The(G)net Review: Ebola Village
- Sascha Böhme
- vor 24 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Wusstet ihr, dass die "Ebola" Reihe des kleinen russischen Indie Games Studio bereits seit 2019 existiert? Wusstet ihr, dass die seither schon 4 Spiele veröffentlicht haben? Und wusstet ihr, dass alle diese Spiele freche Kopien von Capcom's Resident Evil Reihe sind? Nein? Ich auch nicht. Genau darum wollte ich mir Ebola Village unbedingt ansehen.

Wenn man sich Trailer und Screenshots von Ebola Village ansieht, dreht sich erstmal alles weniger um die Qualität als vielmehr um die Frage, ob die offensichtlichen Vorbilder noch als Inspiration durchgehen oder ob wir hier schon von Diebstahl reden. Natürlich lassen sich Entwickler immer von anderen Spielen beeinflussen, das gilt für Indie genauso wie für AAA. Der Unterschied ist nur, dass die meisten Ideen aufnehmen und dann etwas Eigenes daraus basteln. Ebola Village dagegen bedient sich derart hemmungslos bei Capcoms Horror Baukasten, dass wir schon von einem Asset-Flip reden können. Es überrascht, dass Sony und Xbox den Titel sogar auf ihren offiziellen YT-Channels präsentieren.

Schon die ersten Minuten wirken unfreiwillig komisch. Wie ein chaotischer Unfall aus schlechtem Design, fragwürdiger Modellarbeit und abwegigen Entscheidungen. Unsere Heldin Marina liegt mit unglücklich platzierter Hand halbnackt im Bett, während eine Nachrichtensendung eine gefühlt endlose Meldung über den Ausbruch eines neuen Virus runterlabert, alles in Russisch versteht sich. Deutsch oder Englisch gibt's nur in Textform. Und warum steht da ein riesiges Gurkenglas neben dem Fernseher? Dann die unnötige Abfolge von Mini Aktionen, nur um die Wohnung zu verlassen. Besonders bezeichnend: Marina weigert sich strikt ins Bad zu gehen, weil es dort angeblich "zu dunkel" sei. Und das, obwohl sie eine Taschenlampe dabei hat. Hä!?

Nachdem wir eine Ersatz-Sicherung im Treppenhaus installiert und uns die Auto-Schlüssel im nun erhellten Badezimmer geschnappt haben, geht es endlich in die namensgebende "Village". Marina fährt in das abgelegene russische Dorf, ihre Heimat, um dort nach ihrer Mutter und ihrem Ex Mann Ruslan zu sehen. Klar, dass dort bereits aggressive "Bauern" auf uns warten, die uns mit Heugabeln und Sicheln an die Kehle wollen. Im Elternhaus angekommen finden wir unsere infizierte Mutter, streifen uns ein Claire Redfield Cosplay über und lernen aus dem "Kampf-Handbuch" der Nachbarin "Oliana Valentine" noch fix das 1x1 der Selbstverteidigung. Das ist alles so dreist, dass es fast schon wieder witzig ist.

Auch die Gegner wirken wie "Resident Evil bei Wish bestellt". Opas mit Kettensäge und Jutesack überm Kopf? Check! Kräuter zur Heilung? You bet! Save-Rooms mit idyllischer Musik und Kiste? Aber ja doch! Einige der schlurfenden Untoten bewegen sich ziemlich flink, als hätten sie heimlich Leichtathletik Stipendien bekommen. Selbstverständlich ist auch das Inventarsystem bei frühen Capcom-Klassikern geklaut. Wir starten mit mageren 4 Slots, finden aber im Verlauf des Spiels Taschen, die unseren Platz auf maximal 10 Slots aufstocken. Selbstverständlich ist das immer noch viel zu wenig. Das häufige Jonglieren von Items und die obligatorischen Laufwege zurück zum Speicher-Raum (gesichert wird mittels Kassetten-Rekorder), fühlen sich länger an als das eigentliche Spiel.
Die Gegnervielfalt bleibt extrem überschaubar, ebenso wie das Waffen-Arsenal. Messer, Pistole und eine Schrotflinte, mehr ist da nicht. Gerade zu Beginn wirkt die Steuerung etwas sperrig. Zielen via ADS ist schwierig und das Interaktionssystem nicht immer so präzise, wie man es sich wünscht. Gegenstände werden zwar hervorgehoben, doch wenn mehrere Objekte dicht beieinander liegen, wird die Auswahl schnell mühsam. Das stört vor allem in Momenten, in denen Tempo und Übersicht entscheidend sind.

