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The(G)net Review: Shadow Gangs

11. Mai 2020
3 Min. Lesezeit

Bereits nach wenigen Minuten wird klar, woher Shadow Gangs seine Inspiration bezieht. Vom Intro über die Charakteranimationen und Gegnerdesigns bis hin zum Aufbau der Levels erinnert praktisch alles an Shinobi. Kann Shadow Gangs ebenso überzeugen, wie SEGAs Spielhallen-Klassiker oder versteckt sich hinter der nostalgischen Fassade lediglich ein dreister Abklatsch?


Shadow Gangs Test, Review, Testbericht. Wertung und Fazit.

Gegen eine geistige Fortsetzung von Shinobi habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil! Ein klassisches Ninja-Actionspiel im Stil der späten 80er-Jahre hat für mich immer einen Reiz und Shadow Gangs orientiert sich so konsequent an seiner Vorlage, dass eine eigenständige Identität praktisch nicht vorhanden ist. Shadow Gangs richtet sich also ganz offensichtlich an eine sehr spezielle Zielgruppe. Wer seinerzeit Shinobi auf dem Master System, Mega Drive oder in der Spielhalle bis zum Umfallen gespielt hat, wird hier zahlreiche vertraute Elemente entdecken. Und vielleicht ist genau diese kompromisslose Rückkehr zu den alten Arcade-Tugenden das, wonach einige Retro-Fans schon lange gesucht haben.


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Die Handlung ist schnell erklärt: Unser Ninja muss seine Familie aus den Fängen einer gefährlichen Verbrecherorganisation befreien. Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen. Die Geschichte wird mit einem etwas merkwürdig übersetzten Lauftext präsentiert und ist derart klischeehaft, dass man sie getrost ignorieren kann. Mal kämpfen wir uns durch düstere Fabrikanlagen voller Roboter, dann wieder durch von Gangstern kontrollierte Stadtgebiete oder Sümpfe, in denen uns plötzlich Echsenmenschen attackieren. Ein nachvollziehbarer Zusammenhang fehlt weitgehend. Andererseits gehörte genau dieser wilde Mix früher beinahe schon zum guten Ton eines Arcade-Spiels. Hauptsache, es gibt genügend Gegner zum Vermöbeln!


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Die Steuerung funktioniert erfreulich präzise. Unser Ninja bewegt sich geschmeidig durch die seitlich scrollenden Levels, wirft Shuriken auf entfernte Gegner und greift im Nahkampf zu Fäusten und dem Katana. Unterwegs lassen sich verschiedene Power-Ups einsammeln, die zusätzliche Fähigkeiten freischalten. So verwandelt sich unser Held beispielsweise in einen deutlich kräftigeren Ninja, erhält Unterstützung durch eine Drohne oder lässt explosive Landminen auf seine Gegner niederregnen. Typisch für Shinobi dürfen wir ausserdem zwischen verschiedenen Ebenen innerhalb eines Levels wechseln und gefangene Ninja-Brüder befreien.


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Kommen wir zum grössten Problem von Shadow Gangs: dem Schwierigkeitsgrad. Der ist extrem knackig. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad genügt bereits ein einziger Treffer, um unseren Ninja ins virtuelle Jenseits zu schicken. Anschliessend beginnt der Level komplett von vorne. Checkpoints gibt es nicht. Sind sämtliche Leben aufgebraucht, geht es sogar zurück an den Anfang der jeweiligen Welt, die aus drei Levels und einem Bosskampf besteht. Selbst auf den leichteren Schwierigkeitsgraden stehen nur wenige Versuche zur Verfügung. Heilgegenstände oder andere Möglichkeiten, verlorene Energie zurückzugewinnen, sucht man vergebens. Besonders ärgerlich sind Gegner mit speziellen Schwachstellen. Manche lassen sich beispielsweise nicht mit Shuriken erledigen, während andere nur aus einer ganz bestimmten Position getroffen werden können.


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Grundsätzlich habe ich nichts gegen knackige Herausforderungen. Schliesslich waren viele Arcade-Klassiker damals alles andere als zimperlich. Shadow Gangs übertreibt es allerdings stellenweise gewaltig. Gegner erscheinen plötzlich direkt vor unserer Nase, springen unvermittelt aus dem Hintergrund oder attackieren uns aus Positionen, die beim ersten Versuch kaum vorhersehbar sind. Statt auf schnelle Reflexe und spielerisches Können setzt Shadow Gangs deshalb vor allem auf Auswendiglernen. Wer erfolgreich sein möchte, muss sich die Positionen sämtlicher Gegner, ihre Bewegungsabläufe und den richtigen Zeitpunkt für jeden Angriff einprägen. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzelnen Levels überraschend lang ausfallen. Wer kurz vor dem Ende das Zeitliche segnet, darf sich erneut durch sämtliche Gegnerformationen kämpfen. Das kostet nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit.


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Trotz dieser offensichtlichen Ideenarmut muss man Shadow Gangs zugutehalten, dass die Präsentation durchaus gelungen ist. Die farbenfrohe Optik kommt zwar nicht im Pixel-Look daher (was ich persönlich immer bevorzuge), versprüht aber dennoch jede Menge Retro-Charme. Dazu gesellt sich ein treibender Soundtrack mit rockigen MIDI-Klängen, der stellenweise auch aus einem alten Streets of Rage stammen könnte. Audiovisuell trifft Shadow Gangs den Nerv der damaligen Arcade-Generation ziemlich genau.




Fazit:

Als alter Arcade-Fan habe ich mich eigentlich darauf gefreut, wieder einmal in die Rolle eines klassischen Ninjas zu schlüpfen und mich mit Shuriken und Katana durch Horden von Gegnern zu kämpfen. Shadow Gangs liefert grundsätzlich genau dieses Erlebnis. Trotzdem bleibt bei mir ein zwiespältiger Eindruck zurück. Das Spiel kopiert Shinobi dermassen offensichtlich, dass ich mich ständig an das wesentlich bekanntere Vorbild erinnert fühlte. Eine eigenständige Identität sucht man vergebens. Dazu gesellt sich ein teilweise absurd hoher Schwierigkeitsgrad, der meine Geduld mehr als einmal auf eine harte Probe stellte. Ich liebe klassische Arcade-Spiele und habe überhaupt kein Problem damit, wenn mich ein Titel ordentlich fordert. Zwischen anspruchsvoll und unfair besteht allerdings ein gewaltiger Unterschied. Shadow Gangs überschreitet diese Grenze für meinen Geschmack etwas zu häufig. Wer Shinobi vergöttert, die Levels auswendig lernen möchte und sich von zahlreichen Bildschirmtoden nicht abschrecken lässt, dürfte hier dennoch seinen Spass haben. Allen anderen würde ich empfehlen, lieber noch einmal den guten alten Sega-Klassiker hervorzuholen.


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Shadow Gangs ist als Download für PC, PS4, PS5, XBOX One, XBOX Series und Nintendo Switch erhältlich. Wir haben uns das Spiel selbst gekauft und auf der XBOX Series X getestet.


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