The(G)net Review: Tunic

Eine gute Portion Zelda, ein paar Elemente aus Dark Souls, gepaart mit kryptischen Puzzles und noch einen putzigen Helden draufgelegt und fertig ist die neuste Action Adventure Sause für Indie Fans.


Tunic Test Review Indie Xbox

Tunic fackelt nicht lange. Als pummeliger Fuchs im luftigen Gewand starten wir an einem verlassenen Strandabschnitt in einer isometrischen Umgebung. Auf ein Tutorial wird anfangs gepfiffen und wir erkunden mit unserem watschelnden Protagonisten die nähere Umgebung. Ein Strassenschild könnte uns einen Hinweis leisten, aber leider erkennen wir nur ein unleserliches Kauderwelsch in einer fremden Sprache. Wir kommen kurz danach an einer kleinen Hütte vorbei und stürmen selbstverständlich die Bude. In dem 1-Zimmer Bungalow finden wir eine verlassene Kiste, aus der wir einen kleine Ast stibitzen.


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Besser als nichts, denn schon ein paar Bildschirme weiter werden wir von unfreundlichen Gesellen angegriffen. Mit dem kurzen Holzscheit verhauen wir die Widersacher und wundern uns über die sehr rudimentäre Angriffswaffe. Doch unsere Befürchtungen verflüchtigen sich rasch, als wir ein solides Kurzschwert einsacken und kurz danach auch den unverzichtbaren Schild. Mit dieser Grundausstattung sind wir endlich bereit, um mit den vor uns liegenden Schergen aufzuräumen. Per flotter 3er Kombo zersäbeln wir u.a. fiese Ritter, kleine Schleimwesen oder nervige Flugdrohnen. Unser Schild blockt sämtliche Attacken ab oder - wenn das nicht hilft - rollt man wie in Elden Ring aus der Gefahrenzone. Wer aber nicht auf die Staminabar achtet, ist schnell ausser Puste und Tunic marschiert für ein paar Sekunden schwächlich in der Gegend rum.


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Natürlich finden wir auf unserem Streifzug massenweise hilfreiche Güter für unsere beschwerliche Reise. Health Upgrades, Attack Boosts und Verteidigungsupgrades verstecken sich in Schatzkisten, die wir in geheimen Gängen oder gut getarnt hinter der isometrischen Perspektive entdecken. Aber aufgepasst, eure Stats lassen sich nur bei bestimmten Fuchs Shrines erhöhen, die ebenfalls als Auffüllstation und Checkpoints dienen.


Zu Beginn ist Tunic nicht der härteste Fuchs im Bau, sobald wir aber auf neue Angriffswaffen stossen, dreht sich der Spiess. Mit einem Eisdolch frieren wir kurzzeitig jegliche Gegner ein, schiessen per Zauberstab magische Projektile auf die Meute oder benutzen ein Magieseil als Greifhaken oder ziehen damit entfernte Gegner heran, für einfacheres Verkloppen. Doch auch hier gilt, ist eure Magieanzeige leer, muss Tunic auf das kurze Buttermesser zurückgreifen.


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Schon früh stossen wir in einem Wäldchen auf ein blinkendes Item. Wie sich herausstellt, haben wir die erste Seite der Bedienungsanleitung von Tunic gefunden. Im allerbesten 8Bit-Manual Style werden uns im Optionsmenu bei jeder neu gefunden Seite weitere Spielmechaniken, Tipps und Rätsellösungen serviert, leider meistens in der zu Beginn erwähnten unleserlichen Sprache. Was sich sehr bizarr anhört, wird im Laufe des Spiels auch bestätigt: Insgesamt 50 solcher Seiten sollen in der ganzen Spielewelt gefunden werden, um sich einen kompletten Überblick übers Tunic's System zu verschaffen.


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Nachdem wir das Wäldchen hinter uns und den ersten Boss auf die Matte gelegt haben, verschlägt es uns später in einen wilden Garten, einen Steinbruch und eine finstere Kathedrale. Neben den ganzen Schwertkämpfen gibt's aber auch Futter für die grauen Zellen. Es gilt einige knackige Rätsel zu lösen, von einfachem Schalterumlegen bis zu akribischem Studieren aller Seiten des Manuals.


Natürlich existiert auch ein netter Händler in dem Indie Fantasy Epos. Der gut versteckte Dealer verkauft uns Bomben, Magieauffüller, Extraherzen oder Eisbomben, die wir mit der Kohle von abgemurksten Spitzbuben bezahlen. Der Ausflug in die mystische Welt von Tunic dauert zwischen 12 bis 14 Stunden. Wer Mühe mit dem Standard-Schwierigkeitsgrad hat, darf im Optionsmenu zahlreiche Spielmechaniken anpassen. So deaktiviert ihr z.B. die Ausdauerleiste oder werdet schlicht weg unsterblich.



Fazit:

Mittlerweile nervts! Auch wenn From Software u.a. dank ihrer Staminaleiste massenweise Erfolge feiert, muss doch nicht jeder 3. Entwickler diese Mechanik in sein Spiel einbauen. Denn der Schuss kann wie bei Tunic auch nach hinten losgehen. Am Anfang geht das Ganze noch, aber später wird die Sache bei erhöhtem Gegneraufkommen zur Farce, denn erstens ist der kleine Fuchs nicht der schnellste Roller im Business und wenn ich von 3 Gegnern gleichzeitig umzingelt werde, hilft zweitens auch der beste Schutz nichts. Die Staminabar schrumpft nämlich schneller als ein Schneeball in der Sauna. Das könnte ich als alter Souls Veteran ja noch verkraften, wenn es aber ein paar Sekunden dauert, bis sich die Leiste endlich wieder füllt und ich unterdessen nichts tun kann und schutzlos vor den Gegnern stehe, dann reichts auch mir. Es bringt nämlich gar nichts das Spiel künstlich zu erschweren. Ich hab mich nach ein paar extrem mühsamen Abschnitten entschieden, die Ausdauer einfach auszuschalten und siehe da, das Spiel wurde besser. Ich haute die Gegner reihenweise weg und musste nicht befürchten, dass ein hinterhältiger Sniper Mutant mich von hinten abmurkst, weil ich keine Power zum Wegrollen hatte. Da Frage ich mich nur... haben die Entwickler gemerkt, dass es nicht ganz so rund läuft wie es sollte und haben im Nachhinein diese Hilfe eingebaut? Ich kann da als alter Review Fuchs nur spekulieren.


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Die Idee mit den Seiten, die für die Bedienungsanleitung von Tunic gefunden werden müssen, fand ich zu Beginn klasse, bis ich nach dem Durchblättern aber kaum mehr verstand als vorher, weil 90% in Kauderwelsch verfasst ist. Das mag ja ein witziges Gimmick sein, ich habe aber dank der Unübersichtlichkeit erst in der 2. Spielhälfte gecheckt, wie man auflevelt. Mission erfüllt, die Herren und Damen Entwickler!


Auf den ersten Blick wirkt Tunic wie die neuste Offenbarung für Fans, die nicht auf das nächste Zelda warten können. Doch ungenaue und fade Kampfmechaniken vermiesen den ansonsten nett inszenierten Ausflug. Auch Aufgrund des repetitiven Charakters und dem sehr schwachen Ende, kann ich für Unentschlossene nur auf das bessere Deaths Door verweisen.



Wir haben Tunic auf Xbox getestet. Das Spiel gibt's zum Zeitpunkt dieses Tests nur für Xbox Konsolen, PC und MacOS und auch nur digital. Tunic ist derzeit im Xbox Game Pass enthalten.

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