The(G)net Review: Toy Story 3: Complete Edition & Retro Roundup!
Filmumsetzungen hatten schon immer einen zweifelhaften Ruf. Für jedes gute Filmspiel gab es mindestens fünf lieblose Lizenzgurken, die nur deshalb im Regal standen, weil gerade ein neuer Kinofilm angelaufen war. Heute sind es vor allem LEGO-Spiele, die bekannte Filmwelten in spielbarer Form am Leben halten. Umso spannender ist es, wenn alte Titel wieder zugänglich gemacht werden.

Gerade das Thema Spieleerhaltung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Datenträger altern, frühere Plattformen verschwinden, Lizenzen laufen aus und längst nicht jedes Spiel schafft den Sprung auf moderne Systeme. Digital Eclipse, Atari und Disney Pixar widmen sich diesem Thema nun gleich in doppelter Form. Mit Toy Story Retro Roundup! kehren mehrere Spiele aus den 1990er und frühen 2000er Jahren zurück, während sich die Toy Story 3: Complete Edition einen der späteren und spielerisch deutlich besseren Vertreter dieser Lizenzspiel Ära zur Brust nimmt. Zusammen ergibt das einen ziemlich interessanten Streifzug durch mehrere Videospiel-Generationen.
Toy Story: Retro Roundup!
Toy Story: Retro Roundup! versammelt fünf Spiele beziehungsweise verschiedene Fassungen aus mehreren Konsolengenerationen. Mit von der Partie: Toy Story aus dem Jahr 1995 für Super Nintendo, Sega Mega Drive und Game Boy, A Bug’s Life für PlayStation sowie Toy Story 2: Buzz Lightyear to the Rescue, das 1999 auf der ersten PlayStation erstmals grössere 3D Welten innerhalb des Toy Story Universums bot. Die Game Boy Color Version von Toy Story 2 blieb dagegen beim klassischen 2D Side Scroller Ansatz. Mit Buzz Lightyear of Star Command folgte 2000 eine eigenständige Geschichte, bevor Toy Story Racer die Figuren ein Jahr später in ein Kart Rennspiel steckte.

Wichtig ist dabei: Toy Story: Retro Roundup! ist keine Remaster Sammlung. Die Spiele wurden möglichst originalgetreu übernommen und nur um einige moderne Komfortfunktionen ergänzt. Dazu gehören Upscaling für aktuelle Bildschirme, CRT Filter, Save States, ein Rewind System sowie verschiedene Cheats. Wer keine Lust mehr auf begrenzte Leben oder den teils gnadenlosen Schwierigkeitsgrad hat, darf sich beispielsweise unbesiegbar machen oder bei Fehlern einfach zurückspulen. Gerade bei einigen dieser Spiele ist das keine schlechte Idee. Denn so charmant die Originale heute noch wirken, einige Designentscheidungen sind brutal gealtert.
Der grosse Star von Retro Roundup! ist deshalb für mich weniger die reine Spieleauswahl als das Drumherum. Digital Eclipse behandelt die Sammlung beinahe wie ein interaktives Museum. Alte Designdokumente, Konzeptzeichnungen, Marketingmaterialien, Handbücher, Hintergrundinfos und das umfangreiche Musik Archiv vermitteln einen spannenden Einblick in die damalige Produktion. Gerade für Retro Fans ist das fast interessanter als manche der Spiele selbst. Die Sammlung versucht, ein Stück Videospielgeschichte zu dokumentieren. Und genau darin liegt ihr grösster Wert.
Toy Story 3: Complete Edition
Toy Story 3 erschien damals in unterschiedlichen Versionen. Asobo Studio, heute vor allem für A Plague Tale bekannt, entwickelte die Fassungen für PS2, PSP und Wii, während Avalanche Software, ja genau, die Just Cause Macher, für die übrigen Plattformen verantwortlich war. Die Complete Edition basiert auf letzterer Version und vereint Inhalte, die früher teilweise einzelnen Plattformen vorbehalten waren. Dazu gehört beispielsweise Zurg als spielbarer Charakter, der ursprünglich exklusiv auf der PS3 verfügbar war.

Das Spiel besteht im Kern aus zwei Bereichen: dem Story-Modus und der Spielzeugkiste. Im Story-Modus werden die wichtigsten Ereignisse des dritten Pixar-Films in insgesamt acht Levels nacherzählt. Bekannte Momente wie die Zugverfolgung, die Flucht aus Sunnyside oder Woodys Versuch, Andy auf sich aufmerksam zu machen, sind vorhanden, allerdings hält sich das Spiel nicht immer besonders eng an die Filmvorlage. Je nach Level übernehmen wir Woody, Buzz oder Jessie. Die Figuren verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten. Buzz kann seinen Laser einsetzen und durch die Luft gleiten, während Jessie präzisere Sprünge beherrscht. Andere Missionen sind dagegen fest an eine bestimmte Figur gebunden. Abwechslung ist also durchaus vorhanden.

Gleichzeitig wirkt die Kampagne heute ziemlich zusammengewürfelt. Manche Levels sind klassische Schlauch-Abschnitte, andere deutlich offener aufgebaut, wieder andere experimentieren mit Shooter-Elementen oder kleinen Fahrzeugsequenzen. Das sorgt zwar dafür, dass selten Langeweile aufkommt, vermittelt aber auch den Eindruck, dass Avalanche Software möglichst viele Ideen in ein einziges Spiel packen wollte, ohne diese konsequent auszubauen.

