The(G)net Review: Starship Troopers: Ultimate Bug War!
- Sascha Böhme
- vor 1 Stunde
- 4 Min. Lesezeit
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Für Monster-Movie Fans wie mich gehört Paul Verhoeven's Sci-Fi Flick aus dem Jahr 1997 zur Spitze des Genre Eisbergs. Diesen Film sollte wirklich jeder gesehen haben, zumal er auch noch extrem gut gealtert ist. Gleichzeitig sind Film-Versoftungen immer so eine Sache, vor denen es uns Gamer üblicherweise gruselt. Seid beruhigt, Starship Troopers: Ultimate Bug War! bietet alles, was sich ein Fan nur wünschen kann.

Im Hintergrund grölen Soldaten ihre Parolen, Kameraden schreien sich ins digitale Jenseits, und dann steht da auch noch Casper Van Dien in Uniform vor mir, als wäre die Zeit 1997 einfach stehen geblieben. Genau das ist der Punkt. Starship Troopers: Ultimate Bug War! lebt von seiner Stimmung. Von diesem herrlich überdrehten Mix aus Kriegspropaganda, Splatter und Retro Charme, der so unverschämt laut auftritt, dass man gar nicht anders kann, als breit zu grinsen.

Ultimate Bug War! sieht aus und spielt sich wie eine Hommage an jene Ego-Shooter-Zeit, in der Spiele noch nach Kunststoffhülle und frisch gedruckter Anleitung rochen. Es wirkt wie genau jenes Starship Troopers Spiel, das wir uns früher immer vorgestellt haben, irgendwo zwischen Halo und Helldivers. Das faszinierende daran ist, dass dabei nicht einmal die kantigen Low-Poly Modelle stören, auch wenn ich mir einen moderneren Look durchaus gewünscht hätte. Bug War! ist ein liebevoller Rückblick auf die alte Shooter Schule und transferiert Paul Verhoevens bitterböse Kritik an militaristischer Hochglanzpropaganda nahezu perfekt in ein Videospiel.

Schon in den ersten Minuten werden Starship Troopers Fans abgeholt. General Johnny Rico bedankt sich in der FMV Einführung persönlich dafür, dass wir Ultimate Bug War! gekauft haben. Nicht irgendein Spiel, sondern ein Produkt entwickelt von einem staatlich geförderten Studio namens FedDev. Die Idee ist brillant, weil sie aus dem Spiel nicht bloss eine Adaption, sondern es gleich zum Teil der Inszenierung macht. Wir werden nicht bloss zum Spieler, sondern zu jemanden, der mit dem Kauf dieses "Produkts" den Krieg gegen die Krabbeltiere aktiv unterstützt und ganz nebenbei auf Linie gebracht werden soll.

Im Zentrum steht Samantha Dietz, eine Mobile Infantry Soldatin, die natürlich rein zufällig bei jeder entscheidenden Schlacht des Krieges dabei ist. Ihre Geschichte führt durch acht grosse Levels, offene Karten voller Missionsziele, Explosionen und Arachnidenmatsch. Vieles läuft darauf hinaus, irgendwo Sprengladungen zu setzen oder einfach alles über den Haufen zu ballern, was mehr als zwei Beine hat. Aber wie bei jeder guten Troopers Eskalation ist das Ziel am Ende zweitrangig. Es geht um den Weg dorthin. Um den chaotischen Marsch durch Wellen aus Fleisch, Chitin und Patriotismus. Immer wieder wird uns dabei erzählt, dass dies die realistischste Darstellung des Krieges überhaupt und selbstverständlich alles absolut wahr sei. Und genau darin liegt der Witz. Ultimate Bug War! trägt seine Lügen wie Orden auf der Brust, eben genau wie die Filmvorlage.

Spielerisch bleibt das Ganze logischerweise eher simpel. Die Bugs kommen aus allen Richtungen, springen, stürmen, spucken, explodieren und wir ziehen mit MG, Raketenwerfer und Granaten in einem Affenzahn unsere Kreise. Geht uns die Munition aus oder benötigen wir ein "Pflaster", platzieren wir kurzerhand eine Rauchgranate und die Föderation schickt uns in Sekundenschnelle einen Pod mit hilfreichen Utensilien vom Himmel. Mit über 30 Waffen und Items wird erstaunlich viel geboten. Und wenn uns die Insektenhorden zu überrollen drohen, können wir sogar Luftunterstützung anfordern.

