The(G)net Review: Aliens: Fireteam Elite 2
- Sascha Böhme

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Für den Fall, dass Ihr es nicht wusstet: Ich bin ein riesengrosser Alien-Fans. Eine wichtige Information angesichts dessen, was Ihr gleich von mir lesen werdet. Und jetzt ist mir auch klar, wieso wir bis heute keinen Review-Key vom Publisher bekommen haben. Aliens: Fireteam Elite 2 ist einfach eine riesengrosse Katastrofe.

Es gibt Spiele, bei denen man sich nach wenigen Stunden fragt, warum überhaupt eine Fortsetzung notwendig war. Aliens: Fireteam Elite 2 gehört leider ziemlich genau in diese Kategorie. Cold Iron Studios schickt die Colonial Marines erneut gegen ganze Armeen von Xenomorphs ins Gefecht und verspricht dabei mehr Tiefe, bessere Gegner KI, eine hübschere Grafik und umfangreichere Koop Schlachten. Was auf dem Papier nach einer konsequent verbesserten Fortsetzung klingt, entpuppt sich allerdings viel als erstaunlich uninspirierte Neuauflage des Vorgängers, die man locker als DLC hätte vermarkten können. Und das ist besonders schade, denn die Lizenz hätte deutlich mehr verdient.

Das grösste Problem von Aliens: Fireteam Elite 2 offenbart sich bereits nach kurzer Zeit. Vieles wirkt unangenehm vertraut. Aufbau, Präsentation, Benutzeroberfläche und Menüs, Missionsstruktur und zahlreiche Assets erinnern derart stark an den ersten Teil, dass der Eindruck eines umfangreichen Addons durchaus gerechtfertigt ist. Viele Elemente wurden nahezu unverändert übernommen. Okay, jetzt gibts halt vVier statt drei Marines gleichzeitig, ein paar zusätzliche Waffen, ein erweitertes Klassensystem und veränderte Ausrüstung. Das ist grundsätzlich gut und willkommen. Doch all das ändert wenig daran, dass Aliens: Fireteam Elite 2 über weite Strecken wie das Spiel von 2021 aussieht und sich auch entsprechend anfühlt. "Fortsetzung" sieht anders aus.

Ein Shooter steht und fällt mit seinem Trefferfeedback. Gerade bei einem Aliens Spiel sollte jeder Feuerstoss aus dem Pulse Rifle brachial durch die Korridore donnern und bei der heranstürmenden Xenomorph Horde für kontrolliertes Chaos sorgen. Davon ist Aliens: Fireteam Elite 2 erschreckend weit entfernt. Waffen wirken kraftlos, die Bewegungen der Spielfiguren besitzen kaum Gewicht und selbst die Xenomorphs gleiten stellenweise beinahe schwerelos durch die Umgebung. Überhaupt wirkt vieles sehr unnatürlich animiert.

Besonders enttäuschend ist der Sound einiger ikonischer Waffen. Gerade das Pulse Rifle gehört akustisch zu den markantesten Waffen der Filmgeschichte. Trotzdem fehlt ihm hier der notwendige Druck und vorallem auch der Original-Sound. Bei einer Lizenz wie Aliens ist das kein kleines Detail, sondern eine Todsünde.

Auch optisch reisst der Nachfolger keine Bäume aus. Einige Schauplätze erzeugen durchaus eine passende Atmosphäre und dunkle Korridore funktionieren im Alien Universum natürlich noch immer hervorragend. Sobald Charaktermodelle, Gesichter oder Zwischensequenzen ins Bild rücken, fällt die Illusion jedoch schnell auseinander. Steife Animationen, schwache Gesichtszüge und eine generell altbackene Präsentation lassen Aliens: Fireteam Elite 2 teilweise Jahre älter aussehen, als es tatsächlich ist. Hinzu kommen (selbst auf einem PC mit RTX5090 GPU) Mikroruckler, Abstürze, eine allgemein schwankende Performance und Slowdowns in hektischen Kämpfen. Absurd ist, dass der bereits zum Start veröffentlichte Day-1 Patch eine lange Liste an Fehlern beseitigen müsste. Darunter befanden sich verschwindende oder kopflose NPCs, falsch funktionierende Klassen-Skills, Spieler, die nach Zwischensequenzen im Boden erschienen, fehlerhafte Wegpunkte, Clipping Probleme und zahlreiche visuelle Fehler. Das liest sich wie die Aufräumliste einer unfertigen Produktion.