Spielerisch funktioniert Toy Story 3 grundsätzlich ordentlich, doch die Herkunft aus dem Jahr 2010 lässt sich kaum verbergen. Die Kamera reagiert teilweise zu abrupt, Zielwechsel fühlen sich unpräzise an und dass sich Buzz beim Zielen nicht frei genug bewegen kann, wirkt inzwischen unnötig eingeschränkt. Auch Sprünge fühlen sich gelegentlich schwammiger an, als man es von modernen Plattformspielen gewohnt ist. Das ist zwar kein Totalausfall und nach kurzer Eingewöhnung kommt man problemlos zurecht. Trotzdem merkt man immer wieder, dass unter den aufpolierten Texturen ein inzwischen 16 Jahre altes Spiel steckt. Die Complete Edition modernisiert die Oberfläche, lässt das eigentliche Spielgefühl aber weitgehend unangetastet.

Ein weiterer Schwachpunkt ist der Umfang der Hauptkampagne. Mit lediglich acht Levels fällt der Story-Modus ziemlich kompakt aus und lässt sich entsprechend schnell abschliessen. Wer nur die Filmhandlung erleben möchte und wenig Interesse an Sammelobjekten hat, bekommt keinen besonders umfangreichen Einzelspieler-Modus geboten. Gerade deshalb ist es schade, dass einige der bekanntesten Szenen des Films nur kurz angerissen werden. Statt die Handlung konsequenter auszubauen, verzettelt sich Toy Story 3 immer wieder in spielerischen Experimenten. Etwas mehr Linearität hätte dem Story-Modus meiner Meinung nach gutgetan. Die besten Momente sind nämlich genau jene, in denen das Spiel seine Filmvorlage ernst nimmt und bekannte Szenen spielerisch interpretiert. Die offeneren Levels bieten zwar mehr Freiheit, besitzen dafür aber nicht dieselbe erzählerische Dynamik.

Wesentlich besser schneidet die Spielzeugkiste ab. Hier lässt euch Toy Story 3 in einer offenen Western-Welt von der Leine. Als Sheriff erledigt ihr Aufgaben für die Bewohner, schaltet neue Gebäude frei, kauft Gegenstände und gestaltet eure eigene kleine Spielzeugstadt. Dabei könnt ihr zwischen mehreren Charakteren wechseln und zahlreiche Elemente der Umgebung verändern. Besonders charmant ist die Möglichkeit, Bewohner hochzuheben und in bestimmte Geschäfte zu werfen, wodurch sie neue Outfits oder Rollen erhalten. Die Spielzeugkiste steckt voller kleiner Aufgaben, Sammelobjekte und Freischaltungen. Wer alles entdecken möchte, kann hier deutlich mehr Zeit verbringen als in der eigentlichen Kampagne. Rückblickend erkennt man ausserdem viele Ideen wieder, die Avalanche Software später mit Disney Infinity wesentlich grösser aufziehen sollte.

Technisch wurde Toy Story 3 ordentlich aufpoliert. Hochauflösende Texturen, eine Darstellung in 4K und 60 fps sorgen für ein deutlich saubereres Bild als beim Original. Gerade die kräftigen Farben und die Cartoon-Optik profitieren von der höheren Auflösung. Allerdings bleibt klar, dass wir es hier nicht mit einem Remake zu tun haben. Animationen, Beleuchtung, Umgebungsdetails und Charaktermodelle stammen sichtbar aus einer anderen Hardware-Generation. Dass die Präsentation trotzdem noch funktioniert, liegt vor allem an Pixars zeitlosem Art-Design.
Fazit:
Toy Story: Retro Roundup! und Toy Story 3: Complete Edition zeigen auf zwei sehr unterschiedliche Arten, warum Spieleerhaltung wichtig ist. Retro Roundup! ist schon fast ein interaktives Museum. Die Spiele wurden mit grossem Respekt vor den Originalen übernommen, inklusive vieler technischer und spielerischer Eigenheiten, die heute teilweise nur noch schwer zu ertragen sind. Toy Story 3: Complete Edition ist spielerisch deutlich angenehmer gealtert, aber ebenfalls nicht frei von Problemen. Der Story Modus ist kurz, strukturell uneinheitlich und einige Steuerungselemente wirken inzwischen ziemlich altbacken. Das eigentliche Highlight bleibt die Spielzeugkiste. Ihre offene Struktur, die vielen kleinen Aufgaben und die überraschend umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass Toy Story 3 auch heute noch mehr Substanz besitzt als viele andere Filmumsetzungen seiner Zeit. Wer das Original liebt oder einen unkomplizierten Titel für jüngere Spieler sucht, bekommt hier die beste verfügbare Version des Klassikers.

Toy Story: Retro Roundup! & Toy Story 3: Complete Edition gibt's für PC, PS4, PS5, XBOX Series, Switch und Switch 2. Wir haben uns die Sammlung auf dem PC angesehen. Unser Test-Muster stammt von Atari, wofür wir uns herzlich bedanken!








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