The(G)net Review: EA Sports FC 27
Jedes Jahr verspricht EA, sich neu zu erfinden, und jedes Jahr steht am Ende doch wieder das gleiche Spiel mit neuen Kadern im Regal. Dieses Jahr sollte The Grounds beweisen, dass es auch anders geht. Wir sind durch die neue Stadt gelaufen, haben uns durch Rush gekämpft und auf dem grossen Feld geschwitzt. Unser Eindruck: FC 27 verlangt seinen Spielern mehr ab. Wer die neuen Möglichkeiten beherrscht, kann damit einiges anstellen. Wir haben uns allerdings öfters geärgert, als uns lieb war.

Lange erhofft, endlich da: Auf The Grounds haben wir uns gefreut, seit EA den Modus angekündigt hat. Schon vor einem Jahr ging das Gerücht um, eine offene Fussballwelt komme bereits mit FC 26. Daraus wurde damals nichts. Jetzt ist sie da, und unsere Hoffnungen waren entsprechend gross. Viel Abwechslung, vielleicht sogar ein Spiel im Spiel. Unsere erste Frage war die naheliegende: Bringt das etwas für Ultimate Team? Missionen für den eigenen Kader, Karten, die man in der Stadt freispielt?
Nein. The Grounds ist im Kern ein neuer Eingang zu Pro Clubs und ein Ort, an dem ihr euren eigenen Spieler hochlevelt. Was ihr in der Stadt tut, gibt Erfahrungspunkte für euren Avatar, dazu Spielwährung und Klamotten. Das Clubhaus ersetzt das alte Menü, von dort geht es zum eigenen Verein. Wer gehofft hat, EA würde hier FUT, Karriere und Clubs miteinander verbinden, wird enttäuscht.

Wer NBA 2K kennt, fühlt sich sofort zu Hause, und das ist nicht nur nett gemeint. Ihr baut euren Spieler, wählt Position und Spielertyp und lauft dann durch drei Viertel, die an einen englischen Vorort, Buenos Aires und Paris angelehnt sind. Dort warten Kylian Mbappé, Chloe Kelly und Paulo Dybala als Mentoren, und über allem steht ein alter Bekannter: Alex Hunter. Die Stadt erzählt euch eine Geschichte vom grossen Durchbruch. Dabei will man eigentlich nur spielen. Entsprechend oft haben wir die Gespräche zwischen zwei Matches einfach weggedrückt.

Gerade weil Hunter wieder dabei ist, drängt sich der Vergleich mit The Journey auf. An diesen Story-Modus kommt The Grounds aber nicht heran. Die Aufträge der Mentoren laufen meist darauf hinaus, eine bestimmte Anzahl Matches zu spielen oder den eigenen Archetyp eine Stufe höher zu bringen. Was ihr danach im Gespräch auswählt, ändert am weiteren Verlauf nichts. Schön gebaut ist die Stadt trotzdem. Auch die Laufbewegungen gefallen uns. Die Figur rutscht nicht über den Asphalt, sie läuft wie ein Fussballer. Das haben wir von unseren letzten Ausflügen in NBA 2K weniger gut in Erinnerung. Was fehlt, ist die Beschäftigung zwischen den Matches. In NBA 2K gibt es das Fitnesscenter und andere Orte, die dem Herumlaufen einen Zweck geben. Hier sucht man so etwas vergeblich. Ihr könnt den Ball aktivieren und auf Ziele schiessen, die in der Luft hängen. Das macht fünf Minuten Spass, dann war es das auch schon.

Besser sind die Minispiele auf den kleinen Plätzen. Ballone zerschiessen, Bälle in Kübel heben, ein Wettrennen um den Ball: Das ist albern und macht Laune. Nur muss man dafür erst einmal Gegner finden. CPU Spieler, die einspringen, gibt es nicht. Jedes Match braucht echte Leute, und die Warterei frisst die gute Laune auf, bevor überhaupt angepfiffen wird. Wir sind mehr als einmal entnervt zurück in die Karriere oder ins Ultimate Team gewechselt. Wer allein unterwegs ist, hat The Grounds deshalb schnell gesehen. Clubs erreicht ihr jetzt über The Grounds und das Clubhaus. Uns war der direkte Zugang über das alte Menü lieber. Das ist kein Drama, aber mühsamer als vorher. Einen Vorteil haben wir darin bisher nicht gefunden.

Rush, der Modus für fünf gegen fünf, fühlt sich leider genau gleich an wie letztes Jahr. Hohe Pässe kommen auf einem Niveau an, das man vom Dorfplatz am Sonntagmorgen kennt, und die Mitspieler machen weiterhin, was sie wollen. Habt ihr Glück, erwischt ihr drei Leute, die tatsächlich zusammenspielen. Habt ihr Pech, steckt ihr eine halbe Ewigkeit in einer Partie fest, die längst gelaufen ist. Einen kurzen Modus gibt es in Rush noch immer nicht. Wer allein in die Warteschlange geht, spielt nicht Fussball, sondern Lotto.

