The(G)net Review: Onimusha: Way of the Sword
- Sascha Böhme

- vor 2 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Capcom befindet sich seit einiger Zeit in Bestform und auch Onimusha: Way of the Sword reiht sich problemlos in die jüngste Erfolgsserie ein. Die traditionsreiche Reihe feiert hier nach 8-jähriger Pause ihre Rückkehr und präsentiert sich gleichzeitig als moderner Neustart, der auch für Neueinsteiger bestens funktioniert. Frühere Ableger spielen kaum eine Rolle, bekannte Grundideen und die düstere Dämonenwelt bleiben jedoch erhalten.

Die Geschichte rund um Miyamoto Musashi bleibt bewusst simpel. Der legendäre Samurai wird gleich zu Beginn von den dämonischen Genma getötet, erhält durch einen magischen Oni Handschuh jedoch eine zweite Chance. Mit dessen Hilfe kann er die Seelen besiegter Gegner absorbieren und gerät mitten in einen Konflikt zwischen Menschen, Oni und Genma. Während die Dämonen das ganze Land überrennen und haufenweise Menschen sterben muss Musashi verhindern, dass sich die Tore zur Hölle öffnen. Das mag erzählerisch keine grossen Überraschungen bieten, funktioniert aber hervorragend als Grundlage für das eigentliche Herzstück des Spiels: die Kämpfe.

Viele Actionspiele machen bei ihren Kampfsystemen denselben Fehler: Sie wollen zu viel. Noch mehr Fähigkeiten, noch mehr Mechaniken, noch mehr Tastenkombinationen. Doch mehr bedeutet nicht automatisch besser. Im Gegenteil. Wenn einzelne Systeme nicht sauber ineinandergreifen, entsteht schnell ein überladenes Konstrukt, das zwar beeindruckend aussieht, sich aber unnötig kompliziert spielt. Crimson Desert war für mich in diesem Jahr ein gutes Beispiel dafür. Versteht mich nicht falsch, ich liebe dieses Spiel und die schiere Anzahl an Möglichkeiten ist zweifellos beeindruckend, doch nicht alles fühlt sich gleichermassen intuitiv oder befriedigend an. Genau in diesem Aspekt lässt Onimusha: Way of the Sword seine Muskeln spielen.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Mechanik, die Veteranen der Serie bestens kennen: der Issen. Wer einen gegnerischen Angriff im exakt richtigen Moment mit einem eigenen Schlag beantwortet, entgeht dem Treffer und kontert unmittelbar mit einem vernichtenden Schlag. Normale Gegner lassen sich damit häufig sofort ausschalten, während Bosse erheblichen Schaden einstecken müssen. Das Entscheidende ist das Risiko. Während eine nicht perfekt getimte Abwehr häufig trotzdem noch einen Angriff blockiert, kennt der Issen kaum Gnade. Wer das Zeitfenster verpasst, kassiert den gegnerischen Treffer mit voller Wucht. Damit entsteht genau jene Mischung aus Risiko und Belohnung, die gute Actionspiele so spannend macht.

Ergänzt wird das System durch klassisches Parieren. Das lässt sich deutlich leichter ausführen und verursacht Haltungsschaden. Anfangs stellte sich mir deshalb die Frage, warum ich überhaupt das grössere Risiko eines Issen eingehen sollte. Die Antwort ist einfach: Weil er sich fantastisch anfühlt. Spätestens mit freigeschaltetem Issen Kombo, bei denen Musashi innerhalb weniger Augenblicke mehrere Gegner hintereinander ausschaltet, entwickelt das Kampfsystem einen regelrechten Sog. Doch die Stärke von Way of the Sword liegt nicht allein darin, dass seine spektakulärsten Angriffe hervorragend aussehen.

Nach einigen Stunden wird deutlich, wie präzise sämtliche Mechaniken aufeinander abgestimmt sind. Angriff, Block, Parieren, Ausweichen und Issen besitzen jeweils ihre eigene Berechtigung. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gegen einen Boss begann ich automatisch zu erkennen, welche Attacken sich für einen Issen eignen, wann eine Ablenkung sinnvoller ist und wann schlichtes Ausweichen die bessere Entscheidung darstellt. Natürlich werden Souls-erprobte Spieler (wie unser Armin) vermutlich jeden Angriff mit perfektem Timing kontern können. Für mich und alle anderen schafft Capcom jedoch ein Kampfsystem, das einen ganz nebenbei dazu bringt, sein gesamtes Repertoire zu nutzen. Und genau dieses Gefühl, einen Kampf tatsächlich verstanden zu haben, gehört zu den grössten Stärken von Onimusha: Way of the Sword.

