The(G)net Review: New Joe & Mac: Caveman Ninja
Aktualisiert: vor 2 Stunden
Achtung: Opa-Modus: Ach ja, damals, als wir unser mühsam erspartes Taschengeld noch in blinkende Arcade Automaten stopften und uns über jedes verdammte Game Over ärgerten. Einer dieser gnadenlosen Münzenfresser war Joe & Mac: Caveman Ninja von Data East aus dem Jahr 1991. Zwei durchgeknallte Höhlenmenschen, jede Menge Dinosaurier und ein Schwierigkeitsgrad, bei dem man schnell zum Tyrannosaurus wurde. Über 30 Jahre später schickt Microids die beiden Steinzeitchaoten erneut auf die Jagd. Ob das gut geht?

Keulen raus, die Mädels sind weg! Die Geschichte ist so herrlich bescheuert, wie wir sie in Erinnerung haben. Ein rivalisierender Stamm hat sämtliche Frauen aus dem Dorf unserer beiden Steinzeithelden entführt. Für Joe und Mac bedeutet das: Keulen schnappen, losmarschieren und alles vermöbeln, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum sitzt. Was folgt, ist eine wilde Prügelei durch eine kunterbunte Urzeitwelt, in der uns aggressive Höhlenmenschen, fliegende Echsen und gigantische Dinosaurier ans Leder wollen. Historische Korrektheit? Kaum. Dafür gibts jede Menge schrägen Humor und herrlich überzeichnete Kreaturen, die uns bereits vor drei Jahrzehnten ein Grinsen ins Gesicht zauberten.

Entwickler Mr. Nutz Studio, bekannt durch das Toki Remake und Asterix & Obelix: Slap Them All!, hat den Arcade Klassiker runderneuert. Unter der frischen Comicfassade steckt allerdings noch immer dasselbe Spielprinzip von damals. Mit all seinen Stärken und leider auch seinen Schwächen. Das hier ist Arcade Action der ganz alten Schule. Wir rennen von links nach rechts, hüpfen über Abgründe, schleudern unsere Waffen auf alles, was sich bewegt, und hauen am Ende eines Abschnitts einem meist ziemlich gross geratenen Dinosaurier ordentlich auf die Schnauze. Herrlich unkompliziert und zunächst auch ziemlich unterhaltsam.

Neben unserer Standardwaffe dürfen wir unterwegs diverse andere Mordwerkzeuge aufsammeln. Bumerangs, Steinräder oder Dinosaurierzähne sorgen für etwas Abwechslung und unterscheiden sich in Reichweite, Geschwindigkeit und Durchschlagskraft. Besonders wenn sich mehrere Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln, geht die Post ab. Allerdings haben unsere beiden Muskelprotze ein kleines Problem: Sie sind ständig hungrig! Unsere Lebensenergie nimmt kontinuierlich ab, auch dann, wenn uns gerade niemand verprügelt. Deshalb müssen wir laufend Früchte, Fleischstücke und andere Leckereien einsammeln. Wer sich zu viel Zeit lässt, kippt irgendwann einfach aus den Latschen. Eine ziemlich fiese Mechanik, die uns zusätzlich unter Druck setzt. Schon nach dem ersten Level wird klar, dass die Entwickler beim Schwierigkeitsgrad keinerlei Gnade walten lassen. Gegner springen uns aus allen möglichen Richtungen entgegen, Projektile fliegen durch die Gegend und manche Plattformpassagen verlangen ein Timing, das selbst gestandene Arcade Veteranen ins Schwitzen bringt.

Besonders nervig sind Situationen, in denen wir einen Gegner gerade noch erfolgreich erledigt haben, nur um Sekundenbruchteile später vom nächsten Vieh erwischt zu werden. Dazu kommt eine Steuerung, die sich nicht immer so direkt anfühlt, wie wir es gerne hätten. Gerade bei kniffligen Sprüngen oder hektischen Bosskämpfen kann das ziemlich unangenehm werden. Auch die Kollisionsabfrage scheint gelegentlich ihren eigenen Kopf zu haben. Da glauben wir, einem Angriff sauber ausgewichen zu sein, und kassieren trotzdem einen Treffer. Umgekehrt stehen wir manchmal erstaunlich unbeschadet mitten im gegnerischen Getümmel. So richtig nachvollziehbar ist das alles nicht immer.

Natürlich gehörte ein knackiger Schwierigkeitsgrad schon damals zum guten Ton. Schliesslich wollten die Automatenhersteller möglichst viele Münzen aus unseren Hosentaschen ziehen. Heute wirkt dieses Konzept allerdings ziemlich antiquiert. Besonders dann, wenn uns nach dem Verlust sämtlicher Leben und Continues nichts anderes übrig bleibt, als wieder ganz von vorne anzufangen. Da hilft nur eines: Zähne zusammenbeissen, Gegnerbewegungen auswendig lernen und dieselben Abschnitte so lange wiederholen, bis sie praktisch im Schlaf funktionieren.