Die Schiessereien fühlen sich grundsätzlich brauchbar an, das Sounddesign ist ordentlich, Blut und Trefferfeedback können kurzzeitig so wirken, als wäre hier tatsächlich sowas wie Substanz. Und genau das ist das frustrierende bei Ebola Village: Gute Ansätze wären vorhanden, es wird aber nichts zu Ende gedacht. Nichts fühlt sich wirklich eigen an, eher wie eine Sammlung der grössten Survival Horror Hits, verteilt über vier oder fünf tatsächliche Umgebungen und zwei Boss-Fights.

Die Standard Zombies schwärmen massenhaft in Richtung Spieler und erzwingen nur eine einzige Lösung: drei oder vier Kopfschüsse, fertig. Sollten sie uns trotzdem mal zu fassen kriegen, kippt die Kamera in ein unübersichtliches Chaos, aus dem man sich fast nicht mehr befreien kann. Ein Messer für den Nahkampf gäbe es zwar, dessen Einsatz ist aber viel zu umständlich und zu langsam um brauchbar zu sein. Ausserdem ist ein Messer im knappen Inventar pure Platzverschwendung.

Die Erkundung ist eine der Stärken von Ebola Village. Innenräume wie auch Aussenbereiche sind detailreich gestaltet, und das russische Setting bringt einige visuelle Eigenheiten, die man in vergleichbaren Spielen nicht allzu oft sieht. Abseits vom sinnlosen Geballer besteht das Spiel aus Schlüssel Suche und simplen Rätseln, die selten länger als ein oder zwei Minuten dauern. Wer alle Items im Menü genauer untersucht und die gefundenen Dokumente liest, wird damit keine Probleme haben.

Optisch ist Ebola Village durchwachsen. Die Charakter-Modelle und deren Animationen sind grauenvoll und oft absolut lächerlich. Auffällig ist die explizite Gewaltdarstellung: Treffer können zu deutlich sichtbaren Verstümmelungen führen, und Kopfschüsse werden entsprechend drastisch dargestellt. Das ist blutig, aber immerhin konsequent im gewählten Tonfall. Performance, Texturen und die Beleuchtung gehen in Ordnung, aber viele der Assets sehen wie generische Stock-Items aus einem Online-Store aus. Vielleicht sind sie auch KI generiert oder mittels KI gescannt.

So oder so wirkt der schamlose Einsatz von KI (gerade auch im Ending) eher peinlich als kreativ. Da Ebola Village aber von nur einer Person entwickelt wurde und keine 20.- Franken kostet, werde ich da mal drüber hinwegsehen. Ebenso über die oft schlechte Übersetzung, die stellenweise eher Verwirrung stiftet als zu helfen.
Fazit:
Trotz aller Sympathie für Solo Entwickler Viktor Trokhin ist Ebola Village für mich eines der schlechtesten Spiele der letzten Jahre. Es ist eine schamlose Resident Evil Kopie und ein Mischmasch aus Capcom's Ideen, die mehr schlecht als recht umgesetzt wurden. Theoretisch dauert der Trip in dieses abgelegene russische Dorf nur drei Stunden. Praktisch wünscht man sich trotzdem, es wäre weniger. Das Ende besteht im übrigen nur aus einigen KI-generierten Standbildern und Text, dafür kriegt man einen YouTube-Link spendiert zu einem 25 Minuten langen Live Action Short-Film, der die Vorgeschichte von Ruslan erzählt (der im Spiel übrigens selbst nie vorkommt). Very Strange. Aber immerhin für ein paar Lacher gut.

Ebola Village ist als Download für PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, Switch und Switch 2 sowie PC erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 Pro angesehen. Das Test-Muster stammt von Axyosgames, wofür wir uns herzlich bedanken.