Auch beim Missionsdesign macht sich schnell Ernüchterung breit. Immer geradeaus. Ihr bewegt euch durch Korridore, erreicht einen grösseren Raum, aktiviert irgendein Objekt und wartet anschliessend darauf, dass euch mehrere Wellen von Gegnern entgegengeworfen werden. Danach geht es weiter zum nächsten Raum, wo das Spiel von vorne beginnt. Natürlich gehört das Verteidigen gegen Xenomorph Horden zum Konzept. Doch wenn nahezu jede Mission nach demselben Muster abläuft, schläft selbst dem grössten Giger-Fan das Gesicht ein.

Immerhin bewegen sich die Aliens teilweise weniger vorhersehbar als im Vorgänger, nutzen häufiger unterschiedliche Wege und brechen Angriffe gelegentlich sogar ab, um aus einer anderen Richtung erneut zuzuschlagen. Das ist tatsächlich eine Verbesserung. Leider rettet das kein monotones Missionsdesign. Noch unverständlicher sind einige Komfortprobleme. Ein kooperativer Shooter lebt von Zusammenarbeit. Trotzdem fehlt weiterhin ein einfacher Chat und auch das Ping System ist mehr als altbacken. Dazu kommen Verbindungsprobleme und Situationen, in denen ausgeschiedene Mitspieler nicht durch Neue ersetzt werden.

Im Schiff, also der Lobby des Spiels, kommt es aufgrund des schlechten Netcodes regelmässig zu imensen Rucklern. Gerade bei einem Spiel, dessen langfristiger Erfolg unmittelbar von einer aktiven Online Community abhängt, ist das mehr als problematisch. Der erste Teil hatte bereits Schwierigkeiten, dauerhaft genügend Spieler zu halten. Umso wichtiger wäre es gewesen, beim Nachfolger sämtliche Hürden aus dem Weg zu räumen. Stattdessen stolpert Fireteam Elite 2 erneut über Probleme, die längst hätten gelöst sein müssen. Viele dieser Schwächen wären einfacher zu akzeptieren, wenn Aliens: Fireteam Elite 2 als "günstiger Koop Titel" angepriesen würde. Doch genau hier liegt einer der grössten Streitpunkte. Das Spiel kostet regulär um die 50.- Franken, die DeLuxe Edition fast 70.-. Ein ungerechtfertigter Preis, auch angesichts des Umfangs.

Ganz abschreiben sollte man das Spiel allerdings noch nicht. Klar wird es jetzt eine Flut an Patches geben und wenn vier Marines gemeinsam einen dunklen Korridor schleichen, der Bewegungsmelder hektisch ausschlägt und plötzlich mehrere Xenomorphs über Wände und Decken heranstürmen, funktioniert die Atmosphäre weiterhin hervorragend. Die Erweiterung auf vier Spieler ist sinnvoll, die neuen Klassensysteme bieten mehr Möglichkeiten und die teilweise verbesserten Gegnerbewegungen sorgen für dynamischere Gefechte. Auch die Spezialistenmechanik hat durchaus Glanzpunkte. Doch diese guten Ansätze stecken in einem Spiel fest, das technisch, spielerisch und optisch einfach zu wenig Fortschritt zeigt.
Fazit:
Im All hört dich niemand gähnen. Aliens: Fireteam Elite 2 ist erschreckend belanglos. Cold Iron Studios nimmt den Vorgänger, ergänzt einen vierten Spieler, erweitert einige Systeme, verändert das Verhalten der Xenomorphs und verkauft das Resultat als vollwertige Fortsetzung. Gleichzeitig bleiben schwache Animationen, monotone Missionsabläufe, mässiges Waffenfeedback, technische Macken und eine sichtbar betagte Präsentation nahezu unangetastet. Viele Technische Probleme verschärfen den schlechten Eindruck zusätzlich. Dass bereits zum Start ein umfangreicher Patch zahlreiche teils bizarre Fehler korrigieren musste, spricht nicht gerade für einen polierten Release. Fans des Vorgängers können mit einer eingespielten Vierergruppe sicherlich einige unterhaltsame Abende verbringen. Wer jedoch eine echte Weiterentwicklung erwartet hat, dürfte sich verwundert fragen, wo die letzten fünf Jahre geblieben sind. Auch wenn es schmerzt, von mir gibts dafür keine Kaufempfehlung.

Aliens: Fireteam Elite 2 ist für PC, PS5 und Xbox Series X|S erschienen. Wir haben uns das Spiel selbst gekauft und auf einem PC mit RTX5090 getestet.







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