Auf dem grossen Feld hat EA viel versprochen und einiges davon gehalten. Die automatischen Tacklings der KI-Verteidiger sind im kompetitiven Spiel gestrichen, Steilpässe gehen genau dorthin, wohin ihr zielt, und Stürmer laufen auf Knopfdruck in einem Bogen hinter die Abwehr. Wer das beherrscht, spielt Pässe in die Tiefe, die richtig Spass machen. Bei uns hat das allerdings längst nicht immer geklappt. Gerade als Gelegenheitsspieler muss man sich hier umstellen. Wer seine Verteidigung nicht selbst im Griff hat, wird schnell bestraft. Unsere Lieblingsformation, das gute alte 4-4-2, war in EA FC bisher eine sichere Bank. Dieses Jahr kamen wir damit kaum zurecht. Die Verteidiger liessen die Mitte immer wieder so weit offen, dass der Gegner nach zwei Pässen allein vor dem Tor stand. Wenn dann noch der Spielerwechsel danebengeht, wird es bitter. Beim Steilpass ist es ähnlich: Schon eine kleine Ungenauigkeit beim Zielen reicht, und der Ball landet beim Gegner.

Wir verstehen, woher das kommt. Die Verteidiger, die von selbst den Fuss reinstellen, waren seit Jahren einer der grössten Kritikpunkte von Profis und Streamern. Wer gut verteidigen kann, hat jetzt mehr davon. Nur muss man das erst einmal lernen, und nach Feierabend hat nicht jeder Lust, sich in jeder Partie voll zu konzentrieren. Für uns waren entspannte Spiele jedenfalls deutlich seltener als erhofft.
Sogar die Ecke ist komplizierter geworden: Nach dem Festlegen der Schussstärke steuert ihr neu noch die Spieler im Strafraum. Das war uns bisher vor allem zu viel Gefummel für zu wenig Ertrag.

Und der Rest? Pro Clubs und die Spielerkarriere werden wieder einmal stiefmütterlich behandelt, abgesehen davon, dass Clubs jetzt eben über die Stadt läuft. Die Managerkarriere bekommt immerhin Transferverhandlungen in mehreren Runden, Ratenzahlungen und Rückkaufklauseln. Sonst bleibt auch dort vieles beim Alten. Mehr Neuerungen gibt es bei der Milchkuh Ultimate Team. Die neue Galerie speichert jede Karte, die ihr je besessen habt, und belohnt fertige Sammlungen. Die Squad Building Challenges gibt es zusätzlich in einer vereinfachten Form, und die seltenen Karten sind abgeschafft. Es gibt nur noch Bronze, Silber, Gold und Spezial. Dazu kommen ein paar Kleinigkeiten, wie jedes Jahr.
Weniger Freude machen die Zwischensequenzen während der Wartezeiten. Ein, zwei Szenen sind verschwunden, vielleicht ein, zwei neue dazugekommen. Die meisten kennen wir aber schon aus dem letzten Jahr.

Technisch und vor allem optisch tut sich sonst wenig. FC 27 sieht weitgehend aus wie FC 26 mit aufgeräumtem Menü. Auf der PS5 Pro lief es in unseren Tests stabil mit 60 Bildern pro Sekunde, auf der Switch 2 sind es nur 30. Deutlich störender waren bei uns die Abstürze. An manchen Abenden ist uns das Spiel mehr als 8 mal abgestürzt. Das hat uns noch mehr genervt als die alten Zwischensequenzen.
Fazit:
Wer bis hierhin liest, könnte meinen, FC 27 sei ein schlechtes Spiel. Das ist es nicht. Wenn eine Kombination aufgeht, der Steilpass genau richtig kommt und der Stürmer den Ball versenkt, macht das nach wie vor richtig Spass. Gerade deshalb ärgern uns die Baustellen, die EA seit Jahren mitschleppt.
Ein Teil des Problems dürfte sein, dass EA aus unserer Sicht zu wenig Konkurrenz auf Augenhöhe hat und es sich damit bequem macht. Statt konsequent zu verbessern, bekommt vor allem die Wollmilchsau Ultimate Team Aufmerksamkeit. Für die anderen Modi gibt es hier und da eine Neuerung, gerade genug, um den nächsten Kauf wieder zu rechtfertigen. Wie viel mehr möglich wäre, lässt sich schwer sagen. Dass in diesem Spiel noch mehr steckt, glauben wir nach unseren Partien aber schon. The Grounds ist der erste ernsthafte Versuch seit Langem, EA FC ein neues Gesicht zu geben. Dahinter steckt allerdings vor allem Pro Clubs mit Eingangshalle, eine wenig spannende Geschichte und Minispiele, bei denen man zu lange auf Mitspieler warten muss. Auf dem Platz ist FC 27 anspruchsvoller geworden. Gute Spieler bekommen mehr Möglichkeiten, ihr Können auszuspielen. Wir hatten dafür öfter das Gefühl, dass jede kleine Unachtsamkeit gleich ein Gegentor kostet. Dazu kamen in unseren Spielrunden zu viele Abstürze. Wer jeden Abend Division Rivals schwitzt, dürfte mit den Änderungen mehr anfangen können als wir. Wer nach der Arbeit mit seinem 4-4-2 ein paar entspannte Partien spielen will, braucht dieses Jahr vor allem mehr Geduld.

EA Sports FC 27 ist für PC, PS4, PS5, XBOX One und Series X|S sowie Nintendo Switch und Switch 2 erschienen. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 Pro angesehen. Unser Testmuster stammt von Electronic Arts, wofür wir uns herzlich bedanken!








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