The(G)net Review: Scott Pilgrim vs. The World: The Game – Complete Edition

Dank River City Girls und Streets of Rage 4 erlebte das Beat’em Up Genre kürzlich ein kleines Revival. Mehr Futter für prügelfreudige 2D-Fans gibt es ab sofort in der Complete Edition mit der Schellenorgie rund um den Jungspund Scott Pilgrim und seinen Kumpanen.



Man kennts: Ein paar unterschiedliche Charaktere, Schlag, Kick, Sprung, Block und ein paar Supermoves und fertig ist die Beat’em Up-Kiste. Scott Pilgrim ist ein wenig anders aufgebaut. Zwar rennt ihr hauptsächlich von links nach rechts, haut zahlreichen Gegnern die Hucke voll und legt am Ende den obligatorischen Endboss aufs Kreuz, doch zusätzlich lassen die besiegten Unholde Münzen regnen. Mit dem erkämpften Geld kauft ihr euch in den Levels bei Händlern Upgrades, Snacks für Energieauffrischung oder füllt euren MP-Meter wieder auf.



Jeder besiegte Bösewicht schaufelt zudem Erfahrungspunkte auf euer Konto, was euch automatisch beim Levelaufstieg neue Moves beschert und eure Stats wie Schlagkraft, Lebensenergie und Superpower erhöht. Wer sich die vielen unterschiedlichen Hau Drauf-Kombinationen nicht alle merken kann, schaut schnell in der Movesliste im Optionsmenu nach. In einer Oberwelt wie in Super Mario 3 lenkt ihr Scott auf einer Level-Map von Mission zu Mission, die meistens in 2 Abschnitte unterteilt sind. Erst wenn ihr jeweils ein Level komplett abgeschlossen habt, dürft ihr wahlweise beim Anfang oder beim Checkpoint starten, ansonsten heisst es direkt wieder zum Levelanfang. Zum Glück bleiben uns alle Upgrades und Levelaufstiege erhalten.



Wie schon erwähnt, besteht in jedem Level die Möglichkeit zum Shopping. Die Boutiquen und Fresstempel sind aber teilweise so gut in den Background integriert, dass es vorkommen kann, dass ihr einfach daran vorbeihampelt. So entdeckt ihr bei der kleinen Hintergrund-Erkundungstour geheime Schwarzmarktshops oder Bonuszonen, wo ihr euren Kontostand in einer Minisequenz aufbessern könnt. Scott & Co könnten sich prinzipiell nur auf ihre Kampfkünste verlassen. Es liegen aber so viele verschiedene Schlagwerkzeuge (Baseballschläger, Tonnen, Skateboards, Kleiderständer, usw.) in den Levels rum, dass es beinahe kriminell wäre, würde man diese Hilfen nicht in Anspruch nehmen. Wer die Kisten, Regenschirme und Steinbrocken geschickt nutzt, mäht die Halunken gleich reihenweisen um. Das kann dazu führen, dass ihr ein halbes Dutzend Gegner wie eine Flipperkugel gegen die Wand jongliert und die armen Kerle chancenlos ihre Niederlage einstecken müssen.



Unsere Helden wechseln nicht nur auf Knopfdruck vom normalen Rumlaufen ins schnellere Joggen, sondern retten sich mit einem Befreiungsschlag, der an der MP-Leiste knabbert, aus misslichen Situationen oder rufen einen KI-Buddy zur temporären Unterstützung herbei. Der Starke ist am mächtigsten alleine; 2D-Rambos ziehen das Ganze solo durch. Wem aber die Gegnerschar zu mächtig erscheint, lädt noch 1 bis 3 zusätzliche Mitspieler ein oder steigt online ein und prügelt sich mit einem zufälligen Partner durch die Story. Als Aftergame Content gibt es einen Bossrush Modus, eine 4-Spieler Alle gegen Alle-Keilerei, einen Zombie Survival Modus und eine Art Völkerball-Minigame.



Fazit:

Mit einem Namen wie Scott Pilgrim dachte ich zuerst an eine Bibelsimulation, als an prügelnde Schulkids. Hier ist der Name definitiv nicht Programm. Jedoch halb so wild, denn hinter dem kruden Namen verbirgt sich ein solides Beat’em Up. Zwar wird der Grafikstil und ich - auch nach einem Komplettdurchgang - keine Freunde, trotzdem Hut ab vor der schieren Fülle an unterschiedlichen Gegnern, Items, Hintergründen und ausschweifenden Details. Die Oberwelt hätte es bei nur 8 Levels nicht gebraucht, aber der Nostalgie wegen passt das schon. Weitaus störender ist die ungenaue Steuerung. Warum die Rennoption auf das Steuerkreuz gelegt wurde, entzieht sich meines Wissens. So wechsle ich immer von Analogstick aufs Steuerkreuz, wenn ich vom Sprinten in den Normalgang übergehen will. Ein bisschen zuviel der Joypadartistik für meinen Geschmack. Der L2 Trigger wäre übrigens noch frei und die weitaus besser Option gewesen. Anstrengend sind auch die ungenauen Hitboxen. Wenn ich nicht fast pixelgenau vor dem Gegner stehe, treffe ich ihn nicht. Teilweise kommen gewisse Schlägertypen so zackig angestürmt, dass ich gnadenlos auseinandergenommen werde, denn das Zeitfenster zum Blocken ist in solchen Situationen sehr kurz. Dies fällt hauptsächlich beim Solodurchgang auf, im Koop stört es kaum.



Die Multiplayer-Modi und -Zusätze haben mich überhaupt nicht überzeugt. Bis auf dem Bossrush, der gerade noch so durchgeht, sind die anderen drei farblose Angelegenheit im lahmen Minigameformat. Pilgrim ist wie schon Bubble Bobble 4 Friends oder Sackboy am spassigsten mit mehreren Mitspielern. Solokämpfer mit Hang zur zeitgenössischen Ästhetik entscheiden sich aber trotzdem eher für die in der Einleitung erwähnte Konkurrenz.




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