The(G)net Review: WRC 10

Zum letzten Mal hat das französische Studio Kylotonn die offizielle Lizenz der World Rally Championship inne. Ab nächstem Jahr liegt die nämlich in den Händen von Codemasters und somit EA. Als Fan des Sports durfte ich miterleben, wie aus der eher mässigen WRC-Serie eine tolle Umsetzung der Rally-Lizenz wurde. Auf der Xbox Series X haben wir herausgefunden, ob WRC 10 ein würdiger Abschluss darstellt oder ob die Entscheidung, sie an einen anderen Entwickler abzugeben, vielleicht doch die bessere ist.


WRC 10 Rally Game Test Review Xbox Series

Zwar aktuell noch ein Jahr verfrüht, bietet WRC 10 als grösste Neuerung eine Serie an historischen Rennen zum 50. Jubiläum der Rally-Meisterschaft. Dabei fährt man auf historischen Strecken, wie der Akropolis, mit Fahrern aus einer bestimmten Zeitperiode, die Grossartiges geschafft haben. So z.B. ein Rennen in Monte Carlo als erstes weibliches Duo der WRC Geschichte. Dazu gibt es einen netten kleinen Text und Fotos der echten Events. Man driftet auch in historischen Autos, wie dem ikonischen Subaru Impreza von Colin McRae aus dem Jahr 1998 um die Kurven. Der Schwierigkeitsgrad in diesem Modus wirkt jedoch nicht ausbalanciert und kann - als einziger im ganzen Spiel - auch nicht angepasst werden. Während ich einige Rennen problemlos beim ersten Versuch abschliessen konnte, gab es wiederum andere Strecken, auf welchen ich unzählige Versuche brauchte, um einen Sieg zu erringen.


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Wieder mit von der Partie ist der umfangreiche Karriere-Modus. Dabei fährt man nicht nur als Fahrer, wahlweise anfangend in der WRC Junior oder der WRC 3, bis an die Spitze der Welt, sondern kümmert sich um ein ganzes Team. Dazu gehört das Management von Geld, die Beziehung zu Herstellern und eine ganze Staff an Mechanikern, Physiotherapeuten und Meteorologen. Die Karriere bietet im Vergleich zu den Vorgängern kaum Unterschiede, abgesehen von den historischen Events, die auch hier zwischen den Rallies auftauchen können. Wer einen der letzten Teile gespielt hat, wird sich sofort wieder zu Hause fühlen. Man wählt aus, an welchen Events man teilnehmen will, stellt neue Leute ein und ist eben Manager. Nach einer Trainingssession wird das Team beispielsweise an Kurse geschickt, um Erfahrung zu sammeln und man bereitet sich auf die Hauptevents vor. Während alledem scheffelt man Erfahrungspunkte und Geld, das man weiter in sein Team investieren darf. Für jede Erfahrungsstufe gibt's einen Skillpunkt, den man entweder in die Technik, sein Team oder passive Boni wie zusätzliche Belohnungen investiert.


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Die Systeme greifen schön ineinander und bieten ein unterhaltsames Erlebnis. Die einzige grosse Neuerung ist das Management der Reifen während einer Rally. Noch bevor man diese startet, wirs aus einem begrenzten Kontingent eine Auswahl getroffen. Hart, weich oder für Regen, man sollte einigermassen Bescheid wissen, was einen erwartet, damit man auch die richtige Wahl trifft. Das bringt einen weiteren Funken Strategie in das Gesamtkonzept, was nett ist, denn daran fehlt es schon ein wenig. Wer einigermassen weiss, wie man seinen Rennstall managen muss, der wird sehr schnell keine Geld- oder Zeitprobleme haben.


