The(G)net Review: Incantation
- Rony Liemmukda

- vor 12 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Softstart Entertainment beschert uns heuer die Konsolen-Portierung des First-Person Horror Spiels Incantation, das Ende 2024 bereits auf dem PC sein Debüt feierte. Incantation basiert auf dem gleichnamigen taiwanesischen Horrorfilm und erzählt von einer Mutter die seit Jahren ihr Kind zu finden versucht.

Das Spiel startet mit einer kleinen Rückblende. Eine Frau kümmert sich um ein Baby. Wir blenden um zur Gegenwart. Eben jene Frau sitzt auf dem Beifahrersitz, hält ein Foto von diesen vergangenen Tagen in ihren Händen. Polizist Will sitzt neben ihr am Steuer. Die beiden unterhalten sich über den mysteriösen Hinweis, dass sich die Tochter, die vor sechs Jahren spurlos verschwand, angeblich in einem abgelegenen Dorf aufhalten soll. Allerdings haben wir kurz darauf einen kleinen Autounfall und sind erst einmal ausgeknockt. Nachdem wir wieder bei Bewusstsein sind, ist Polizist Will verschwunden, also machen wir uns auf eigene Faust auf die Suche. Nach etwas Umherirren finden wir uns dann im ersten Haus des Dorfes wieder.

Incantation ist ein klassisches First-Person-Horror-Game mit kleineren Puzzles und Überlebenseinlagen, teilweise in Form von Quick-Time-Events. Die Inszenierung ist wie weitgehend Genre-typisch bei Nacht. Alles relativ ruhig, hier und da etwas düstere Musik um den Spieler in Stimmung zu bekommen, Sound- und diverse Lichteffekte gehören natürlich auch dazu. Die taiwanesischen Entwickler nutzen „klassische“ Elemente aus der asiatischen Mythologien, sowie Tabuthemen aus der chinesischen Gesellschaft. Schauplatz ist ein Dörfchen in einer abgelegenen Region, dessen Bewohner sich gerne von der Aussenwelt abschotten und auch Fremden gegenüber ziemlich feindselig verhalten. Von so etwas hört man ja öfters mal.

In diesem Dörfchen herrscht ein ziemlich, sagen wir mal, "satanischer Kult" mit Opfergaben und allem Wahnsinn der dazugehört. Unsere Protagonistin ist dem Gedanken verfallen, dass ihre Tochter damals bei der Behandlung einer Krankheit in einem nahegelegenen Hospital entführt wurde. Und tatsächlich finden wir im Dorf auch diverse Hinweise auf Personen, die einen gut verwalteten Menschenhandelsring in Kollaboration mit eben jenem Hospital unterhalten haben. Darunter auch ein gut geführter Katalog mit Daten von Kindern inklusive Fotos und einer Auflistung bekannter Macken und Merkmale an ihren Körpern. Dazu gesellen sich noch diverse Experimente an Menschen. Man könnte das Spiel schon fast als Gesellschaftskritik der chinesischen Kultur ansehen.

Was die urbanen Mythen angeht haben wir die typischen Klassiker im Programm. Der ewige Weg, welcher nur endet, wenn wir eine bestimmte Handlung vollziehen. Die stillen Puppen, welche plötzlich neben dir stehen, oder auf dich zulaufen, wenn du nicht hinschaust, und dich eventuell dann auch töten. Ansonsten gibt es noch Puzzles welche relativ simpel gehalten sind und nur etwas kognitive Aufmerksamkeit verlangen. Wer dafür einen Guide benötigt, der sollte sich ernsthaft schämen.

Zur Laufzeit kann ich sagen, das ist so zwiegespalten. Du kannst das Spiel innert zwei Stunden fertigbekommen, überspringst aber dabei komplett alle Hintergrundinformationen, oder du lässt dir Zeit und kommst auf drei bis sechs Stunden, aber hast dann wenigstens genug Informationen, um das Ende der Geschichte korrekt interpretieren zu können, da dies schon etwas kryptisch ausgelegt ist. Die Trophäen geben dir einen guten Anhaltspunkt, ob du wirklich alles gesammelt hast und ob du das wahre Ende vollständig interpretieren kannst.
Fazit:
Incantation ist nett, aber so "super scary", wie es im Trailer dargestellt wird, ist es nicht wirklich. Die meiste Zeit passiert eigentlich gar nichts. Wir laufen ziemlich oft von Punkt A nach B, um einen Weg nach Punkt C zu finden oder um eine Aufgabe zu lösen und dann wieder nach Punkt A zu gehen. Schreckmomente sind relativ gut vorhersehbar, besonders wenn man diese asiatischen Mythen kennt. Klar, es wird sicher ein paar Leute geben, die kurz aufschrecken, wenn in einem vorher leeren Raum, plötzlich eine Schaufensterpuppe neben ihnen steht. Aber wer ähnliche Geschichten kennt weiss halt, dass sowas passieren kann. Oder wenn du halt zwei, drei Minuten einen düsteren Gang entlangläufst, am Ende irgendwer gleich laut „Buuh!“ schreit oder dich etwas anspringt. Die Rätsel an sich sind eine nette Abwechslung, wenn auch manchmal nicht ganz Konsistent in der Ausführung. Zunächst gilt es zwar herauszufinden, was genau in den jeweiligen Situationen verlangt wird, besonders in jenen Abschnitten, in denen ein Fehler sofort tödlich endet. Doch gerade bei der Sequenz, in der man sich heimlich vorbeischleichen muss, blieb für mich unverständlich, weshalb ein erheblicher Teil meiner Versuche trotz nahezu identischer Vorgehensweise bereits im ersten Drittel der Passage mit dem Tod endete. Alles in allem ein nettes Spielchen für zwischendurch, kein Meisterwerk seiner Klasse, aber auch kein Totalausfall. Im Übrigen ist in der Konsolenfassung der DLC "Wo ist Mami?" bereits im Spiel enthalten und wird nach Beenden der Hauptstory freigeschaltet.

Incantation ist für PC, PS5, Xbox Series und Nintendo Switch erhältlich. Wir haben uns das Spiel auf der PS5 angesehen. Das Test-Muster stammt von Eastasiasoft, wofür wir uns herzlich bedanken!







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