The(G)net Review: Override 2 Super Mech League

Da ich Override 1 nie gespielt habe, konnte ich mir das Ganze komplett unvoreingenommen ansehen. Bei der Spielbeschreibung dachte ich erst einmal kurz an Virtual On, ein klasse Game. Nun hat sich Override 2 leider nicht als ähnliches Spiel herausgestellt, denn einfach zusammengefasst handelt sich es hier um einen reinen Brawler, also somit auch kein Kampfspiel im klassischen Sinne.



Die „Story“ ist relativ schnell erklärt: Irgendwann in der fernen Zukunft haben sich Mech-Turniere

als Freizeitunterhaltung etabliert und wir sind auserwählt, so ein elitäres Gerät zu steuern. Das war’s.

Nichts mit ‚Rette die Welt‘ oder ‚Befreie deine Freundin aus der Blechdose‘, einfach nur ‚Klopp‘ dich,

bis du zur Weltelite gehörst‘. Der Spielverlauf baut auf diesem simplen Konzept auf. Zuerst müssen wir ein Tutorial bestehen, in welchem wir die Grundprinzipien der Steuerung erklärt bekommen. Danach gilt es ein paar Runden einfach so zu kloppen und zu gewinnen, um In-Game Geld zu bekommen. Mit diesem Geld müssen wir unseren ersten, eigenen Blechmann kaufen, erst dann werden die eigentlichen Ligenspiele freigeschaltet. Diese dienen dazu, unseren Rang hochzustufen, um weitere Wettkämpfe freizuschalten. Dazu gehören ‚1 vs 1‘, ‚2 vs 2‘, ‚Keilerei‘ und scheinbar zufällig selektierbare Kämpfe wie ‚Bleib im Ring‘.



Da es sich hier um einen turnierbasierten Brawler handelt, wurde in das Spiel eine Art Sponsorship-System integriert. Gewinnen wir unsere Runden, kommt zufällig ein Vertrag eines Sponsors reingeflattert und unser Manager gibt uns die Details bekannt. Diese Verträge beinhalten eine Challenge und eine dazugehörige Belohnung. Meist sind die Missionen mit einem Zeitlimit versehen und die Uhr tickt auch weiter, wenn das Spiel beendet wird. Läuft die Zeit aus und sind die Konditionen nicht erfüllt, gilt der Vertrag als gescheitert und der Sponsor verabschiedet sich wieder. Als ‚Bonus‘ bekommen wir dann noch eine Standpauke von unserem Manager.



Was kann man mit dem In-Game Geld anfangen? Primär ist es damit möglich neue Mechas

freizuschalten. Der sekundäre Zweck liegt in der Anpassung. Die Definition von „Anpassung“ hat mich doch ehrlich ein wenig enttäuscht. Ich dachte es wäre wenigstens möglich, seinem Metall-Mann ein paar Extrawaffen oder andere Gimmicks zu verpassen. Letztendlich ist aber alles auf ‚Skins‘ ausgelegt, sprich andere Farben für Blechteile, fancy Hüte oder sonst irgendwelcher Hipster-Quark. Selbst unser Manager sagt:„Du musst mit deinem Mecha auffallen! Gib ihm auffallende Farben und Accessoires!“. Na dann...



Während wir schon bei Enttäuschungen sind, kommen wir zum Trainingsmodus. Eigentlich jedes

Kampfspiel, das etwas auf sich hält, kommt mit einem guten Trainingsmodus daher. Zuschaltbare KI mit KI-Kontrolloptionen, Move- und Kombo-Training, Schadensanzeige usw., nicht aber Override 2. Du kannst dir aus dem gesamten Sortiment nur einen Mech und die Arena auswählen, das war’s. Ein Druck auf die Start-Taste zeigt ein paar Standardattacken und sonst nichts. Absolut nutzlos.