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Fahrerisch muss sich WRC 10 nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Es ist mehr Simulation als Arcade, wer jedoch einfach so durch den Dreck schlingern will, kann das eigentlich ohne Bedenken tun. Die Einstellungen sind flexibel genug, dass alle Rally-Fans, egal wieviel Erfahrung sie mitbringen, Spass haben können. Schon in kürzester Zeit werden Asse und Neulinge gleichermassen im Höllentempo über Schotter, Schnee und Asphalt rasen und mit mehr oder weniger Finesse um die Kurven driften. Wer hauptsächlich Karriere spielt muss sich logischerweise zuerst durch die eher langsameren und nicht ganz so agilen Autoklassen kämpfen, bis man endlich Zugriff auf die Meisterklasse hat. Im Schnellen Modus können natürlich alle Strecken und Autos in beliebiger Konfiguration ausprobiert werden. Das Fahren selbst macht mächtig viel Spass und kann einen für Stunden fesseln. Eine umfangreiche Karriere ist gut und schön, der Jubiläumsmodus eine nette Ergänzung, aber wenn es spielerisch nicht einschlägt, wäre alles verloren. Glücklicherweise kann WRC 10 in diesem Punkt voll punkten.


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Dieses Jahr mit dabei sind auch die neuen Rallys der Saison: Belgien, Estland, Kroatien und Spanien. Die Ersatz-Strecken der Arctic Rally haben es leider nicht mehr ins Spiel geschafft. Im historischen Modus geht es dafür in die Akropolis, nach Argentinien, Deutschland oder San Remo. Dazu stehen altbekannte Rennen wie die in Schweden oder Portugal zur Verfügung. Besonders Estland, mit seinen engen und schnellen Strassen, macht sich sehr gut.


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Technisch kann WRC 10, wie auch schon seine Vorgänger, nicht ganz überzeugen. Schon im ersten In-Game Intro stechen einem starke Popups in nicht allzu grosser Distanz direkt in die Augen. Fährt man durch Büsche oder über Blumen, werden diese immer noch wie vor einer Konsolengeneration relativ plump plattgewalzt. Es fehlt einfach an allen Ecken und Enden an Details. Ob man sich auf den neusten Konsolen für Performance- oder Grafikmodus entscheidet, spielt dabei auch keine Rolle. Im Performance-Mode freut man sich immerhin über ein flüssiges Spielerlebnis. Mangelnde Details oder unschöne Popups fallen nicht so schwer ins Gewicht, wenn man sich vor Augen hält, dass man im Normalfall mit 200 km/h über die Pisten donnert. Die Motorensounds der Maschinen röhren dafür schön und geben einem das Feeling, einer echten Rally beizuwohnen.


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Wer online spielen will, wählt wie gewohnt Schnellrennen oder ganze Rallys aus. Ganz frisch ist der Beifahrer Modus, in dem man zusammen mit einem Freund in einem Auto sitzt. Für den Beifahrer selbst ist das aber nicht allzu unterhaltsam, denn dieser muss einfach ein Quick Time Event nach dem anderen abarbeiten, um seinem Fahrer die Angaben durchzugeben. Für mich und meinen Co-Fahrer war es kurzzeitig lustig. Nach einem ganzen Rennen haben wir diesen Modus aber kein zweites Mal angefasst. Ausserdem können dieses Jahr Clubs erstellt werden, in denen man sich mit anderen Rennbegeisterten zusammenschliesst. Diese bieten interne Ranglisten und individuelle Events. Die Clubs wirken aber eher halbgar und bieten kaum soziale Optionen. Erneut ein Bereich, in dem schnell die Luft raus ist.



Fazit:

Erneut bietet Kylotonn eine konsequente Weiterentwicklung ihrer bewährten Rally-Formel an. Die Neuheiten abseits des Jubiläums-Modus müssen jedoch mit der Lupe gesucht werden. Wer einfach einen leicht hübscheren Nachfolger der beliebten Rally-Serie will, wird hier auf keinen Fall enttäuscht. Ich hatte trotz der Kritik viel Spass mein Team aufzubauen und an die Spitze der Welt zu fahren. Eine Evolution der Reihe müsst ihr aber nicht erwarten, sonst werdet ihr definitiv enttäuscht.



Wir haben WRC 10 auf einer Xbox Series X getestet. Das Spiel ist auch für PS4, PS5, Xbox One, Switch und PC erhältlich. Das Test-Muster haben wir von Publisher Nacon erhalten, vielen Dank dafür!


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