürbar anders spielen.

Besonders die Talismane sorgen für zusätzliche Möglichkeiten. Giftpfeile, Rauchbomben, Spezialangriffe und andere Fähigkeiten können im richtigen Moment einen enormen Unterschied machen. Wer möchte, kann seinen Charakter gezielt auf Nahkampf, Distanzangriffe oder spezielle Effekte ausrichten. Neu hinzugekommen ist ausserdem eine Sprungfunktion. Was zunächst unspektakulär klingt, verändert das Kampfsystem stärker als erwartet. Aus der Luft lassen sich mächtige Angriffe ausführen, wodurch die Gefechte dynamischer und deutlich beweglicher wirken. Gerade das Experimentieren mit neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen hat mir überraschend viel Spass gemacht. Ständig findet man irgendein neues Schwert, einen Bogen oder ein Rüstungsteil, das man unbedingt ausprobieren möchte. Genau dieser Kreislauf aus Kämpfen, Loot und Verbesserungen funktioniert hervorragend.

Natürlich dürfen die klassischen Minecraft Kreaturen nicht fehlen. Zombies, Skelette, Creeper und sogar der berüchtigte Hühnerjockey stehen wieder auf der Abschussliste. Daneben warten zahlreiche neue Gegner sowie grössere Bosskämpfe. Einige bekannte Kreaturen erscheinen zudem mit einem geheimnisvollen blauen Schimmer und halten deutlich mehr aus als ihre normalen Varianten. Überraschend ist dabei der stellenweise durchaus knackige Schwierigkeitsgrad. Wer einfach blind durch die Gegnerhorden rennt, landet schneller im Game Over als gedacht. Gesundheit, Ausrüstung und Fähigkeiten müssen ständig im Auge behalten werden. Der Tod fällt allerdings nicht besonders hart aus. Nach einer Niederlage könnt ihr relativ problemlos wieder an einem Speicherpunkt einsteigen. Frust kommt deshalb nur selten auf. Für sehr junge Spieler könnten einige Abschnitte trotzdem anspruchsvoll werden. Wer Minecraft bislang hauptsächlich als gemütliches Bau- und Erkundungsspiel kennt, könnte überrascht sein.

Die wohl interessanteste Neuerung betrifft den Aufbau der Spielwelt. Im ersten Minecraft Dungeons begann jedes Abenteuer im Lager. Dort wählte man eine Mission aus und wurde anschliessend direkt ins entsprechende Gebiet geschickt. Minecraft Dungeons II verabschiedet sich von diesem Prinzip. Stattdessen bewegt ihr euch nun durch eine zusammenhängende Oberwelt, welche die verschiedenen Regionen und Missionen miteinander verbindet. Eine echte offene Welt ist das zwar nicht und die Wege bleiben relativ klar vorgegeben, dennoch fühlt sich das Abenteuer dadurch wesentlich zusammenhängender an. Biome gehen ineinander über, Wege führen zu neuen Missionen und sogar das Sift wird organisch in die Reise eingebunden. Das mag zunächst nach einer kleinen Änderung klingen, trägt aber enorm zur Atmosphäre bei. Statt einfach nur einzelne Level abzuarbeiten, bekommt man tatsächlich das Gefühl, durch eine grosse Welt zu reisen.

Wer keine Lust auf lange Wege hat, kann natürlich Schnellreisepunkte verwenden. Wer hingegen gerne erkundet, findet zwischen den Missionen zusätzliche Gegner, versteckte Schätze und andere kleine Überraschungen. Gerade für Minecraft passt dieses System hervorragend. Entdecken gehört schliesslich seit jeher zu den wichtigsten Bestandteilen der Serie. Und im Team macht sowas gleich nomal mehr Laune als alleine. Gemeinsam durch Monsterhorden zu pflügen, die Welt zu erkunden, Beute einzusammeln und neue Ausrüstung auszuprobieren, macht einfach deutlich mehr Spass. Gerade Familien oder jüngere Spieler dürften hier viele gemeinsame Stunden verbringen. Das Spiel ist uach zugänglich genug, damit selbst Spieler ohne Erfahrung mit klassischen Action Rollenspielen schnell zurechtkommen.
Fazit:
Minecraft Dungeons II bleibt ein zugänglicher und durchaus unterhaltsamer Action RPG Ableger, spielt aber weiterhin deutlich unter seinen Möglichkeiten. Das Kampfsystem ist simpel, viele Gegner halten unnötig viel aus und echte spielerische Tiefe sucht man trotz verschiedener Builds meist vergeblich. Positiv fallen die abwechslungsreichen Schauplätze, die stabile technische Umsetzung und vor allem der Koop Modus für bis zu vier Spieler auf. Gerade gemeinsam macht das Abenteuer deutlich mehr Spass. Solo fehlt es dagegen schnell an Abwechslung und Anspruch. Unterm Strich ist Minecraft Dungeons II ein solides Koop Spiel für Einsteiger oder gerade jüngere Spieler, aber kein Titel, der sich mit den grossen Genre-Vertretern messen kann.

Minecraft Dungeons II ist für PC, PS5, XBOX Series und Switch 2 erhältlich. Wir haben das Spiel auf der XBOX Series X getestet. Unser Test-Muster stammt von Microsoft, wofür wir uns herzlich bedanken!








Kommentare