Ab und zu nehmen wir in Geschütztürmen oder Mechs Platz und am Ende einer Mission besteht die Herausforderung stets darin, der biologischen Lawine an Käfern Herr zu werden. Das Spieltempo sitzt und die Action ist schnell, schmutzig und herrlich stumpf. Oft ist das Leveldesign richtig stark, mit weitläufigen Karten, aber manchmal wird dieses Retro Erbe auch ein wenig zur Stolperfalle. Wer ein Ziel ansteuert vermisst einen klaren Marker, wird gern von Schwärmen quer über die halbe Karte gedrängt und landet nicht selten auf dem ineffizientesten Weg zum Ziel.

Ein willkommener Bonus ist, dass man abgeschlossene Levels später erneut und einige davon sogar aus der Perspektive der Bugs spielen kann. In diesen Abschnitten schlüpft man in die Rolle eines Gestaltwandler Killerinsektes, also jenes Monsterwesens, das uns im Spiel als ultimative Bedrohung verkauft wird. Auch hier bleibt der satirische Unterton erhalten, denn selbstverständlich ist diese Sichtweise ebenfalls Propaganda. Das Vieh wird als hirnloser Zerstörer dargestellt, der nur existiert, um die Föderation heimzusuchen. Spielerisch ist das zwar noch reduzierter, aber überraschend befriedigend. Man rauscht, springt, fliegt und schlachtet sich durch Verteidigungsanlagen, bis der Kommandoposten weich genug für den finalen Angriff ist.

Natürlich darf man sich nichts vormachen: Die spielerische Vielfalt von Ultimate Bug War! ist nicht gigantisch. Das Grundprinzip bleibt über weite Strecken gleich und repetitiv. Doch anstatt das Ganze künstlich aufzublasen, macht das Spiel etwas sehr Vernünftiges. Es bleibt kurz. Fünf bis zehn Stunden, je nach Spielweise, und genau deshalb nutzt sich der Witz nicht ab. Sobald das Geballer droht allzu vertraut zu werden, lockt bereits die nächste FMV Sequenz mit einem herrlich-witzigen Seitenhieb auf Föderations Pathos und Militär-Propaganda.

Nach der Kampagne gibt es dann nicht mehr wahnsinnig viel zu holen, abgesehen von Geheimnissen, freischaltbaren Extras und einigen ziemlich amüsanten Entwicklerkommentaren des fiktiven FedDev Teams. Gerade diese Fundstücke lohnen sich, weil sie die Welt weiter ausbauen, erzählerische Lücken füllen und manche der absichtlich seltsamen Story Momente noch einmal auf eine neue Ebene heben. Wer mag, kann im Optionsmenü noch den Gore-Faktor erhöhen, alle Level freischalten oder sogar Cheats wie unlimitierte Munition aktivieren. Und bevor ich es vergesse: In der von uns getesteten PS5 Pro Version lief die Action wunderbar flüssig in 4K/60fps.
Fazit:
Starship Troopers: Ultimate Bug War! ist kein feingeistiger Edel Shooter, sondern ein krachender, herrlich stumpfer und erfreulich selbstironischer Bug Schredderer mit Retro Seele. Es ist kein Spiel, das man monatelang spielt, sondern ein kompakter Trip, den man sich als Fan gerne gönnt und dann mit einem zufriedenen Lächeln in die Erinnerungskiste legt. Da passt der faire Preis von knapp CHF 30.- ganz gut. Wer auf knackiges Geballer, satirischen Sci-Fi Kitsch und das gute alte Gefühl steht, mit viel zu viel Firepower in komplett eskalierende Gefechte geschickt zu werden, bekommt hier genau das richtige Futter. Es ist im Grunde genau das Spiel, dass sich jeder Starship Troopers Fan schon vor 20 Jahren gewünscht hat - minus einer modernen Optik. Well done!

Starship Troopers: Ultimate Bug War! ist für PC, PS5, Xbox Series und Switch 2 erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 Pro angesehen. Das Test-Muster stammt von DotEmu, wofür wir uns herzlich bedanken!