Zum Glück lässt sich das Abenteuer auch zu zweit bestreiten. Im lokalen Koop Modus macht die ganze Dinosaurierklopperei gleich wesentlich mehr Laune. Gemeinsam durch die Levels zu stürmen, sich gegenseitig aus brenzligen Situationen zu helfen und dabei trotzdem regelmässig ins Gras zu beissen, hat definitiv seinen Reiz. Gerade hier zeigt sich, weshalb Joe & Mac damals so beliebt war. Einen Onlinemodus gibts allerdings nicht.

So unterhaltsam die prähistorische Klopperei zwischendurch auch sein mag, spätestens beim Blick auf den Umfang folgt die Ernüchterung. Neben dem klassischen Arcade Modus gibt es lediglich einen erweiterten Modus, der einige Levels verlängert und zusätzliche Abschnitte bietet. Das ist nett, aber eben auch nicht viel mehr. Wer die Angriffsmuster der Gegner erst einmal verinnerlicht hat und einigermassen geschickt mit seiner Keule umgeht, kann das komplette Abenteuer in ungefähr einer Stunde bewältigen. Bis es so weit ist, dürften allerdings etliche Bildschirmtode und mindestens ebenso viele Flüche ins Land ziehen.

Trotzdem hätten wir uns von einem modernen Remake deutlich mehr erhofft. Zusätzliche Herausforderungen, freischaltbare Extras, eine Galerie mit historischen Artworks oder ein paar interessante Hintergrundinformationen zur Entstehung des Originals wären durchaus willkommen gewesen. Stattdessen präsentiert sich die ursprüngliche Veröffentlichung ziemlich spartanisch. Gerade bei einem Remake, das einen über 30 Jahre alten Arcade Klassiker wiederbeleben soll, darf man ruhig etwas mehr erwarten als frische Tapeten und ein paar zusätzliche Spielminuten.

Optisch hat sich gegenüber dem pixeligen Original einiges verändert. Sämtliche Figuren, Gegner und Hintergründe wurden vom französischen Künstler Philippe Dessoly komplett neu gezeichnet. Das Ergebnis ist eine knallbunte Comicwelt mit liebevoll gestalteten Landschaften, witzigen Charakteren und teilweise gigantischen Bossgegnern. Besonders die grossen Dinosaurier machen ordentlich Eindruck. Auch die zahlreichen kleinen Details und der schräge Humor gefallen. Doch so hübsch die neue Optik auf Screenshots auch aussehen mag, in Bewegung verliert sie viel von ihrem Charme. Die Animationen wirken stellenweise erstaunlich steif und erinnern eher an ein Flash Spiel aus den frühen 2000ern als an ein modernes Remake. Gerade bei unseren beiden Hauptfiguren fällt das unangenehm auf. Dazu kommt, dass die ursprünglichen Pixelgrafiken einen ganz eigenen Charakter besassen, der mit dem neuen Comiclook teilweise verloren geht. Während das ähnliche Konzept beim Remake von Toki noch ziemlich gut funktionierte, wirkt es bei Joe und Mac nicht immer ganz so stimmig.
Fazit:
New Joe & Mac: Caveman Ninja ist eine sympathische, aber ziemlich unausgereifte Wiederbelebung eines echten Arcade Klassikers. Die beiden Höhlenmenschen versprühen noch immer ihren herrlich bekloppten Charme, die Dinosaurier sehen prächtig aus und besonders zu zweit macht die prähistorische Klopperei durchaus Spass. Leider haben die Entwickler nicht nur das Spielprinzip, sondern auch sämtliche Macken aus dem Jahr 1991 übernommen. Die Steuerung ist hakelig, die Kollisionsabfrage fragwürdig und der extrem hohe Schwierigkeitsgrad kann einem gehörig auf den Zeiger gehen. Dazu kommt ein erschreckend magerer Umfang, der kaum Anreize für längere Spielsessions bietet. Nostalgiker und hartgesottene Arcade Fans dürfen durchaus einen Blick riskieren. Wer hingegen ein zeitgemässes Remake mit spürbaren Verbesserungen erwartet, wird ziemlich schnell auf dem harten Steinzeitboden landen.

New Joe & Mac Caveman Ninja ist für PC, PS4, PS5, XBOX One, XBOX Series X|S und Nintendo Switch erschienen. Wir haben uns das Spiel selbst gekauft und auf der XBOX Series X getestet.








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