Keine Frage, das Spiel hat mittlere bis sehr grosse Arenen und optisch macht es auch im Gesamten einiges her. Vor allem das Effekt-Gewitter ist beeindruckend. Meine Testumgebung ist die klassische PS4. Keine PS4 Pro, die etwas mehr Leistung hat und auch keine top moderne PS5 (für welche das Spiel bei der PS4 Fassung ein kostenloses Upgrade enthält). Das Problem sind die massiven Grafikeffekte. Für mich scheint es, als habe der Entwickler vollkommen vergessen, Override 2 auch für die Base-PS4 anzupassen. Es gibt nämlich Spielmodi, da sind bis zu vier Robis auf der Karte, die Arena ist riesig und voll mit explosiven Elementen. Nun hat auch jeder Blech-Lümmel sein eigenes, ganz spezielles Move-Set, welches einiges grafisch imposant auf dem Schirm zur Geltung bringt. Und dann passiert es: Extreme Framedrops, bis zu den sprichwörtlichen 5 fps.



Auch die Steuerung ist nicht frei von Makeln. Die High/Low Tritte bzw. Schläge liegen auf den Schultertasten, ein Ultimate Move auf L3 und der Quickstep, Block, Wurf und Sprung auf den Symboltasten. Die Hauptaktionen auf die labilen Schultertasten zu legen ist für mich persönlich schon fragwürdig genug, aber es kommt noch besser. Beim Spielen auf der Base-PS4 gibt's einen richtig fetten Inputlag. Ich vermute jetzt einfach mal, dass durch die Grafik die alte Kiste stellenweise so dermassen überfordert ist, dass die Ressourcen für die Steuerung einfach hinten anstehen müssen. Sehr deutlich macht sich das, wenn der Block nicht funktioniert, die spärlichen Kombos nicht auslösen oder plötzlich Attacken ausgeführt werden, von denen man dachte, diese vor ein paar Sekunden schon gedrückt zu haben.



Als Highlight des Negativspektrums sehe ich den Content. Es gibt effektiv nichts für Single- oder Offline-Player. Jedes Ligaspiel braucht eine Online-Lobby. Ich habe Stunden in der Warteschleife verbracht und auf mehrere Spielsitzungen verteilt maximal sechs menschliche Spieler gesehen. Sollte das Spiel keine Lobby finden, wird nach ein paar Minuten automatisch auf Bots umgestellt. Und hier liegt das nächste Problem: Die KI der Bots ist dumm wie Stroh, das Balancing absolut verpeilt. Mal kloppst du innerhalb von maximal zwei Minuten alles klein, ein anderes Mal landest du nach 30 Sekunden selbst in der Schrottpresse.


Es gibt aber auch ein paar positive Dinge zu berichten. Der Soundtrack z.B. mit seinen Metal-Vibes. Der geht meiner Meinung nach richtig gut ab. An eine Anlage angeschlossen küsst jede Explosion den Bass bis in den Rachen. Es knallt so richtig, das macht Laune. Und die Mechas an sich sind durchdacht, abwechslungsreich und hübsch gestaltet.



Fazit:

Das Spielkonzept von Override 2 wär im Grunde gar nicht übel. Ein 3D-Kampfspiel mit lokalem und Online-Mehrspielermodus, das perfekt für kompetitive Spieler, Mech-Fans oder Gelegenheitsschläger wäre. Die vielen Mechas mit ihren individuellen Charakteristika können zumindest im Lokalspiel mit (bis zu vier) Kumpels für einige unterhaltsame Stunden sorgen. Leider drückt der Mangel an Onlinespielern und die lange Liste der Negativpunkte den Spielspass merklich, zumindest auf der Base-PS4. Das ständige Spielen gegen dumme Bots macht auf Dauer nämlich keinen Spass. Override 2 hätte im Grunde potential, es wurde einfach wieder einmal nicht richtig ausgereizt. Solltet ihr das Spielprinzip mögen, testet das Spiel auf der Konsole eurer Wahl erst an, bevor ihr es nach diesem Testbericht gedanklich schon ad acta legt. Auf PS4 Pro oder PS5 läuft es vermutlich runder.




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