Damit diese Mechaniken auch langfristig funktionieren, führt Capcom kontinuierlich neue Gegnertypen ein. Die Lernkurve ist gelungen. Einige Genma tragen schwere Rüstungen, andere versuchen Musashi zu packen, durchbrechen seine Deckung oder greifen ihn gemeinsam aus mehreren Richtungen an. Ein einzelner Gegner stellt meistens kaum eine Gefahr dar. Sobald mehrere Dämonen gleichzeitig angreifen, sieht die Sache jedoch anders aus. Gerade diese Gruppenkämpfe sorgen dafür, dass man ständig zwischen Angriff und Verteidigung wechseln muss. Wer einfach nur blind auf die Angriffstaste hämmert, landet früher oder später im Dreck.

Musashi ist zudem nicht ausschliesslich auf sein Schwert angewiesen. Neben einem Bogen stehen im Verlauf des Abenteuers mehrere zusätzliche Waffen zur Verfügung, die dem Kampfsystem weitere taktische Möglichkeiten verleihen. Diese Spezialwaffen müssen über absorbierte Seelen aufgeladen werden. Dadurch kann man sie nicht permanent einsetzen und muss sich bereits während eines Kampfes überlegen, wofür die wertvolle Energie verwendet werden soll. Brauche ich mehr Schaden? Möchte ich mehrere Gegner gleichzeitig treffen? Oder ist eine defensive Option gerade wichtiger Keine dieser Möglichkeiten wirkt überflüssig. Vielmehr ergänzen sie Musashis grundlegendes Moveset sinnvoll und geben uns genügend Freiheit, einen eigenen Kampfstil zu entwickeln.

Ein hervorragendes Kampfsystem allein reicht natürlich nicht aus, wenn Geschichte und Spielwelt nicht mithalten können. Auch hier leistet sich Way of the Sword jedoch kaum Schwächen. Ja, die Story ist wie eingangs erwähnt simpel gestrickt, lebt dabei aber weniger von überraschenden Wendungen als von ihren Figuren. Besonders Musashi entwickelt sich im Verlauf des Spiels hervorragend. Zu Beginn kann seine arrogante und selbstbewusste Art durchaus anstrengend wirken, doch gerade dadurch funktioniert seine Entwicklung umso besser. Nach und nach wächst er zu einem sympathischen und überraschend vielschichtigen Protagonisten heran. Auch seine Begleiter erhalten genügend Raum, um eigene Akzente zu setzen. Einige der besten erzählerischen Momente verstecken sich sogar abseits der Haupthandlung.
Zwischen den grossen Missionen darf Musashi verschiedene Bereiche von Kyoto erkunden. Dabei warten kleinere Geheimnisse, Sammelobjekte und umfangreichere Nebenaufgaben. Capcom findet hier ein angenehmes Mass. Es gibt genug zu entdecken, damit sich die Erkundung lohnt, ohne den Spieler mit einer endlosen Karte voller Symbole zu erschlagen. Wohlgemerkt; das hier ist kein Open World Spiel. Selbst nach Abschluss der rund 20-stündigen Geschichte hatte ich aber noch einige offene Aufgaben, auf die ich gerne eingehen wollte. Gerade in einer Zeit, in der viele Spiele ihre Welten künstlich mit langweiligen Beschäftigung füllen, wirkt diese Zurückhaltung ausgesprochen angenehm.
Fazit: Diese Mimik! 🤣👍 Seit L.A. Noir haben mich Gesichter nicht mehr so fasziniert wie hier in Onimusha. Das Entscheidende ist aber was komplett anderes und lässt sich nur schwer in Worte fassen: Onimusha: Way of the Sword fühlt sich einfach verdammt gut an. Vor allem das hervorragend abgestimmte Kampfsystem begeistert mit präzisen Kontern, hohem Anspruch und enorm befriedigenden Issen Angriffen. Da muss sich selbst das brillante Kampfsystem aus Ghost of Tsushima in Ehrfurcht verbeugen. Dazu kommen starke Charaktere, abwechslungsreiche (und viele!) Bosskämpfe, eine absolut hammermässige Präsentation und eine angenehm kompakte Spielwelt, die nicht mit belanglosen Aufgaben zugemüllt wird. Die Geschichte selbst bleibt zwar eher klassisch, ja gar simpel, trägt das Abenteuer aber problemlos bis zum Ende. Nach Requiem und Pragmata ein weiterer Win für Capcom in diesem Jahr, denn Onimusha: Way of the Sword gehört zu den besten Spielen 2026 und beweist eindrucksvoll, dass die IP bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

Onimusha: Way of the Sword ist für PC, PS5, Xbox Series X|S und Switch 2 erschienen. Wir haben uns das Spiel auf dem PC angesehen. Das Test-Muster stammt von Capcom, wofür wir uns herzlich bedanken.







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